Astral Chain [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 16.09.2019 um 14:21

 

Die Platin-Karte

 

Jahrelang stand Platinum Games für eine gewisse Art an Spielen: total bekloppt, kreativ und meist noch ohne den nötigen Feinschliff. Dennoch eroberten Titel wie „Bayonetta“, „Vanquish“ oder „MadWorld“ ganz schnell die Herzen der Fans und sorgten dafür, dass das Entwicklerstudio rund um Hideki Kamiya und Shinji Mikami zu einem der gefragtesten in der Branche wurde.
So setzte man ein erstes Ausrufezeichen mit der Kollaboration mit Konami zwecks „Metal Gear Rising“, aber auch Nintendo und Square Enix nahmen die Dienste des Studios aus Osaka gerne in Anspruch. 

Von einigen Gurken wie „Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutants in Manhattan“ mal abgesehen, hat Platinum Games durchgängig hohe Qualität abgeliefert und sich spätestens mit „NieR:Automata“ ein Denkmal gesetzt.

Nun veröffentlichte man den Switch-exklusiven Action-Titel „Astral Chain“, der den Kampf einer Spezialeinheit gegen eine überirdische Macht thematisiert und dabei vor allem an Anime-Klassiker aus den 80er und 90er Jahren, aber auch an moderne Hits wie „Attack on Titan“ erinnert. Ob das Gesamtpaket so stimmig ist, wie andere Spiele des Studios, verraten wir euch in unserem Test.

 

Die Hoffnung der Menschheit

 

Im Jahr 2076 hat sich die Menschheit in eine Stadt namens Arche zurückgezogen, um sich vor den feindlichen Übergriffen der Chimären zu schützen. Diese entführen die Menschen nämlich in eine andere Dimension und sorgen so nach und nach für einen extremen Bevölkerungsschwund.

Und hier kommt ihr in’s Spiel. In der Rolle eines Geschwisterteils des Zwillingspaars Howard(die Vornamen könnt ihr frei wählen) werdet ihr nämlich von der normalen Polizei zur Sondereinheit Neuron abkommandiert.

Im Kampf gegen die Chimären setzt diese nicht nur auf alltägliche Waffen, sondern auch auf die sogenannten Legions. Diese sind per Astralkette mit eurem Protagonisten verbunden und sind eine unverzichtbare Hilfe in den Auseinandersetzungen mit den überirdischen Wesen.

 


 

Legionen-Schlägerei

 

Wie schon erwähnt habt ihr zu Beginn die Auswahl zwischen einer männlichen und einer weiblichen Hauptfigur, wobei das entsprechende Gegenstück zu einem großen Teil der Story an eurer Seite ist. Neben einem Namen könnt ihr außerdem auch Dinge wie Haarfarbe, Frisur oder Augenfarbe festlegen.

Nachdem das Spiel noch mit einem ganz regulären Polizeieinsatz beginnt, habt ihr zunächst nur die Wahl zwischen eurem Schlagstock und einer Pistole. Dank Druck auf den rechten Analogstick könnt ihr Ziele anvisieren und diese dann mit ZR angreifen. Relativ schnell kommt ihr jedoch in den Besitz eines Legion, den ihr mit der ZL-Taste heraufbeschwören könnt. Während dieser in der Nähe von Feinden seine Angriffe automatisch vollzieht, könnt ihr ihn aber auch mit gezielten Bewegungen des rechten Sticks bei gleichzeitigem Drücken von ZL zum Feind oder an andere interessante Punkte manövrieren.

Zu allerlei Spielereien lädt aber vor allem die euch verbindende Kette ein. Mit dieser könnt ihr Feinde nämlich fesseln oder ihr schleudert diese damit von euch weg und betäubt sie somit. Auch große Entfernungen sind mit der Kette und dem Legion leicht zu überwinden, da euch dieser an die Position ziehen kann an der er steht.

Dank zusätzlicher Legions, die zum Beispiel Pfeile verschießen können oder die euch einen gewissen Panzerschutz bieten, sind somit allerlei pfiffige Kampftechniken möglich, die ihr dank umfangreicher Tutorials schnell überblicken und meistern könnt.

 

IRIS, Gladius & Co.

 

Während euer Legion also schon recht schlagfertig ist, attackiert ihr die Feinde zur gleichen Zeit mit den schon genannten Waffen wie Schlagstock oder Pistole, die ihr nach und nach auch verbessern könnt. Recht wirksam ist auch Gladius, ein energiegeladenes, schwertähnliches Gebilde, das in der Handhabung allerdings etwas schwergängiger ist und mehr Timing verlangt.

Neben all den Waffen habt ihr aber auch andere hilfreiche Gadgets in „Astral Chain“ zur Verfügung. So startet ihr mit einem Druck auf den +-Knopf das IRIS-System, das eure Umgebung scannt und analysiert. Bei großen Endgegnern kann euch das System zum Beispiel eine Analyse des Feindes zeigen und macht die Energieleiste sichtbar. Weiterhin verrät euch das AR-System nützliche Infos über NPCs oder Gegenstände. Über das Legatus-Menü habt ihr Einsicht in eine Karte oder verwaltet eure Legions.

Denn glücklicherweise sind diese nicht nur auf die Grund-Moves beschränkt, nach und nach könnt ihr sowohl verschiedene Perks als auch Verbesserungen freischalten. Diese machen Angriffe stärker oder sorgen dafür, dass eure Feinde beim Heraufbeschwören eines Legion kurz von einer Energiewelle erfasst werden. In einigen Missionen müsst ihr vor den Kämpfen auch auf Ermittlungsarbeit gehen und die Passanten und Bürger befragen. Diese geben euch dann Hinweise, die ihr für das Weiterkommen benötigt. 

Neben den ganzen Hauptmissionen um Chimären und das Ende der Menschheit könnt ihr verschiedene Nebenmissionen angehen, in denen ihr zum Beispiel einen Sprayer festnehmen müsst oder mit Kindern ein Rätsel löst. Bonus-Zahlungen gibt es außerdem für das Entsorgen des herumliegenden Mülls in die entsprechenden Tonnen, Abzüge für das Zerstören von öffentlichem Eigentum.

Das Neuron-Hauptquartier dient euch außerdem als Hub in dem ihr nicht nur trainieren oder euch medizinisch versorgen lassen könnt, sondern in dem ihr euch nützliche Hilfsitems kauft oder  die Waffen verbessert.

 


 

Eines der schönsten Switch-Spiele überhaupt!

 

Die Switch wird häufig wegen ihrer technischen Leistung kritisiert und kämpft oft auch mit den krassen Qualitätsunterschieden zwischen Handheld- und TV-Modus. Nicht aber „Astral Chain“!Was Platinum Games hier aus der Nintendo-Hardware zaubert, kann sich wirklich sehen lassen und gefällt in jeder Minute.

Der Anime-Look der Charaktere und das Aussehen der Umgebung ist detailliert, die Lichteffekte in der Innenstadt sind einmalig und lassen „Blade Runner“-Stimmung aufkommen. Natürlich gibt es hier und da mal auffallend ähnliche Texturen, und auch deren Auflösung könnte manchmal besser sein, aber alles in allem gefällt der Titel in beiden Modi.

Die Kämpfe laufen flüssig ab, einzig die ausufernde Tastenbelegung sorgt zu Beginn und beim Hinzulernen von neuen Moves für etwas Verwirrung und Eingewöhnungszeit. Hier hatten wir aber weder bei den kleinen Joy-Cons als auch mit dem Pro Controller keinerlei Schwierigkeiten in Sachen Präzision.

Akustisch sorgt das Spiel allerdings für etwas weniger Euphorie. Während die Vertonung in Englisch und Japanisch sehr gut ist, könnten einige Musikstücke für Ohrenbluten sorgen. Die Mischung aus Rock und Elektro treibt einige Kämpfe zwar gut voran, einige der Stücke verkommen aber leider zur totalen Dudelei.

 

FAZIT: Der Switch-Sommer-Hit!

 

„Astral Chain“ ist ein super Spiel geworden. Nach Titeln wie „NieR:Automata“ oder der „Bayonetta“-Reihe zeigen Platinum Games hier erneut, dass sie ihr Handwerk verstehen. Denn neben einem tollen Kampfsystem mit allerlei Kniffen und Spielereien, die man erst nach und nach versteht und entdeckt, weiß auch die technische Seite des Action-Titels zu überzeugen.

Die Damen und Herren aus Osaka beherrschen die Switch anscheinend sehr gut, denn anders kann man sich die technische Leistung des Spiels nicht erklären. Tolle Lichteffekte, detailreiche Optik und ein flüssiges Gameplay sind hier die besten Zutaten für ein geschmackvolles Gesamtergebnis und vermutlich für eines der schönsten Spiele des Jahres.

Sicherlich muss man die Anime-Optik und gewisse Anime-Eigenheiten mögen, damit man mit „Astral Chain“ zu 100% zufrieden sein kann. Aber spätestens wenn man die Hauptquartier-Tour mit Maskottchen Lappy bekommt, sollte eigentlich jede Spielerin und jeder Spieler ein Lächeln auf den Lippen haben und den Stil akzeptieren können.