River City Girls [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 12.09.2019 um 14:17

 

Kunio-kun & Co.

 

Wir gehen erst einmal auf Zeitreise. Sicherlich erinnern sich einige von euch an das NES-Spiel „Nintendo World Cup“, in dem man mit Kopffüßlern nicht nur den virtuellen Ball über das Feld, sondern auch seine Gegenspieler aus den Schuhen gekickt hat.
Und diese Hauptfigur dieses Spiels hört auf den Namen Kunio-kun und ist Bestandteil einer riesigen Franchise in Japan. Neben einigen Sport-Ablegern prügelte sich der Knabe aber auch ganz gerne durch Scharen an bösen Buben auf Nippons Straßen, unter anderem in „River City Ransom“.
Und genau auf dieser Franchise basiert nun „River City Girls“ von WayForward, dem Entwickler hinter der „Shantae“-Serie, „Duck Tales Remastered“ oder „Contra 4“. Der Brawler in Pixeloptik orientiert sich dabei an Klassikern wie „Streets of Rage“, garniert diese aber mit modernen Einflüssen. Wie gelungen die Prügelei letztlich ist, lest ihr in unserem Test.

 

Misako und Kyoko gegen den Rest der Welt

 

Die beiden Oberschülerinnen Misako und Kyoko sind nicht gerade die Vorzeige-Schüler in ihrer Klasse und auch gerne einmal auf Krawall aus. Kein Wunder also, dass sie wutentbrannt losziehen als sie erfahren, dass ihre Freunde Riki und Kunio entführt wurde.

Ihre Suche nach den beiden führt sie durch die ganze Stadt, über Baustellen und durch Malls, durch die Schule und die Vorstadt. Und dabei stellen sich ihnen allerlei Gegner in den Weg, die etwas über das Verschwinden der beiden Jungs wissen könnten.

 


 

Auf die Nase!

 

Zunächst entscheidet ihr euch für Kyoko oder Misako und zieht anschließend ganz Brawler-typisch in der klassischen, leicht isometrischen Seitenansicht durch die Level. Neben einer Taste zum Springen und einer zum Blocken könnt ihr dabei auch noch aus einer leichten und einer schweren Attacke wählen, deren Kombination dann zu tollen und effektiven Combos führen. 

Außerdem lassen eure Gegner gerne einmal Waffen liegen, die ihr dann aufnehmen könnt. Spannendes Detail: manchmal betteln Feinde um Vergebung. Wenn ihr euch diesen dann nähert und den linken Schulterbutton drückt, steht euch dieser anschließend zur Seite und kann bei Bedarf mit der selben Taste hinzugerufen werden. Euer Partner verfügt dabei über eine eigene Energieleiste und muss sich nach jedem Einsatz erst einmal wieder aufladen.

Eure eigene Energie könnt ihr mit gefundenen Speisen wieder auffrischen, die ihr in Automaten findet, kaufen könnt oder die eure Feinde hinterlassen.

Dank der Mitarbeit der Fighting-Experten von Arc System Works merkt man dem Kampfsystem eine gewissen Tiefe an, u.a. kann man durch das richtige Blocken einen Konterangriff starten. Weitere Moves lernt ihr im Dojo, in dem ihr euer hart erprügeltes Geld gegen neue Techniken eintauschen könnt.

 

Kaufen, Leveln & Ausstatten

 

Apropos Geld: dieses wird von Feinden hinterlassen und kann nicht nur für neue Moves ausgegeben werden. Regelmäßig findet ihr in den Levelabschnitten Shops, in denen ihr die verschiedensten Items finden könnt.

Gibt es im Supermarkt hauptsächlich Objekte zum Auffrischen der Energie, könnt ihr euch in Klamottenläden neue Ausrüstungsgegenstände kaufen, die eure Statuswerte verbessern. Denn ihr levelt euren Charakter nicht nur durch besiegte Feinde auf, auch diese Kleidungsstücke können euch besser und resistenter machen. Anfangs könnt ihr nur zwei davon ausrüsten, alle paar Levelaufstiege wird dies aber erweitert. 

In „River City Girls“ seid ihr aber nicht nur ständig in Kämpfe verwickelt. Hin und wieder gibt es auch Nebenmissionen, in denen ihr zum Beispiel einen Burger für Godai kaufen müsst oder euch mit gezielten Sprüngen durch die Wohnung eines Sicherheitsbeamten manövrieren müsst.

Schon im ersten Level kommt ihr an vielen Türen vorbei, die verschlossen sind. Habt ihr später den passenden Schlüssel gefunden, könnt ihr noch einmal zurück und Abkürzungen oder besondere Items finden.

Das Hauptmenü präsentiert sich in Form eines Smartphones und gibt euch nicht nur einen Überblick über eure Items oder ausgerüsteten Gegenstände, sondern dient auch als Karte. An Bushaltestellen habt ihr außerdem die Form einer Schnellreise-Funktion parat was bei dem hin und wieder vorkommenden Backtracking ganz hilfreich ist.

 


 

Fetter Sound und liebevolle Optik

 

Auch wenn sich Oldschool-Pixelgrafik bei aktuellen Indiespielen etwas abgenutzt hat, bietet die Optik von „River City Girls“ doch einige Highlights. So sind die Figuren detailliert gestaltet, auch in den Hintergründen lassen sich viele Anspielungen entdecken. Die Animationen sind ein Traum und wunderschön flüssig und umfangreich, das Highlight schlechthin ist aber der Sound.

Treiben einen im einen Moment noch Synthiesounds durch die Schule, wird man im Kaufhaus von einem Popsong allerfeinster Güte empfangen, der sich sofort in eure Hörwindungen schlängelt. Zwar gab es vor allem bei Endgegnern auch immer mal wieder gräßlich schrille Chiptunes, aber alles in allem ist der Sound ein echtes Brett und muss unbedingt auf CD oder Vinyl gebannt werden. 

Die Steuerung auf der Switch ist sowohl mit Pro Controller als auch mit Joy-Con zu jeder Zeit direkt und einwandfrei und so perfekt für einen Brawler dieser Art. Im Handheld-Modus fallen einige arg fummelig kleine Schriften auf, am ärgerlichsten ist hier aber die deutsche Lokalisierung. Während das Spiel im englischen O-Ton sehr gut ist, sind die deutschen Bildschirmtexte recht seltsam und wirken hin und wieder wie aus dem Google Übersetzer.

 

FAZIT: Toller Oldschool-Spaß mit perfekter Musik!

 

„River City girls“ kann man ohne Zweifel zu einem der Highlights der diesjährigen Indiespiele zählen. Gerade das Genre der Brawler kommt eh immer viel zu kurz und wurde in den vergangenen Jahrzehnten stiefmütterlich behandelt. Da kommt so eine spaßige Prügelei gerade recht.

Die beiden Hauptcharaktere sind zwar schon sehr laut und den Anime-Humor muss man auch schon etwas mögen, aber was hier in Sachen Gameplay und Präsentation passiert, kann sich absolut sehen lassen und zeigt, wie man dieses Genre heutzutage interpretieren kann. Hervorheben muss man hier definitiv noch einmal die Musik, die alles überstrahlt und für Tage in den Ohren bleibt, durch moderne Mittel wie das Aufleveln oder dem Nutzen von Items zur dauerhaften Verbesserung von Kyoko und Misako passt das Spiel perfekt ins Jahr 2019.

Kleine Kritikpunkte sind das Backtracking, das vor allem zu Beginn recht nervig ist, außerdem muss man beim Kauf der Items anfangs auf die Erklärung deren Auswirkungen verzichten. Hier kauft man also auf gut Glück und weiß nur grob, wie das Item wirkt. Feinde könnten außerdem häufiger solche Objekte verlieren, damit man nicht ständig Geld ausgeben muss. Aber das sind Kleinigkeiten in einem sehr, sehr guten Spiel.