Need for Speed Heat [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.11.2019 um 10:51

 

Traditionsrennen

 

Mit weit über zwanzig Spielen gehört „Need for Speed“ sicherlich zu einer der umfangreichsten Spiele-Reihen. Doch mittlerweile ist der Lack ganz schön ab und man ist weit entfernt von dem Kult, den der Erstling damals im Jahr 1994 lostrat. Dieser war in Sachen Grafik und Detailverliebtheit bei den Autos Genrespitze, auch die nachfolgenden Titel etablierten die Reihe immer mehr in der Spitzengruppe der Rennspiele.

Ab Teil 3 kamen die beliebten Verfolgungsjagden mit der Polizei dazu, „Need for Speed Underground“ nahm sich dann dem Tuning-Trend der 2000er an und damit erlebte die Reihe letztlich ihren letzten großen Höhepunkt.
Was folgte war ein ständiges Auf und Ab und somit fand sich „Need for Speed“ immer mehr im Mittelmaß des Rennspiel-Genres. Absoluter Tiefpunkt war das 2017 erschienene „Need for Speed Payback“, das mit zufallsbasiertem Tuning und unverschämten Lootbox-Einsatz den Vogel abschoss.

Nun erscheint „Need for Speed Heat“ und soll die Serie wieder zurück in die Spitzengruppe führen. Und das vor allem ohne den Einsatz von Lootboxen oder irgendwelchen Mikrotransaktionen. Ob auch der Rest des Spiels so lobenswert ist, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

 

Vom Frischling zum Star

 

Ja, Stories in Rennspielen sind meistens generisch und seicht und nur ein Aufhänger um ständig irgendwelche Rennen zu fahren. Und das ist auch in „Need for Speed Heat“ so. Als Neuling kommt ihr nach Palm City - welche übrigens Miami nachempfunden ist - und wollt euch in der Straßenrennen-Szene etablieren. Nur blöd, dass gerade die Cops extreme Jagd auf die Raser machen und dabei kaum einen Stein auf dem anderen lassen.

Die beiden Geschwister Lucas und Ana vertreten dabei die beiden Renntypen. Denn während ihr euch tagsüber in legalen Rennen Kohle verdient, die ihr in Autos oder deren Tuning stecken könnt, animiert euch Ana dazu, ein Teil ihrer neuen Crew zu werden.

Hierfür braucht es jedoch mehr als Geld, hier zählt nur der Ruf. Diesen verbessert ihr euch durch Rennen in der Nacht, in der aber auch die Cops auf euch Jagd machen.

 


 

Wie Tag und Nacht

 

„Need for Speed Heat“ bietet euch also zwei recht unterschiedliche Gameplay-Features. Während die Rennen am Tag recht entspannt ablaufen und die Cops euch nicht weiter beachten, wird nachts gerempelt und verfolgt was das Zeug hält.

Hier kann es auch mal dazu kommen, dass die Polizei schon während der Rennen eingreift, was die Umstände für den Sieg natürlich noch einmal deutlich erschwert. Sind euch die Cops einmal auf den Fersen müsst ihr diese abhängen oder die Verfolger durch Rempelattacken ins Aus befördern. Ist euch das gelungen, könnt ihr entweder weitere Rennen auf der Karte auswählen oder ihr fahrt zurück zu einem eurer Verstecke, wo ihr schon einmal die erspielten Rufpunkte sichert.

Neben Rennen von A nach B oder mit mehreren Runden, kommen später auch noch Drift- und Offroadwettbewerbe dazu. Diese setzen aber auch entsprechende Autos voraus, mit einem tiefer gelegten Mazda RX-7 braucht ihr also erst gar nicht zu den Rennen über Stock und Stein antreten.

 

Von Flamingos und austauschbaren Figuren

 

Die Open World von Palm City ist leider etwas leblos geraten. Auch wenn es einige Entdeckungen zu machen gilt, so könnt ihr zum Beispiel Werbeschilder zerstören, Flamingos oder Streetart finden, wirkt das alles recht blutleer. Immerhin gibt es ein bißchen Straßenverkehr und wenn ihr online seid, andere Spieler, die ihr zu Rennen herausfordern könnt.

Während ihr euer Auto natürlich auch wieder vielseitig modifizieren könnt - dazu später mehr - gilt das diesmal auch für eure Spielfigur. Diese könnt ihr aus zahlreichen vorgefertigten Modellen wählen und mit allerlei coolen Klamotten von Adidas und Co. ausrüsten. Seltsamerweise könnt ihr die Figur zu jedem Zeitpunkt des Spiels wechseln…also eigentlich ist es egal wen ihr spielt.

Denn hier geht es schließlich um die Autos, den Lack, dicke Auspuffanlagen und viel Blingbling. Und hier liefert „Need for Speed Heat“ recht ordentlich. Aus insgesamt 127 Autos dürft ihr euren Favoriten wählen, egal ob PS-starke Kleinwägen wie die A-Klasse von Mercedes/AMG, Musclecars wie den Ford Mustang oder Luxusschlitten wie den Koenigsegg Regera, hier dürfte wirklich für jeden was dabei sein.

Die Tuningoptionen sind ähnlich vielfältig. Von der Verbesserung der Motorleistung über neue Anbauteile oder komplette Lackierungen(u.a. auch von anderen Usern herunterladbar), das Aufmotzen von Autos war selten so umfangreich und spaßig.

 


 

Auf Hochglanz poliert?

 

Optisch kann „Need for Speed Heat“ nicht immer überzeugen. So sind die Fahrzeugmodelle schön anzusehen und sehr detailliert, leider wirkt die Grafik auf der Standard-PS4 manchmal recht grobkörnig. Vor allem bei sonnendurchfluteten Fahrten durch die Stadt stört dies, fällt aber noch mehr bei Wetterumschwüngen zu Regen auf. 

Auch wenn Palm City recht leblos gestaltet ist, findet man viele kleine Highlights wie den verlassenen Motorway oder Industrieanlagen hoch über der Stadt. Nicht ganz so gelungen ist das Schadenmodell der Fahrzeuge, denn außer Kratzern und zerbrochenen Scheiben gibt es da nicht viel zu sehen.

Die Steuerungsqualität von „Need for Speed Heat“ ist natürlich extrem abhängig vom gewählten Auto. So reagierte unser Starter, ein Nissan, sehr giftig in den Kurven, der später gekaufte RX-7 lag dagegen wie ein Brett auf der Straße und war durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Negativ aufgefallen ist die Musik, die leider nur aus wenigen Tracks besteht und sich sehr schnell wiederholt. Dies liegt aber vor allem daran, dass die Auswahl in Tag und Nacht und dann auch nochmal in freie Fahrt und Rennen unterteilt ist. Seltsame Entscheidung!

Dafür röhren die Autos aber ordentlich und lassen echte Rennatmosphäre aufkommen. Es gibt beim Tuning sogar eine Möglichkeit, den Auspuffsound anzupassen.

 

FAZIT: Auf einem guten Weg!

 

Es ist schön zu sehen, dass die Kritik aus der Community langsam den Weg zu den Publishern und Entwicklern findet und EA beim diesjährigen „Need for Speed“-Ableger auf unnötigen Kram wie Mikrotransaktionen und Lootboxen verzichtet. Daher fällt einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers schon einmal weg!

„Need for Speed Heat“ ist ein sehr gelungenes Rennspiel, was zwar sicherlich nicht an den Genre-Primus „Forza Horizon“ heran kommt, allerdings mit einigen Spieleinhalten glänzt. So muss man das umfangreiche Tuningangebot wirklich loben, außerdem ist die Unterscheidung zwischen den Tag- und Nachtrennen eine gute Idee. 

Die Story ist mal wieder belanglos und pseudo-cool und einige kleinere Mängel wie die eingeschränkte Musikauswahl oder die grobe Grafik trüben den Gesamteindruck etwas. Dennoch macht „Need for Speed Heat“ in den Rennen wirklich großen Spaß und setzt alle Inhalte, die ein Arcade-Racer braucht, wirklich gut um. Also rein in den Sportsitz, anschnallen und los gehts!