Catherine: Full Body [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 31.08.2019 um 13:52

 

Bockschwerer Puzzler

 

Als „Catherine“ im Jahr 2011 für die Generation von Xbox 360 und PlayStation3 erschien, fiel das Spiel nicht nur mit seinem tollen, gewohnt hohen Atlus-Artstyle auf, auch in Sachen Gameplay wirkte das Spiel sehr frisch und ungewöhnlich.

Denn während man sich auf der einen Seite mit sehr fordernden Puzzle-Level auseinandersetzen musste, handelte es sich bei dem Rest des Spiels um einen astreinen Beziehungs-Simulator. Doch für den ganz großen Erfolg reichte es leider nicht, denn für den Mainstream war „Catherine“ trotz nachgereichtem Easy-Patch dann doch nicht geeignet und einfach viel zu schwer. Dennoch genießt der Titel unter Fans einen gewissen Kultstatus, und so verwundert auch die Veröffentlichung des Remasters namens „Catherine: Full Body“ nicht.

Wie sich der Beziehungs-Puzzler acht Jahre nach dem eigentlichen Release schlägt, verraten wir euch in unserem Test.

 

Vincent und die Frauen

 

Euer Hauptprotagonist, Vincent Brooks, ist eigentlich in einer glücklichen Beziehung mit seiner Jugendliebe Katherine. Die beiden sind Anfang 30 und natürlich kommen da langsam Fragen über die Zukunft der Beziehung auf. Gerade das Thema Heirat beschäftigt seine Liebste gerade sehr, allerdings ist er skeptisch gegenüber dem Bund für’s Leben.

Als wäre das nicht schon alles schwer genug, taucht just in diesem Moment Catherine auf, eine attraktive Blondine, die ihr Interesse an Vincent nicht gerade subtil vermittelt. Nach einem Blackout wachen die beiden in Vincents Bett auf und damit beginnt der ganze Schlamassel. 

Zum gleichen Zeitpunkt geschehen seltsame Todesfälle in der Stadt, die vor allem alleinstehende junge Männer treffen. Haben die seltsamen Alpträume etwas damit zu tun, die Vincent schon seit einigen Tagen hat? 

Für Vincent heißt es jetzt also nicht nur, sich zwischen heißer Affäre und Jugendliebe zu entscheiden, auch den mörderischen Träumen muss er irgendwie entkommen. Zu allem Übel gibt es dann auch noch mit Rin eine weitere Frau in seinem Leben, die Interesse an ihm hat.

 


 

Treffpunkt Schaf

 

Den Großteil eurer Zeit verbringt ihr in „Catherine: Full Body“ in eurer Stammkneipe, dem Stray Sheep. Dort trefft ihr nicht nur eure Kumpels, die euch mit allerlei Ratschlägen zur Seite stehen, auch mit der Kellnerin, dem Barkeeper und den verschiedenen Gästen kann Vincent interagieren. Hier gibt es auch schon eine der großen Neuerungen des Spiels, denn mit Rin hält eine neue Figur Einzug, die das Beziehungschaos perfekt macht.

Neben den zahlreichen Gesprächen, die ihr in der Bar führt, könnt ihr euch die Zeit aber auch an der Jukebox oder mit dem Spiel „Super Rapunzel“ vertreiben. Hin und wieder klingelt euer Klapp-Handy, an dem ihr SMS beantwortet oder euch eure Erfolge im Spiel anschaut. 

Wie üblich in einer Bar könnt ihr euch aber auch einfach nur betrinken, was zur Folge hat, dass ihr Vincent in den Puzzle-Level schneller bewegen könnt. Habt ihr einen Drink geleert und bestellt etwas neues, bekommt ihr nützliche Infos über Bier, Sake, Wein und Cocktails.

Die Bar-Szenen werde immer wieder mal von Zwischensequenzen abgelöst, die entweder in Spielegrafik gehalten sind oder in klassischer Anime-Form vorliegen und die Story vorantreiben.

 

Puzzeln bis zum Tod

 

Während ihr also viel Zeit mit der Pflege von Beziehungen verbringt, enthält „Catherine: Full Body“ aber auch einen ganzen Schwung fordernder Puzzle-Level, die die tödlichen Alpträume symbolisieren. In diesen müsst ihr einen Turm aus Blöcken erklimmen, indem ihr diese verschiebt. Klingt einfach, wird aber in den späteren Level wirklich schwer. 

Neben regulären Blöcken gibt es nämlich auch Fallen, feste Erdblöcke, Eisflächen oder brüchige Quader, die nach der ersten Berührung recht schnell zu Staub zerfallen. Als wäre das nicht schon genug, müssen die Bosslevel unter einem gewissen Druck erledigt werden, da euch diese von unten nach oben verfolgen. Braucht ihr also zu lange an einer Stelle, könnte euch der Endboss recht schnell erledigen.

Glücklicherweise gibt es aber hilfreiche Items zu finden, die ihr auch gegen gesammeltes Geld zwischen den Level kaufen könnt. Unter anderem könnt ihr so zum Beispiel mit einer Glocke Erdblöcke zu bewegbaren Quadern umwandeln, andere Gegenstände ermöglichen euch effektiver zu klettern oder die feindlichen Schafe…ja, Schafe - dazu später mehr - außer Gefecht zu setzen.

Habt ihr die Spitze des Turms erreicht, werdet ihr zu einer Art Zwischenlevel transportiert, in dem ihr Gespräche mit den anderen Träumern in Form von Schafen führt. Häufig geben euch diese Tipps und bringen euch neue Klettertechniken bei. Spannend sind auch die Beziehungsfragen, die euch das Spiel anschließend stellt und auswertet. So seht ihr zum Beispiel wie andere Spielerinnen und Spieler die Frage „Ist die Ehe der Anfang oder der Beginn des Lebens?“ beantwortet haben.

Noch ein Wort zum Schwierigkeitsgrad: schon in der Originalversion gab es die Möglichkeit, bestimmte Aktionen per Tastendruck rückläufig zu machen. Auch diese Funktion gibt es hier wieder, auch hier sind die Redo-Aktionen allerdings auf eine bestimmte Anzahl beschränkt. Komplett neu ist der Autoplay-Modus, der für Spielerinnen und Spieler geeignet ist, die wirklich nur die Beziehungsgeschichte zwischen Vincent und den Frauen erleben wollen und denen die Puzzle-Level zu blöd sind.

 


 

Schöne Optik in zeitlosem Gewand

 

Der Artstyle von Atlus hat einen großen Vorteil: er ist absolut zeitlos und sieht auch acht Jahre später noch gut aus. Egal ob in den animierten Zwischensequenzen oder in Sachen Spielegrafik, optisch ist „Catherine: Full Body“ sehr gelungen.

Auch die Alptraum-Puzzle-Level sind optisch gut gealtert und wirken dem Thema entsprechend deprimierend und unheimlich, gleiches gilt für das Design der Bosse. Das komplette Spiel strahlt einfach einen hohen Style-Faktor aus, was auch von der grandiosen Musik untermalt wird. Seien es die jazzigen Klänge im Stray Sheep oder der japanische Hip Hop in mancher Zwischensequenz, man bekommt hier definitiv nur Gutes auf die Ohren. Toll!

Sicherlich ist bei „Catherine: Full Body“ altersbedingt nicht alles einwandfrei. Manch ein Polygon wirkt etwas arg eckig oder die Textur unscharf, die neuen Sequenzen mit Rin hingegen wirken moderner und etwas polierter. Aber alles in allem kann sich das Spiel schon sehen lassen und läuft rund.

Neben einer englischen Synchro, die dank englischer Namen und einem US-ähnlichen Setting recht gut auf das Gezeigte passt, gibt es auch die japanische Vertonung. Die Bildschirmtexte sind allesamt in Deutsch gehalten.

 

FAZIT: Auch acht Jahre später ein großer Spaß!

 

„Catherine: Full Body“ ist auch im Jahr 2019 noch sehr unterhaltsam und kann auf den höheren Schwierigkeitsgraden für das ein oder andere graue Haar sorgen. Über die Integration des Autoplay-Modus’ kann man streiten, aber für Leute, die sich wirklich nur der Beziehungsgeschichte zwischen Vincent und seinen drei Katherines widmen wollen, ist das sicherlich ein willkommenes Feature.

Die Puzzlelevel sind abwechslungsreich gestaltet und mit allerlei fiesen Kniffen und Herausforderungen angelegt und auch die Elemente zwischen der Kletterei sind mit zahlreichen Dialogen und Wendungen spannend gemacht. Langeweile kommt während der knapp achtstündigen Story sicherlich nicht auf. Auch für die Zeit nach der Kampagne hat sich Atlus ein bißchen was einfallen lassen und einen Puzzle- sowie Mehrspieler-Modus integriert. Wer das Spiel damals außerdem schon in- und auswendig konnte, darf sich dem neuen Remix-Modus widmen. Ihr seht, es ist also ordentlich was geboten. „Catherine: Full Body“ kann man sich getrost einmal gönnen.