Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals - Definitive Edition [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 09.10.2019 um 11:27

 

Ein Rollenspiel-Schwergewicht

 

In den 90er Jahren gab es in europäischen Videospielmagazinen immer wieder diese kuriosen Meldungen von schulfreien Tagen in Japan wegen eines Spiele-Releases, genauer gesagt wegen der beliebten Rollenspiel-Reihe „Dragon Quest“.

Diese war bei ihren Veröffentlichungen auf dem NES oft so schnell ausverkauft, dass Fans die Schule schwänzen mussten, um sich ein Exemplar am Releasetag sichern zu können. Für uns Westler war die Faszination lange nicht zu verstehen, denn wir kamen kaum bis wenig mit der Serie in Berührung. Doch seit „Dragon Quest VIII“ werden wir auch hierzulande mit zeitnahen Veröffentlichungen des Kult-Rollenspiels und zugehörigen Spin-offs wie „Dragon Quest Heroes“ oder dem „Builders“-Aufbauspiel verwöhnt, denn diese gefallen meist mit einer sehr guten Spielbarkeit und einer klasse Präsentation.

Das absolute Serien-Highlight war vermutlich der aktuelle Teil 11, der im vergangenen Jahr für PS4 & PC erschien und deren Hardware-Power richtig ausnutzte. Neben einer grandiosen Optik, die den Charme der Designs von Akira Toriyama perfekt einfängt, gefiel vor allem die westliche Fassung mit guter Lokalisation und einigen Komfortfunktionen.

Nun erscheint der Titel als Definitive Edition für die Nintendo Switch und im folgenden Test verraten wir euch, ob diese Umsetzung gelungen ist oder unter der geringeren Power der Nintendo-Hardware leiden muss.

 

Hier kommt der Lichtbringer!

 

Traditionell sind die Geschichten, die „Dragon Quest“ erzählt, eher simpel gehalten und drehen sich meist um einen Jedermann, der plötzlich zum Helden und Retter der Welt wird. Auch im elften Teil schlüpfen wir in die Rolle eines Jünglings, der in frühen Jahren beim damaligen Angriff auf das Königreich Erdrea flüchten musste und sich letztlich in einem Dorf wiederfindet wo man ihn aufnimmt und er aufwachsen darf. Erinnerungen an seine Eltern oder seinen Ursprung hat er aber kaum mehr.

Im Rahmen eines Rituals, dem sich alle Heranwachsenden in dem Bergdorf stellen müssen, werden er und seine Begleitung von Monstern angegriffen, worauf ein seltsames Mal auf seiner Hand zu glühen beginnt und er sich und Sandra so retten kann. Zurück im Dorf erfährt er alles aus seiner Kindheit, dass er ein Findelkind war und dass dieses seltsame Symbol ein Zeichen dafür sei, dass er der Lichtbringer und die Hoffnung des Königreichs sein könnte.
Deswegen macht er sich auf den Weg in die Stadt Heliodor, will dort den König sprechen und seine Hilfe anbieten. Doch dieser sieht in ihm das pure Böse und wirft ihn in den Kerker. Von da ab  entspinnt sich eine mitreißende Geschichte, die euch durch das Königreich führt und euch mit allerlei Monstern konfrontiert.

 


 

Klassische RPG-Mechanismen

 

„Dragon Quest XI“ ist im Kern immer noch das gleiche Spiel wie frühere Teile und verzichtet im Vergleich zu anderen Reihen wie „Final Fantasy“ auf zu große Änderungen und Modernisierungen. Somit zieht ihr also mit eurer Party aus bis zu vier Mitgliedern durch die Welt von „Dragon Quest XI“ und setzt euch in rundenbasierten Kämpfen mit allerlei skurrilen Monstern auseinander. Glücklicherweise verzichtete man bei Square Enix auf Zufallskämpfe und sieht die Gegner zeitig, so dass ihr euch für oder gegen eine Konfrontation entscheiden könnt. Attackiert ihr den Gegner noch vor dem Schalten in die eigentliche Kampfsequenz seid ihr im Vorteil und bekommt den ersten Schlag. Die Funktion, dass ihr eure Figuren während des Kampfes durch die Arena bewegen könnt, habt ihr zwar, kann aber eigentlich auch deaktiviert werden.

Neben regulären Angriffen könnt ihr die Feinde auch mit mächtigeren Zaubersprüchen angreifen, die allerdings eure MP-Leiste verringern. Ein recht angenehmes Feature sind die einstellbaren Taktiken für eure Party, in der ihr jedem Mitglied Anweisungen gibt, was er im Kampf zu tun habt. Seid ihr also eher von der ungeduldigen Sorte und wollt eher die Geschichte als die Auseinandersetzungen genießen, aktiviert ihr die Taktiken und schaltet die Kämpfe auf die schnellste Stufe.

Durch erfolgreiche Kämpfe erlangte XP sorgen für Stufenaufstiege, die euch mit mehr Kraft und Energie belohnen. Außerdem macht ihr eure Kämpferinnen und Kämpfer durch den Einsatz von neuen Waffen oder Rüstungen wesentlich wehrhafter und robuster.

 

Die Feinheiten

 

Aber „Dragon Quest XI“ geht dann doch noch ein wenig tiefer und erlaubt euch eine umfangreiche  Individualisierung eurer Party-Mitglieder und des Helden. Im Charakter-Baukasten investiert ihr erlangte Talentpunkte in Kategorien wie Schwerter, Bihänder oder Lichtbringer, also eher in die offensive Seite eurer Figuren. 

Gefundene Items und Rohstoffe könnt ihr in Shops verkaufen oder für die Herstellung verschiedener Gegenstände nutzen, die euch auf eurer Reise eine Hilfe sein können. 

Neben klassischen Hauptmissionen gibt es auch allerhand Nebenaufgaben zu bewerkstelligen, so müsst ihr mal eine Katze vom Dach retten oder ihr sucht einem Stadtbewohner ein bestimmtes Buch. Auch das Durchstöbern von Schränken oder der Zerschlagen von Töpfen bringt euch Gold oder Items ein, wobei einige NPCs nicht happy darüber sind, wenn ihr so neugierig seid.

Ein Switch-exklusives Feature darf nicht unerwähnt bleiben. Denn in den Kirchen, in denen ihr sonst abspeichert, könnt ihr auch in einen 2D-Modus wechseln. Dieser bietet euch eine tolle Pixeloptik und zeigt euch das Geschehen aus einer klassischen Draufsicht, setzt aber auf Zufallskämpfe und kann somit schon etwas fordernder sein. Leider sind die Kämpfe aber nicht sehr umfangreich animiert und das Spiel setzt sich auch meist nicht am exakten Speicherpunkt fort, sondern startet ab einem festgelegten Story-Moment.

 


 

Schön für die Augen, nicht so sehr für die Ohren

 

Audiovisuell ist „Dragon Quest XI“ auch auf der Switch ein zweischneidiges Schwert. Denn vor allem die Musik war einer der größten Schwachpunkte der PS4-/PC-Version, da sie unabhängig von der Situation in der Oberwelt immer die gleiche Melodie bot und irgendwann fast für Ohrenbluten sorgte. Auf der Switch kann man nun zwischen Midi- und Orchestersound wechseln, dennoch sorgt die akustische Eintönigkeit schnell für das Herunterregeln der Musik.

Auch neu auf der Switch ist die japanische Vertonung, die wirklich gelungen ist und natürlich am besten zum Spiel passt. Verwirrend bei der englischen Synchro: Namen sind anders eingedeutscht, so dass man von Ton und Text doch recht verwirrt werden kann. Unschön gelöst. Dennoch gefällt die deutsche Lokalisierung mit dem bekannten „Dragon Quest“-Charme und Witz.

Optisch sieht „Dragon Quest XI“ auf der Switch nicht schlecht aus. Natürlich verliert sie den Vergleich mit den hochauflösenden Texturen von PS4 und PC, aber gerade im Handheld-Modus gefällt das Spiel wirklich richtig gut und überzeugt mit einer flüssigen Darstellung. Einbußen muss man bei der Weitsicht machen und auch einige Details wie Grashalme sind etwas pixelig. Diese Mängel fallen am großen TV natürlich etwas mehr auf.

 

FAZIT: Eines der besten JRPGs der 2000er!

 

Rollenspiele aus Japan haben es in den letzten zwei Jahrzehnten häufig nicht gerade leicht und litten oft unter dem Modernisierungsanspruch ihrer Entwickler. Dass man aber auch auf ein ganz klassisches Gameplay mit einem modernen Optikpaket zurückgreifen kann, zeigt Square Enix hier auf sehr beeindruckende Art und Weise. 

Schon nach wenigen Minuten zieht einen die Geschichte in ihren Bann und macht Lust auf die kommenden Abenteuer des Helden und seiner Party-Mitglieder. Schuld daran ist nicht nur die bunte und einfallsreiche Spielwelt, auch das Monsterdesign und die liebevolle Inszenierung dieser ziehen Spielerinnen und Spieler in ihren Bann.

Dass die Switch natürlich mit einigen Zugeständnissen auf der technischen Seite leben muss, ist klar, lockt dafür aber mit einem schönen 2D-Modus und der japanischen Synchro, die es beide exklusiv auf der Nintendo-Hardware gibt.

„Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals - Definitive Edition“(was für ein Titel!) ist eines der besten JRPGs der letzten Jahrzehnte und begeistert auf der Switch mit ihrem mobilen Faktor und den vielen Boni gegenüber den Versionen für PS4 und PC. Zugreifen!