MediEvil [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 01.11.2019 um 18:16

 

Von Remakes, Remastern und Neuauflagen

 

Mit dem Wechsel von PlayStation2 zu PlayStation3 revolutionierte vor allem ein Feature die gesamte Branche: Full HD-Auflösung. Wirkten viele Spiele bis zu diesem Zeitpunkt häufig recht verpixelt, erstrahlten die Games dieser Generation in einer glasklaren Optik. 

Dadurch sind vor allem Titel der ersten und zweiten PlayStation-Generation heutzutage schlecht gealtert, denn die alte Polygon-Optik versprüht einfach nicht den gleichen Charme wie Pixelgrafik von SNES & Co.
Doch glücklicherweise kommen einige Spiele von damals in Form von aufwendigen Remakes oder Remaster-Versionen zurück und machen die Titel auch heute wieder spielbar. Während man bei Remakes, wie z.B. Anfang des Jahres bei „Resident Evil 2“, auch das Gameplay an moderne Spielarten anpasst, begnügt man sich bei Remasters hauptsächlich mit Verbesserungen der Grafik. So geschehen auch beim gerade veröffentlichten „MediEvil“, das 1998 für die PlayStation erscheinen ist.
Das Spiel rund um den untoten Ritter Sir Daniel Fortesque hat mittlerweile Kultstatus, leider ist seit 2005 mit der Reihe nicht mehr viel passiert. Wie sich die Neuauflage des Spiels schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Das ging in’s Auge!

 

Der Held von „MediEvil“ ist Sir Daniel Fortesque, ein ehrenwerter Ritter, der zusammen mit seiner Armee in die entscheidende Schlacht gegen den Bösewicht Zarok zieht. Während das Heer den Scharlatan besiegen kann, verläuft das Geschehen für Sir Daniel nicht so gut. Denn innerhalb der ersten Sekunden bekommt der Gute einen Pfeil in den Kopf und ist Geschichte.
Doch 100 Jahre später erwacht nicht nur euer, nun einäugiger Held aus dem Reich der Toten, auch der böse Zarok ist wieder aufgetaucht und unternimmt einen neuen Versuch, das Reich Gallowmere unter seine Fittiche zu bekommen.

Nun liegt es also erneut an euch, das Königreich vor Zarok zu beschützen! Diesmal hoffentlich ohne verfrühtes Ableben…

 


 

Oldschool Vibes

 

Bei „MediEvil“ handelt es sich um ein klassisches Hack’n Slay aus der Thirdperson-Perspektive. Während ihr euren Helden mit dem Analogstick durch die Welten steuert, könnt ihr eure Feinde mit Primär- und Sekundärwaffe angreifen und euch bei Gelegenheit mit einem Schild gegen deren Angriffe wehren.

Besitzt ihr anfangs nur ein Schwert bzw. Euren Arm…ja, euren Arm…bekommt ihr nach und nach stärkere Waffen wie einen Hammer oder eine Keule. Auch Fernwaffen in Form einer Armbrust oder Wurfmessern gibt es, für die ihr allerdings Munition nachkaufen müsst.

Überall in den Level findet ihr für diesen Zweck Beutel oder Truhen voller Goldmünzen, die ihr dann an einigen Punkten bei sprechenden Steinfratzen gegen neue Items eintauschen könnt. Neue Hauptwaffen bekommt ihr allerdings nur im Heldensaal, wo ihr gefundene Heldenkelche abstellen und dann den verstorbenen Kriegshelden huldigen könnt. Diese versorgen euch dann mit dem schon genannten Hammer oder anderen Kriegsgeräten. Die entsprechenden Kelche bekommt ihr übrigens, wenn ihr in einem Level alle Feinde besiegt habt. Eine Prozentanzeige gibt euch hier die nötige Übersicht.

Wenn ihr euch mit Hilfe eures Schildes gegen feindliche Angriffe schützen wollt, solltet ihr immer dessen Haltbarkeit im Auge behalten. Die hierfür wichtige Leiste findet sich unter eurer Energieanzeige. Letztere könnt ihr an manchen Stellen mit grünem Rauch auffüllen lassen, aber auch Energiephiolen finden sich in den Level verteilt. 

 

Mittelalter Grusel!

 

Die verschiedenen Welten reichen von Friedhöfen über Schlösser bis hin zu Bauernhöfen und Wäldern und bieten euch eine Vielzahl an Feinden. Egal ob diebische Gnome, hirnsuchende Zombies oder heulende Wölfe, hier kommt nur selten Langeweile auf. Auch die Endgegner haben häufig ein ungewöhnliches Design, fordern euch aber mit sehr vorhersehbaren Angriffsmustern nur geringfügig.

In der Kartenansicht könnt ihr euch zwischen den Level hin und her bewegen und auch ältere Welten noch einmal aufsuchen. Hin und wieder vergisst man doch einmal das ein oder andere Gehemnis und ist froh über diese Möglichkeit.

Neben allerlei Auseinandersetzungen gibt es zwischendurch auch einige Rätsel zu bewerkstelligen, deren Lösung meist aber sehr offensichtlich ist. Auch Jump’n’Run-Einlagen sind an einigen Stellen eingestreut und fordern eure Reaktion.

 


 

Tim Burton wäre stolz!

 

Die größte Stärke von „MediEvil“ liegt aber definitiv in der Optik. Der Artstyle erinnert zu großen Teilen an die damaligen Werke von Tim Burton und ist wirklich großartig gelungen. Angefangen bei Sir Daniel himself, über die Gegner bis hin zum Leveldesign. Das Remaster gewinnt durch die moderne Optik und die vielen Details deutlich an Charme hinzu, und das obwohl das Original damals schon gut war.

Super ist auch die Vertonung. Während einige Teile der musikalischen Untermalung zwar episch sind, aber dann doch manchmal so gar nicht zum Rest des Geschehens passen, ist die deutsche Synchro ein Ohrenschmaus. Unzählige Dialekte wurden hier verwurstet und verleihen dem Spiel ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Da kann sich so mancher AAA-Titel mal eine Scheibe abschneiden.

Nicht so schön ist allerdings, dass man die Mängel des Originals übernommen hat. So nervt die Kamera mit vielen Momenten der Unübersichtlichtkeit, viele Feinde werden von Objekten verdeckt. Da hilft auch die neue Dan-Cam nichts, die näher an das Geschehen heranzoomt. Auch die Menüführung bzw. der Wechsel der Waffen ist umständlich und heutzutage ein Nogo. Hierfür muss man das Spiel nämlich erst einmal pausieren und kann dann neue Primär- bzw. Sekundärwaffen auswählen.

 

FAZIT: Remaster mit Altersflecken!

 

„MediEvil“ ist das perfekte Beispiel was an Remaster-Versionen gut und schlecht ist. Zum einen gewinnt das Spiel durch die moderne Optik und Akustik noch einmal deutlich an Charme, verärgert dann aber mit der bockigen Kamera und einigen altbackenen Gameplay-Macken.

Neben der Waffenauswahl ist das vor allem der Umgang mit den Energiephiolen. So war nach einem Bosskampf deren Vorrat aufgebraucht und auch die Energieleiste ziemlich am Ende, so dass der Bildschirm schon rot aufleuchtete. Statt dem Spieler zum Start des nächsten Levels dann zumindest einen gefüllten Energiebalken zu spendieren, musste man so weiterspielen. Stirbt man, setzt man am letzten Speicherpunkt mit der knappen Energie fort. Und das Spiel beginnt von vorne…Hier hilft dann nur der Sprung in ein früheres Level um Phiolen zu sammeln oder seine Energie aufladen zu lassen.

Wäre das Treffer-Feedback im Spiel besser, könnte man vielleicht auch mehr auf seine Energie achten. Dieses ist aber so gut wie nicht vorhanden und gilt sowohl für ausgeteilte wie auch eingesteckte Schläge und Angriffe. 

Letztlich kosten diese Kritikpunkte dem Titel eine höhere Wertung. Für Spielerinnen und Spieler, die „MediEvil“ schon damals auf der PlayStation gespielt haben, ist das Remaster perfekt. Neulinge sollten einmal die Demo spielen.