Contra: Rogue Corps [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 23.09.2019 um 20:01

 

Von Söldnern und Robotern

 

Im Jahr 1987 veröffentlichte Konami mit „Contra“ ein echtes Action-Feuerwerk in den Spielhallen und legte damit den Grundstein für eine ihrer erfolgreichsten Serien. Nach Portierungen für zahlreiche Konsolen und Highlights wie „Super Contra“ bzw. „Super Probotector“ - in Europa trug das Spiel aufgrund der ausgetauschten Charaktersprites einen anderen Namen - misslang der Sprung von den 16 Bit- auf die 32 Bit-Konsolen aber kläglich. 

Denn neben zahlreichen Spielereien mit der Perspektive war auch die Umstellung von detailreichen Pixelgrafiken zu kantigen Polygonen ein klarer Verlust an Charme für die Serie. Und auch spielerisch war der ein oder andere Titel der Post SNES-Zeit eher sperrig und kein rundes Erlebnis.

Nachdem die Reihe nun ihr 30-jähriges Jubiläum feierte und in diesem Jahr mit der „Contra Anniversary Collection“ schon geehrt wurde, kündigte Konami relativ kurzfristig „Contra: Rogue Corps“ an, welches nun in dieser Woche für alle gängigen Konsolen und PC erscheint. Wie sich der neueste Ableger der Reihe schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Aliens, Apokalypsen und Allzweckwaffen

 

Nachdem feindlich gesinnte Aliens über die Erde hergefallen sind, aber erfolgreich zurückgeschlagen wurden, ist dennoch nichts wie früher. So zum Beispiel in Damned City, die nach der Invasion komplett zerfallen ist und seltsame Mutationen und Wesen zu Tage führt. Da diese eine erneute Gefahr für die Menschheit darstellen, wird ein Team aus Spezialisten dorthin geschickt um dieser Bedrohung Herr zu werden. 

Der Rogue Corps besteht dabei aus dem Söldner Kaiser, der verrückten Ms. Harakiri, dem schießwütigen Panda Hungry Beast und Gentleman, einem mutierten Wesen. Begleitet werden die vier von Pilotin Aero Captain, die euch zu den jeweiligen Schauplätzen fliegt und euch per  Funk auf Gefahren hinweist.

 


 

 

Schießen, Leveln und Operieren

 

In der Grundmechanik handelt es sich bei „Contra: Rogue Corps“ um einen Twinstick-Shooter, d.h. ihr bewegt eure Figur meist aus der Vogelperspektive mit dem linken Stick über das Schlachtfeld und zielt mit dem rechten Analogstick. Feuern könnt ihr mit einem Druck auf R2, müsst allerdings auf das Überhitzen eurer Waffe achten. Glücklicherweise habt ihr aber eine Sekundärwaffe dabei auf die ihr mit dem Quadrat-Knopf wechselt. 

Während Kaiser eher auf bleihaltige Munition und einen abschießbaren Bohrkopf schwört, haben eure Kameradinnen und Kameraden eine Laserwaffe, Flammenwerfer oder eine Riesen-Kettensäge zur Hand, um gegen die Horden an Feinden zu bestehen.

In Sachen Steuerung kann euer Protagonist per L1 oder X springen oder mit dem Kreis-Button Gegenstände aufnehmen und werfen. Wird es einmal zu brenzlig, könnt ihr per L2-Dash ausweichen oder betäubt damit besonders widerstandsfähige Feinde. Anschließend könnt ihr diese per Finisher erledigen oder werft sie zum Beispiel in eine Kreissäge. 

Ist das Feindesaufkommen mal zu hoch, könnt ihr per Dreieck-Taste eine Smartbomb zünden(diese müssen jedoch aufgesammelt werden und sind somit nur begrenzt verfügbar) oder ihr aktiviert euren Spezialskill mit R1. Letztere Aktion muss sich nach dem Benutzen aber erst einmal aufladen.

Habt ihr euch erfolgreich durch ein Level geballert, gibt es eine Endabrechnung, die euch nicht nur eure verdienten Erfahrungspunkte auflistet, sondern auch eine Übersicht über die erlangten Materialien gibt. Denn neben allerlei Geld oder Hilfstitems hinterlassen eure Feinde auch davon mehr als genug.

 

Willkommen im Basislager!

 

Zwischen den Level könnt ihr euch im Basislager des Rogue Corps die Zeit vertreiben. So wählt ihr dort euren Charakter aus, übt am Schießstand oder klickt euch durch zahlreiche Statistiken und die verdienten Orden.

Interessanter sind aber definitiv die Werkstatt und der Operationssaal. In Ersterem könnt ihr nämlich die Waffen eurer Spielfigur ändern, modifizieren und verbessern. Wollt ihr also mit Kaiser spielen, aber lieber mit einem Laser an den Start gehen? Kein Problem. Dank der gefundenen Materialien könnt ihr die Waffen mit allerlei Perks wie besserer Abkühlzeit, mehr Schaden oder besserer Feuerrate ausstatten, müsst dabei aber immer auf die zur Verfügung stehenden Slots achten.

Der OP-Saal dient dann dazu eure Figur selbst zu verbessern. Auch hierfür können aufgesammelte Materialien genutzt werden oder ihr geht auf dem Schwarzmarkt einkaufen. Habt ihr euch für ein neues Hirn, neue Augen oder einen neuen Körper entschieden, wird diese Änderung per OP durchgeführt. Dabei habt ihr die Auswahl aus drei Ärzten. Während der kostenlose Standard-Doc nur die Verbesserung einbaut, können bei den anderen beiden, teureren Ärzten unvorhergesehene Dinge passieren und das neue Körperteil wesentlich bessere Features haben. Oder schlechtere…

Als letzte Möglichkeit im Basislager habt ihr noch den APC, der euch den Online-PvP-Modus starten lässt. Die Missionen selber können ebenfalls online oder offline mit mehreren Spielerinnen und Spielern gezockt werden.

 


 

Endzeit-Grafik

 

Während das Gameplay also ganz traditionelle Kost bietet und sich an modernen Spielen orientiert, kann man das von der Grafik nicht unbedingt sagen. Denn auch wenn die eigentliche Präsentation Wert auf ein verrücktes Auftreten legt, ist die grafische Seite eine Symphonie aus Grau, Braun und Hässlich.

Das fängt schon bei den Menüs an, die häufiger schlecht aufgelöst wirken und endet bei der unglaublich tristen Optik in den Missionen selber. Natürlich sind Endzeit-Szenarios nicht unbedingt ein Garant für farbenfrohe Knaller-Optik, allerdings wäre hier ein bißchen mehr Abwechslung und eine breitere Farbpalette schon schön gewesen.

Die Charaktermodelle an sich sind ok und mit einigen netten Details versehen, die Gegner sind meist Feinde von der Stange und wirken wie eine Mischung aus Hollowmann und T-800. Größere Feinde sind recht fantasievoll gestaltet, diesen mangelt es aber oft an einem ordentlichen Repertoire an Animationen, so dass sie sich abgehakt bewegen.

Was aber wirklich am meisten stört, sind die vielen häßlichen Grafiken. So zum Beispiel im Operationssaal. Habt ihr euch für ein neues Körperteil und den behandelnden Arzt entschieden, startet eine, sich immer wiederholende Sequenz mit einem gräßlichen Hintergrund und auch der Auswahlscreen bei den Ärzten samt deren Portraits ist einfach nicht schön gezeichnet.

Fast schon schlimmer als die triste Optik ist die akustische Untermalung des Ganzen. Auf der einen Seite ist der Ton viel zu leise abgemischt im Spiel, so dass man seine Anlage deutlich lauter als gewohnt drehen muss. Aber auch die Soundeffekte sind eher dünn geraten und die Hintergrundmusik hält sich viel zu sehr in diesem. Zu solch einem Action-Feuerwerk gehört einfach ein krachendes Effektgewitter und ein treibender Soundtrack. Beides hat „Contra: Rogue Corps“ nicht.

 

FAZIT: „Contra: Rogue Corps“ ist kein „Contra“

 

Es gibt immer wieder solche Spiele, die als Teil einer Reihe veröffentlicht werden, allerdings so gar nichts mit den anderen Titeln der Serie zu tun haben. Und genau so fühlt sich „Contra: Rogue Corps“ an. Irgendwo schlummerte dieses Spiel anscheinend in einer Schublade bis jemand sagte „Komm, klatschen wir den Namen „Contra“ in den Titel, dann kriegen wir damit auch mehr Aufmerksamkeit“. Und das obwohl einige Serien-Veteranen an der Entwicklung beteiligt waren…

Ja, man hat einige Elemente aus den alten Serien-Teilen genommen wie zum Beispiel Kaiser s Spezialskill, der euch einen weit streuenden Schuss zur Verfügung stellt oder den Schießstand-Modus in dem ihr zusätzlich noch ein Fadenkreuz steuert, aber der Rest ist leider alles andere als „Contra“-Kost.

Die bekloppte Präsentation hat ihre Momente, übertreibt es aber manchmal auch mit ihrer Albernheit und wird dann einfach nur zum Fremdscham. Während das Gameplay alles in allem schon in Ordnung geht, ärgern den Spieler dann aber Balancing-Probleme. Warum bekomme ich am Anfang eines Bosskampfes zig Energieherzen, aber während des Fights keine? Gerade bei den Lebensenergie spendenden Herzen oder Extraleben hatte man immer das Gefühl, dass diese zum falschen Zeitpunkt kommen. Auch bei einigen Feinden waren manche Attacken viel zu stark, so dass das Spiel ab und an auch sehr unfair wirkte.

In Kombination mit der nicht gerade schönen Optik hinterlässt „Contra: Rogue Corps“ keinen guten Eindruck. Einige Ideen wie die Modifikationen des Körpers und das Verbessern der Waffen wären in einem coolen „Contra“ aber eine tolle Bereicherung!