Auch Kareem Abdul-Jabbar ist enttäuscht von Tarantinos Bruce Lee-Darstellung

Verfasst von Waldemar Witt am 17.08.2019 um 01:58

 

Bereits mehrfach berichteten wir euch von Quentin Tarantinos kontroverser Darstellung der Kampfkunst-Legende Bruce Lee im aktuellen "Once Upon a Time in Hollywood".

 

Und nachdem vor allem Bruce Lees Tochter, Shannon Lee, ihr Missfallen bezüglich der Darstellung ihres Vaters im Film kundtat, äußert sich nun auch ein weiterer ehemaliger Co-Darsteller von Bruce Lees Filmen - Kareem Abdul-Jabbar.

 

Abdul-Jabbar, der vor allem für seine Kampfszene mit Bruce Lee in "Game of Death" (und als Basketballspieler) bekannt war, teilte nun in einem aktuellen Interview mit The Hollywood Reporter mit, dass er zwar Tarantino als Filmemacher sehr respektiert, aber die Darstellung von Bruce Lee im Film ebenfalls nicht in Schutz nehmen kann und für gänzlich unpassend hält:

 

"Tarantino hat das künstlerische Recht, Bruce in jeglicher Weise, die er will, darzustellen. Aber es auf so eine schlampige und irgendwie rassistische Art zu tun, sehe ich als einen Fehler seinerseits sowohl künstlerisch als auch menschlich. Diese ganze Kontroverse hat mich gespalten zurückgelassen. Tarantino ist einer meiner Lieblingsfilmemacher, weil er so mutig, bedingungslos und unvorhersehbar ist. Er hat diese Energie in seinen Filmen von jemandem, der Filme liebt und will, dass du Filme auch liebst. Ich sehe mir jeden Tarantino Film an, als wäre es ein Event - vor allem, da ich weiß, dass seine Darstellung der 60er und 70er Action-Filme mehr als nur eine unterhaltende Homage sein werden. Das ist es, was die Bruce Lee-Szenen so enttäuschend für mich machte. Weniger hinsichtlich der Fakten, sondern eher weil sie einen Fehler hinsichtlich der kulturellen Wahrnehmung für mich darstellt."

 

Abdul-Jabbar fuhr weiterhin fort indem er beschrieb, dass der echte Bruce Lee nie so wie im Film im echten Leben auf eine Kampf-Herausforderung reagieren würde:

 

"Ich war mit Bruce mehrmals in der Öffentlichkeit als irgendein Idiot ihn lauthals zu einem Kampf herausforderte. Er hat es immer höflich abgelehnt und ist weitergegangen. Die erste Regel von Bruce's Fight Club ist es, nicht zu kämpfen, außer es ist die einzige mögliche Lösung. Er hat kein Bedürfnis gehabt, sich beweisen zu müssen. Er wusste, wer er war, und dass der wahre Kampf nicht auf einer Matte stattfindet, sondern auf der Leinwand - undzwar der Kampf um Chancen für Asiaten [in Hollywood] zu schaffen und um als mehr gesehen zu werden als nur grinsende Stereotypen. Leider bevorzugt 'Once Upon a Time in Hollywood' eher eine Darstellung der 'guten alten Zeiten'."

 

"Once Upon a Time in Hollywood" ist derweil seit dem 15. August in unseren Kinos zu sehen.