Concrete Genie [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 19.10.2019 um 12:58

 

Farbenspiel

 

Die Software-Bibliothek der PlayStation4 kann sich sehen lassen und strotzt vor riesengroßen AAA-Produktionen, die den Kauf der Sony-Konsole absolut rechtfertigen. Egal ob „Uncharted“, „God of War“ oder das kommende „Death Stranding“, der japanische Elektronik-Konzern hat in Sachen Spiele-Auswahl seine Hausaufgaben gemacht und ist somit der Konkurrenz aus Redmond weit voraus.

Neben den vielen großen Titeln darf man aber auch die kleineren Spiele dieser Generation nicht vergessen. So werden am Ende dieser Konsolengeneration vor allem Housemarques Arcade-Titel wie „Nex Machina“ in Erinnerung bleiben, aber auch einige liebevolle Spieleperlen wie „Astro Bot: Rescue Mission“. Zu diesen kleinen Geheimtipps könnte auch „Concrete Genie“ gehören, das nun von Pixelopus exklusiv für die PS4 entwickelt wurde.

Dieses Spiel spricht vor allem die kreativen Köpfe unter den Spielerinnen und Spielern an, da es euch sehr viel Freiheiten in der Gestaltung der Spielwelt und deren Figuren lässt. Ob der Titel es tatsächlich verdient hat, in den Kreis der spielenswerten Exklusiv-Games auf der PS4 aufgenommen zu werden, verraten wir euch in unserem Test. 

 

Ash und die Finsternis

 

Das Küstenstädtchen Denska hat viel von seinem einstigen Glanz verloren und ist mittlerweile sehr heruntergekommen und wurde daher vom Großteil seiner Bewohner verlassen. Grund dafür ist die Finsternis, die sich in der Stadt ausbreitete und sie zu einem unheimlichen und ungemütlichen Platz gemacht hat.

Doch Ash kommt gerne hierhin zurück, denn hier kann er ungestört in seinem Skizzenbuch malen und die Alltagssorgen vergessen. Leider treiben sich in Denska aber auch einige Kids herum, die nur Unsinn im Kopf haben und es vor allem auf Ash abgesehen haben. Als sie ihn wieder einmal drangsalieren, zerstört einer der Bullies das Skizzenbuch von Ash und die Blätter verteilen sich quer durch die Stadt. Zu allem Übel stecken sie ihn auch noch in die Gondelbahn, die hoch zum verlassenen Leuchtturm führt, in dem es spuken soll. Dort lernt er den Geist Luna kennen, der ihm einen magischen Pinsel anvertraut mit dem Ash die Finsternis vertreiben kann. Kann er Denska wieder zu dem lebenswerten Ort machen, der er einmal war?

 


 

Schwing’ den Pinsel

 

„Concrete Genie“ steuert ihr aus der Thirdperson-Perspektive und lässt euch nach und nach die verschiedenen Stadtteile von Denska erkunden. Diese sind in verschiedene Zonen unterteilt, aus der ihr die Finsternis vertreiben müsst. Doch wie stellt ihr das an? Ganz einfach. An einigen Häuserwänden hängen Lichterketten, die ihr erhellen könnt, wenn ihr die darunterliegenden Wände bemalt.

Dank eurem magischen Pinsel könnt ihr aus verschiedenen Motiven wie Sonne, Mond, Pilzen, Gras und anderen Zierelementen wählen und aktiviert damit die Lichterketten. Die Motive findet ihr nach und nach in der Spielwelt und so erweitert ihr euer Portfolio um zahlreiche Bilder und Objekte. An manchen Wänden hat sich die Finsternis aber schon ausgebreitet, dort hilft dann nur Superfarbe. Und hier kommen die Dschinns ins Spiel. Diese sympathischen Wesen leben quasi auf den Wänden und können sich auch nur dort fortbewegen. Dabei gibt es unterschiedliche Typen, die in die Elemente Feuer, Wind und Strom unterteilt sind und euch so bei zahlreichen Puzzles weiterhelfen können.

Schönes Feature: die Dschinns gestaltet ihr aus mehreren Vorlagen weitestgehend selbst und entscheidet darüber ob sie Hörner, einen Schwanz oder einen bestimmten Kopfschmuck tragen sollen. 

Die Dschinns versorgen euch also mit Superfarbe, die ihr von ihnen bekommt wenn ihr mit ihnen interagiert oder ihnen die gewünschten Motive an die Wand malt. Anschließend könnt ihr durch Druck auf L2 und R2 die Superfarbe aktivieren und so die Finsternis übermalen. 

 

Feinde und die virtuelle Realität

 

Die Bullies vom Anfang des Spiels trefft ihr auf eurem Streifzug durch Denska auch immer wieder mal und dabei solltet ihr Auseinandersetzungen mit diesen tunlichst vermeiden. Denn Ash ist recht wehrlos und sollte sich vor den unsympathischen Quälgeistern lieber verstecken. Sollten sie euch mal den Weg zur nächsten Zone versperren, könnt ihr sie mit einem Ruf auf eine falsche Fährte locken.

Bis zum letzten Kapitel bleibt diese Gang aus Kids und Jugendlichen euer einziger Widersacher, dann müsst ihr euch gegen böse gewordene Dschinns zur Wehr setzen, die sich jetzt auch in der realen Welt fortbewegen können. Dieses Spielelement wirkt zunächst etwas aufgesetzt und man muss sich erst an den neuen Gameplay-Aspekt gewöhnen.

Als kleinen Bonus könnt ihr in „Concrete Genie“ nicht nur einen Freies Malen-Modus freischalten, auch einen Modus für die PlayStation VR hat das Spiel an Bord. Darin müsst ihr diverse Motive und Bilder malen und seid mittendrin in der bunten Farbenwelt. Dank Move-Steuerung fühlt man sich wirklich wie vor einer digitalen Leinwand und schwingt den Pinsel schon nach kurzer Zeit wie Van Gogh oder Picasso.

 


 

Bunt, bunter, Genie

 

Grafisch wirkt „Concrete Genie“ durchdacht bis zum kleinsten Detail, egal ob die verschiedenen Charaktermodelle, die Motive für die Wandgestaltung oder die Dschinns, hier floss einiges an Detailversessenheit in die Gestaltung.

Die Animationen der Figuren, vor allem die Mimik, wirkt ein bißchen wie aus dem Animationsfilm „Coraline“, und auch wenn die Welt recht düster gestaltet ist, bleibt sie abwechslungsreich und spannend. Man erkundet Denska einfach gerne.

Die Steuerung, die beim Malen auf die Bewegungssensoren der Controller setzt, ist zu Beginn zwar recht ungewohnt, aber mit der Zeit entwickelt man einen gewissen Flow, den das Spiel dann mit wunderschönen Motiven und Bildern honoriert. 

Das absolute Highlight sind die Dschinns, die so liebevoll und einzigartig animiert sind, dass es eine wahre Freude ist, ihnen zuzuschauen. Dabei ist es egal, ob sie untereinander interagieren oder mit Ash, Pixelopus hat hier hervorragende Arbeit geleistet.

Auf der Standard-PS4 sieht der Titel gut aus und läuft zu jedem Zeitpunkt flüssig. Die Ladezeiten sind nicht zu lang, hier gibt es auf der technischen Seite also nichts zu bemängeln.

 

FAZIT: Ja, es ist ein Geheimtipp!

 

„Concrete Genie“ ist der Geheimtipp als der es im Vorfeld gehandelt wurde. Die unglaublich kreative und liebevoll gestaltete Welt, die grandiosen Dschinns und die schnörkellose Mal-Steuerung begeisterten von Minute 1 an und konnten bis zum Ende hin motivieren.

Das Spiel ist aber nicht sonderlich herausfordernd, vor allem bis zum letzten Kapitel. So ist „Concrete Genie“ trotz Kletterpassagen oder Rätseleinlagen fast schon ein No-Brainer, anders sieht dies dann am Ende aus. Die Auseinandersetzungen mit den bösen Dschinns passen nicht so recht ins Gesamtbild und frustrieren mit einigen Designmängeln wie dem schwammigen Ausweichen oder einer fehlenden Lock-on-Funktion.

Dennoch macht der PS4-exklusive Titel viel Spaß und hat mit dem PS VR-Feature einen netten Bonus mit an Bord. „Concrete Genie“ kann man locker innerhalb von fünf bis sechs Stunden durchspielen, kostet aber auch nur knapp 30,-€ und kann gerne mal zwischen den ganzen großen AAA-Titeln gezockt werden. Ihr werdet es nicht bereuen!