eFootball PES 2020 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 18.09.2019 um 15:54

 

Von der Champions League in die dritte Liga und zurück

 

Als Anfang der 2000er die „Pro Evolution Soccer“-Reihe erstmals erschien, war schnell deutlich, dass „FIFA Soccer“ eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen sollte. Waren damals noch mehrere Fußball-Spiele auf Konsolen und PC erhältlich, minimierte sich dies recht schnell auf die beiden Platzhirsche.

Einige Zeit lang hatte „PES“ trotz fehlender Lizenzen die Nase vorn, da es vor allem spielerisch der Konkurrenz aus Kanada weit überlegen war. Doch irgendwie verlor Konami seinen Flow und spätestens zum Generationswechsel von PS2 auf PS3 kämpfte man mit vorher nie bekannten Schwächen und Fehlern. 

Auch inhaltlich und grafisch fehlte der Sprung, den „FIFA“ in der gleichen Zeit machte und somit lief man irgendwann nur noch hinterher. Doch dank dem Wechsel der Grafikengine und einem neuen Chefentwickler nahm „PES“ wieder Fahrt auf und kann sich zumindest auf dem Platz dem Konkurrenten stellen.

Mit neuem Namen und einigen Detailverbesserungen in Sachen Präsentation und Gameplay will  „eFootball PES 2020“ auch in diesem Jahr wieder beweisen, dass man EA und seinem Produkt gewachsen ist. Wie dies im Detail aussieht, lest ihr in unserem Test.

 

Alles neu macht Zwanzig-Null-Zwei

 

Die erste Neuerung von „PES 2020“ fällt sofort im Hauptmenü auf. Denn zum einen hat man sich von den viel kritisierten Kacheln der Vorgänger verabschiedet und die Menüs wesentlich grafischer und mit klaren Symbolen versehen, andererseits wirkt auch die Farbgebung wesentlich stimmiger und moderner und versprüht somit ein frisches Ambiente.

Während man sich bei der Modus-Auswahl relativ treu geblieben ist, sticht doch ein neuer Menüpunkt hervor. Und zwar die Match Day-Spiele, die sich jeweils an einer realen Begegnung des aktuellen Spieltags orientieren. Dort müsst ihr euch dann für eine der Seiten entscheiden und erspielt für diese Punkte. Besonders erfolgreiche User können dann am Ende der Woche in einer Finalrunde gegeneinander antreten.

Weitere Verbesserungen betreffen vor allem den Meisterliga-Modus(dazu später mehr) und natürlich das Gameplay. Auf dem Rasen hat sich in Sachen Steuerung nicht so viel verändert, doch dank dem Finesse-Dribblings könnt ihr nun eure Gegenspieler wesentlich attraktiver ausspielen. Dieses führt ihr vor allem mit dem rechten Analogstick aus, ist aber nicht zu mächtig.

Auch in Sachen Lizenzen hat sich einiges getan. Während man fast schon traditionsgemäß auf die deutsche Liga verzichten muss(hier gibt es lediglich Bayern München, Bayer Leverkusen und Schalke 04), hat man aber in Sachen voll lizensierter Ligen erneut nachgelegt. So sind mittlerweile auch die Serie A aus Italien und die beiden Profiligen aus Frankreich mit Originalteams- und -namen am Start. Wer es gerne exotischer mag, wird vielleicht auch mit der chinesischen oder thailändischen Liga glücklich.

 


 

Modi verpflichten

 

In Sachen Modi könnt ihr euch also entweder online oder offline in traditionellen Vs-Matches vergnügen, startet eine Meisterliga oder den beliebten myClub-Modus. In „Werde zur Legende“ könnt ihr euch erneut einen Spieler vom Nobody bis zum Superstar aufbauen und die Welt des Fußballs erobern.

myClub ähnelt dabei natürlich sehr stark einem bekannten Modus der Konkurrenz, d.h. ihr sammelt euch Spieler zusammen, gebt dabei Acht auf die Chemie zwischen den verschiedenen Stars und messt euch mit eurer Super-Truppe anschließend in On- oder Offline-Spielen.

Traditionell ist aber die Meisterliga der Modus wegen dem die meisten doch zu „PES“ greifen. Und dieser wurde wie, schon erwähnt, mit einigen Details verbessert und modernisiert. Das fängt schon bei der Auswahl des Trainers an. Denn als Modell könnt ihr nicht nur aus einigen vorgefertigten Standard-Figuren wählen, auch in der Rolle von Stars wie Johan Cruyff oder Diego Maradona könnt ihr euch an den Spielfeldrand stellen. 

Neben einer Überarbeitung der Menüs, die in der Handhabung gleich blieben, nun aber wesentlich hübscher aussehen, versorgt euch das Spiel auch mit wesentlich mehr Zwischensequenzen. Diese sind aber aufgrund der fehlenden Vertonung noch immer leicht seltsam und wirken noch unfertig. Ganz seltsam wird es, wenn die Sprachausgabe fehlt, aber Soundeffekte wie Klatschen oder Schritte zu hören sind. Neu sind auch Dialogoptionen bei Gesprächen mit der Presse oder dem Club-Besitzer.

Nach wie vor gehört die Meisterliga aber immer noch zum Besten was „PES“ zu bieten hat. Mit seinem Team in einer zweiten Liga anzufangen und nach und nach Spieler zu Stars zu entwickeln, macht immer noch großen Spaß.

 

Auf dem Platz!

 

Das Gameplay auf dem Rasen von „PES 2020“ fühlt sich wieder sehr gut an und hat mit dem Finesse-Dribbling ein nettes Feature bekommen. Neben der herausragenden Ballphysik sind natürlich die vielen taktischen Mittel der Mannschaften ein Alleinstellungsmerkmal von „PES“. Dank vier, individuell belegbarer Schnelltasten kann die Taktik flink gewechselt werden und in den Strategie-Menüs gibt es eigentlich keine Spielart, die man als Fußballfan vermissen könnte.

Das Spieltempo ist erneut gemäßigter als bei der Konkurrenz und vermittelt somit einen weniger Arcade-haften Spieleindruck, sondern wirkt realistischer. 

Dank neuer Animationen wirkt das Spielgeschehen flüssiger, vor allem bei den Torhütern kamen einige neue Bewegungsabläufe dazu, die wirklich gut aussehen. Im Vergleich zum Vorgänger gibt es wieder häufiger Fouls der Gegner, so dass man auch mal in den Genuss eines Freistosses kommen kann.

Tore fallen nicht im Minutentakt, sondern sind im entsprechenden Schwierigkeitsgrad echte Arbeite. Das erinnert an die glorreichen Zeiten von „PES 5“ und zeigt, dass Konami mit der Reihe wieder auf einem guten Weg ist.

 


 

Neben dem Rasen

 

Als würde auf dem Platz nicht schon genug passieren, kann man auch abseits des Grüns einiges machen. Neben einem sehr ausführlichen Trainingsmodus, der euch vom Standard-Dribbling bis zum Freistoß-Schießen alles Nötige beibringt, ist sich Konami auch den Patchern unter euch ganz bewusst geworden.

Das Problem der fehlenden Lizenzen einiger großer Ligen aus England, Spanien oder Deutschland nervt einfach und ist im Jahr 2019 leider nicht mehr ganz zeitgemäß. Dafür gibt es jedoch eine sehr aktive Fanszene, die Jahr für Jahr Patches bereitstellt, die dieses Problem beheben. Während Konami schon in der Demo die Editier-Funktion freigeschaltet hat, um eine zeitnahe Versorgung mit Patches zu ermöglichen, hat man außerdem ein ausführliches Tutorial in das Spiel eingebaut, das euch den Vorgang genauestens erklärt. Sehr löblich!

 

 

Wie im Fernsehen!

 

Die Grafik von „eFootball PES 2020“ kann wirklich sehen lassen. Gerade die lizensierten Teams mit ihren Original-Spielern sehen teilweise hervorragend aus, egal ob in Sachen Details wie Tattoos oder den Trikots. Auch um das Spielfeld herum passiert einiges, so seht ihr die Trainer am Spielfeldrand oder Ersatzspieler, die sich warm machen.

Leider hat man in den Ligen nicht die Originalfarben- und -sounds des jeweiligen Verbandes, aber dank der neuen, modernisierten Menüs fällt dies nicht so negativ auf. Allerdings wäre es schon schön gewesen, wenn man die Grafiken im Spiel, also Toranzeige oder Aufstellung an die Originale angepasst hätte.

Akustisch kann „PES 2020“ mit sehr cooler Musik glänzen und lässt die wirklich schlimme Musikauswahl der vergangenen Jahre so langsam vergessen. So bleibt man gerne auch mal länger im Menü oder sucht nicht panisch nach der Mute-Taste der Fernbedienung. Das kann man leider nicht vom Kommentatoren-Duo Küpper und Hagemann sagen. Die beiden nerven erneut mit unpassenden Sprüchen oder völlig belanglosem Gerede. Da machen die englischen Sprecher einen besseren Job.

 

FAZIT: Hohe Qualität mit leichten Abzügen in der B-Note

 

Konami zeigt, dass man mit „eFootball PES 2020“ auf dem richtigen Weg ist. Auch wenn es in Sachen Lizenzen immer noch einiges an Arbeit gibt. So bietet man zwar einen tollen Editier-Modus, der das Verwenden von Patches einfach macht, aber man kann nicht von jedem User verlangen, dass er sich mit diesem Thema auseinandersetzt bzw. überhaupt von solchen Patches weiß.

Auf dem Platz gefällt der Titel wie schon seit einigen Jahren mit einem tollen Gameplay, das in diesem Jahr dank Finesse-Dribbling und verbesserter Defensiv-Fertigkeiten sinnvoll ergänzt wurde.

Auch in Sachen Modi-Auswahl kann man sich nicht beschweren und vor allem die Meisterliga macht dank der Neuerungen Spaß und sorgt für ordentliche Langzeitmotivation. Mit myClub oder dem neuen Match Day hat man auch für ambitionierte Online-Freunde genug Spielarten im Gepäck, um diese bei Laune zu halten.

Wenn Konami seinem Dreijahresplan treu bleibt, wird es bei „eFootball PES 2021“ eine noch größere Revolution geben, bis dahin sind wir aber auch mit dem aktuellen Ableger sehr zufrieden. Trotz fehlender Lizenzen und den Mängeln in der Präsentation sollte man dem Titel als Fußball-Fan eine Chance geben. Es lohnt sich.