Auf nach Europa: Wie "The Walking Dead" zur alten Stärke finden könnte

Verfasst von Sadwick am 11.10.2019 um 09:15

 

Nein, „The Walking Dead“ ist auch in der aktuellen zehnten Staffel nach Lage der Dinge kein totaler Reinfall. Der Abgesang auf die Serie ist beinahe so alt wie sie selbst - und versprüht ähnlich wenig Neues. Mehr als Mittelmaß hat die Zombie-Hatz aber tatsächlich seit längerem nicht mehr zu bieten. Dabei könnten die Macher mit ein bisschen mehr Mut die Handlung zum Leben erwecken. Fünf Vorschläge.

 

1. Die vergangene Folge „Lines we cross" lieferte - wohl unabsichtlich - eine Idee. Ein abstürzender Satellit löste da einen Waldbrand aus, unsere Gefährten mussten dafür die Grenze zu den Whisperers übertreten. Tatsächlich spielten technische Aspekte der Apokalypse bislang keine große Rolle. Verschenktes Potential: Eine Kernkraftschmelze in einem der zahlreichen amerikanischen Reaktoren zum Beispiel wäre bei ausbleibender Kühlung nicht nur logisch, sie würde der Serie auch einen neuen Dreh geben.

 

2. Dass das schlimmste Monster der Mensch in all seinen Schlechtigkeiten ist, vermittelt „The Walking Dead“ von Beginn an und dürfte nun bei allen angekommen sein. Es bringt daher nichts, immer bösere Gegner schaffen zu wollen. Der Governor, Negan, die Flüsterer: Es wiederholt sich, es ist langweilig. Die Handlung braucht einen neuen roten Faden. Rückt die Seuche in den Vordergrund, lasst die Menschen nach einem Heilmittel suchen! Einst verfolgte die Serie vage diesen Weg, Eugene (Josh McDermitt) glaubte in Staffel 4 an ein entsprechendes Projekt in Washington. Es blieb ein Märchen, leider.

 

3. Carol (Melissa McBride) und Daryl (Norman Reedus), wieder vergangene Folge, denken darüber nach abzuhauen? Mexico? Adios! Ein Tapetenwechsel würde allen gut tun, mehr noch: Warum nicht in Länder, die von der Apokalypse womöglich verschont blieben? Mit dem Segelboot nach Europa: Wie entwickelt sich dort eine Gesellschaft, wenn auf der anderen Seite des Planeten die Endzeit anbricht? Die Serie stellt sich die Frage nie, wie es im Rest der Welt aussieht. Sind die denn gar nicht neugierig?

 

4. Wenn schon nicht den alten Kontinent, sollten die Überlebenden doch zumindest die Städte zurückerobern. Verlassene Wolkenkratzer, leere Straßenschluchten - wie reizvoll dieses Setting ist, zeigte etwa „I am Legend“ mit Will Smith. Es sind die Gegensätze aus Zivilisation und Ödnis, die an der Apokalypse faszinieren. Stattdessen: Bäume, Hütten, Strand - Aktuell könnten sich Daryl und Co. auch auf einem Pfadfinderlager befinden.

 

5. Alles viel zu kompliziert? Dann macht es einfach. Regen, Matsch, Hunger, Krankheit - wie elend die Apokalypse sein kann, zeigt das großartige „The Road“ mit Viggo Mortensen. Lasst die Menschen wirklich ums Überleben kämpfen - und nicht darum, dass die Tomaten im Gemüsebeet gedeihen.