Daemon X Machina [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 22.09.2019 um 14:13

 

Mechs sind schon cool!

 

Es ist schon seltsam welch komische Faszination riesige Kampfroboter bei manchen Leuten auslösen. Egal ob in der japanischen Anime- und Mangaszene, in der Mechs wie die Gundams oder die Evangelions gegen andere Bedrohungen kämpfen oder die Riesenroboter wie in den Rollenspielen der „Battletech“-Reihe. Auch Egoshooter wie zum Beispiel „Titanfall“ wurden mit dem Feature, dass man zeitweise in einem Mech kämpft, zu einem großen Fan-Liebling.

Die kämpfenden Riesenroboter sind also in der Popkultur nicht wegzudenken, und auch die Liste mit passenden Videospielen scheint unendlich. Eine der traditionsreichsten Reihen in diesem Genre ist definitiv „Armored Core“, welches von From Software stammt und seit PlayStation-Zeiten sein Unwesen auf Konsolen treibt.

Während Fans der Reihe noch immer auf einen neuen Ableger warten, erscheint nun für die Nintendo Switch „Daemon X Machina“, bei dem u.a. der Mech-Designer von „Armored Core“, Shoji Kawamori, und Serien-Produzent Kenichiro Tsukuda beteiligt waren. Wie sich der Exklusivtitel auf der Nintendo-Hardware schlägt, erfahrt ihr nun in unserem Review.

 

Mondfall

 

Nachdem in der fernen Zukunft der Mond auf den Planeten gestürzt ist, wurde der Wiederaufbau von einigen seltsamen Ereignissen gestört. Denn plötzlich wenden sich viele künstliche Intelligenzen gegen die Menschheit, angeführt von der Gruppierung der Immortals.

Deswegen seid ihr nun gefragt und schlüpft in die Rolle eines Rekruten der Elite-Söldnertruppe  Reclaimer, die mit ihren Mechs, den Arsenals, gegen die Bedrohung ankämpfen und die Menschheit beschützen wollen. 

 


 

Mech-Porn vom Feinsten

 

Nachdem ihr euch im Charakter-Editor für eine Spielfigur entschieden habt, findet ihr euch im Hangar wieder. Dort verwaltet ihr nicht nur euren Mech - dazu später mehr - sondern startet in Missionen oder den Multiplayer-Modus. Auch eine Eisdiele gibt es, die euch mit einigen Zusatz-Fähigkeiten für kommende Missionen versorgt, wenn ihr die Eissorten gut kombiniert…klingt verrückt, ist aber so.

In den Missionen selber steuert ihr euren Mech aus der Thirdperson-Ansicht und müsst meist eine bestimmte Anzahl an Feinden besiegen, etwas beschützen oder gewisse Ziele zerstören. Mit der linken und rechten Schultertaste ZL bzw. ZR nutzt man den jeweiligen Arm bzw. das daran angebrachte Gadget. Habt ihr also links ein Schild, nehmt ihr dieses mit ZL vor euch, die Waffe bedienen wir am rechten Arm dann mit ZR. Weiterhin kann euer Mech einen Boost starten oder per längerem Druck auf B fliegen. Doch ihr seid nicht nur auf die genannten Waffen und Items beschränkt, im Hangar könnt ihr euren Mech nämlich genauso ausrüsten wie ihr das wollt. Neben allerlei Waffen-Kategorien wie Laser, Projektil oder Nahkampf könnt ihr euch natürlich auch mit einem Schild eher defensiv ausstatten und Zweitwaffen für die Montage an der Schulter wählen. 

 

Mech-Schrauben

 

Habt ihr euch für das passende Waffen-Arsenal entschieden und verfügt über das entsprechende Kleingeld, welches ihr für das Erledigen von Missionen oder für den Verkauf von nicht benötigten Teilen bekommt, könnt ihr euren Mech auch mit neuen Bauteilen versehen. So wird euer Riesenroboter nach und nach widerstandsfähiger, schneller oder energiesparender und verändert sich auch optisch. Stichwort Optik: alle Änderungen sind am Mech natürlich zu sehen, weiterhin könnt ihr ihn per Sticker, Mustern und Farben komplett euren Vorstellungen anpassen. 

So solltet ihr perfekt für die zahlreichen Missionen gerüstet sein, die sich in freie und Story-Missionen unterteilen. Für beide Arten von Aufträgen erhaltet ihr die wertvollen Credits, die ihr dann wieder in euren Mech stecken könnt und somit einen wehrhaften Super-Roboter aufbaut.

Auch neue Begleiter schaltet ihr so nach und nach frei und könnt aus diesen vor Missionsstart wählen. Schließlich ist man für jede Hilfe dankbar, denn der Kampf gegen allerlei Panzer, Mechs, Drohnen und riesige Maschinen kann schon ganz schön fordernd werden. 

 


 

Celshading-Roboter

 

Schon bei der ersten Präsentation von „Daemon X Machina“ fiel der extrem außergewöhnliche Look des Spiels auf. Wie schon „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ legt das Spiel einen großen Wert auf eine Celshading-Optik, die nicht nur sehr bunt geraten ist, sondern auch mit ihren Effekten überzeugen kann. Bei der Schönheit einiger Explosionen könnte nämlich sogar Michael Bay neidisch werden. 

Leider sind einige Kanten aber recht pixelig und stufig geworden, wobei gerade bei der Kombination aus Schatten und Gesichtern dann leider einige sehr häßliche Fratzen entstehen. Aber alles in allem kann man über die Optik des Spiels nicht viel meckern, vor allem da auch das Action-Geschehen sehr flüssig läuft. Auch in Sachen Sound passt alles gut zueinander und überzeugt mit treibenden Effekten und Riffs. So soll das sein bei einem Action-Spiel.

Was leider etwas Grund zur Kritik gibt, ist das Design der Nutzeroberfläche. Egal ob in den Menüs oder den eigentlichen Missionen, hier sind immer viel zu viele Symbole, Textboxen und Leisten zu sehen.

Während man die vielen Anzeigen beim Spielen auf einem TV noch verzeihen kann, sind diese im Handheld-Modus doch recht störend und präsent. Zwar kann man das HUD per Optionsmenü auch individualisieren und viele Sachen abschalten, aber dann fehlen dem Spieler einfach einige wichtige Informationen. 

 

FAZIT: Der Mech sollte nochmal in die Werkstatt!

 

„Daemon X Machina“ ist sicherlich kein schlechtes Spiel und zeigt, ähnlich wie „Astral Chain“, was für ein tolles und abwechslungsreiches Exklusiv-Lineup Nintendo für die Switch bereithält. Aber leider fehlt es dem Titel an Feinschliff.

Zum einen wird die Geschichte des Spiels mehr als wirr erzählt und durch den Kaltstart des eigenen Protagonisten, den zahlreichen Namen und Bündnissen und den vielen anderen NPCs entsteht in den ersten Stunden ein absolutes Durcheinander. Das wird zwar mit der Zeit besser, macht den Einstieg aber alles andere als leicht.

Dazu kommen dann das schon erwähnte, viel zu überladene HUD und die verschachtelten Menüs, außerdem sind einige Kämpfe so hektisch und unübersichtlich, dass man schnell die Lust auf die Mecha-Auseinandersetzungen verlieren kann. Neben dem tollen Artstyle hält einen aber sicherlich das Individualisieren des eigenen Mechs bei der Stange. Die gebotenen Möglichkeiten sind einfach zu verlockend, um nicht die ein oder andere Stunde mit dem Suchen des perfekten Setups zu verbringen. 

„Daemon X Machina“ ist also kein Über-Hit, Action- und Mech-Fans sollten aber auf alle Fälle mal einen Blick in das Spiel wagen.