Fire Emblem: Three Houses [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 04.08.2019 um 11:03

 

Taktik-Tradition

 

Eigentlich gibt es die „Fire Emblem“-Reihe schon seit Zeiten des NES, genauer gesagt seit 1990. Allerdings fristete die Taktik-Serie jahrelang ein Nischendasein auf den Nintendo-Konsolen, viele Titel blieben Japan-exklusiv und aufgrund der Sprachbarriere somit vielen Spielerinnen und Spielern verwehrt. Mit dem 3DS-Teil „Fire Emblem Awakening“ startete Nintendo aber eine Euphorie, die seitdem die regelmäßige Veröffentlichung von neuen „Fire Emblem“-Spielen im Westen garantiert.

Nach drei Spielen für den Handheld, einem Spinoff für die WiiU und einem Ableger für mobile Endgeräte erschien nun mit „Fire Emblem: Three Houses“ endlich mal wieder ein Serien-Teil für eine große Konsole. Dieser wurde bereits im Vorfeld aufgrund seiner vielen sozialen Komponenten als „Persona 5“ mit Rundenstrategie betitelt, hat allerdings noch einiges mehr zu bieten. Was alles, das verraten wir euch in unserem Test!

 

Von schwarzen Adlern, Königreichen und der Militärakademie

 

Bevor ihr euch in einer Prologmission in die erste Schlacht stürzt, entscheidet ihr euch zunächst für einen männlichen oder weiblichen Hauptcharakter. Hier könnt ihr lediglich den Namen festlegen, optische Änderungen sind leider nicht möglich.

Da ihr euch in der ersten Schlacht recht gut schlagt, werden die anwesenden Schüler einer Militärakademie, dem Kloster Garreg Mach, auf euch aufmerksam und wollen euch sofort als Lehrkraft gewinnen. Diese drei Haussprecher vertreten die Adelshäuser Leicester, Faerghus und Adrestia, die einst im Krieg miteinander standen, nun aber auf dem Kontinent Fodlan in Frieden nebeneinander existieren.

In unserem ersten Durchgang entscheiden wir uns für die Schwarzen Adler, die von der Sprecherin Edelgard vertreten werden. Neben Hieb- und Stichwaffen sind diese nämlich vor allem in Sachen Magie bestens ausgerüstet und machen den Feinden mit dem ein oder anderen Zauber das Leben schwer.

Folglich entspinnt sich eine Geschichte um die Militärakademie, deren Leiterin Rhea und einem vermeintlichen Angriff auf das Kloster, welche mit allerlei sozialen Komponenten aufgelockert wird. Dazu aber später mehr.

 

 

Endlich mal frei

 

„Fire Emblem: Three Houses“ folgt einem Schema ähnlich den aktuellen „Persona“-Spielen. Ein Kalender gibt euch zunächst den Überblick über den aktuellen Monat und welche Ereignisse auf euch warten. Die relevanten Story-Missionen inklusive Schlacht liegen meist am Monatsende, bis dahin geht ihr kurzen Sidequests nach, kämpft kleinere Schlachten oder kümmert euch um die Mitglieder eures Hauses.

Während es unter der Woche nur zu kleinen Events wie Geburtstagen kommt, steht montags der Unterricht auf dem Plan. Hier könnt ihr eure Schüler individuell in gewünschten Kategorien wie Umgang mit dem Schwert, Magie oder Führungskompetenz lehren oder ihr überlasst es einfach der CPU. Auch Gruppenarbeiten sind möglich, die die Bande zwischen den Beteiligten verbessern und Aktivitäten wie Unkraut jäten oder Luftüberwachung bieten.

Während es an Samstagen dann immer ein Wochenresümee gibt, bei dem die Verbesserungen der Schülerinnen und Schüler angezeigt werden, könnt ihr sonntags frei über eure Zeit verfügen. So geht es zum Gärtnern, zum Angeln oder ihr ladet einen eurer Schüler zum Essen ein. Egal was ihr unternehmt, es hat immer Auswirkungen auf euren Grad als Lehrer oder auf die Beziehung zu den Schülern. Verbessert ihr euch zum Beispiel auf eine neue Magister-Stufe, habt ihr mehr Aktivitätspunkte für die freien Tage zur Verfügung. Auch kleinere Sidequests erledigt ihr an Sonntagen, so sucht ihr zum Beispiel nach Interessierten für die Teilnahme am Chor oder bringt einer Schülerin ein verloren gegangenes Kleidungsstück zurück. 

An diesen freien Tagen könnt ihr euch aber auch einfach Ausruhen, Examen bei anderen Dozenten ablegen oder euch kleineren Schlachten widmen, die euch mit XP und Items für eure Truppe belohnen.

 

Zug um Zug

 

Ihr seht also, die soziale Komponente nimmt einen Großteil in „Fire Emblem: Three Houses“ ein, dennoch sollte und darf man die Schlachten natürlich keinesfalls außer Acht lassen. Dafür sind wir schließlich hier!

Doch bevor sich die Damen und Herren gegenseitig die Köpfe einschlagen dürfen, solltet ihr eure Truppe ordentlich auf den Kampf vorbereiten. Hat jeder Charakter genug Heiltränke dabei? Wie sieht es mit der Abnutzung der Waffen aus? Gibt es vielleicht sogar schon bessere Schwerter für Charakter XY? Welche Figur wird von einem Bataillon unterstützt? Habt ihr alle diese Einstellungen überprüft, geht es endlich auf das Schlachtfeld.

In gewohnter Rundenstrategie-Manier zeigt euch ein Raster der gewählten Figur an, wie weit ihr ziehen könnt oder wann ihr in die Reichweite der Feinde geratet. Auf dem Zielfeld angekommen, hängen eure möglichen Aktionen von der Nähe zu Feinden und Verbündeten ab. Seid ihr ohne direkten Kontakt zu anderen, könnt ihr lediglich ein Item nutzen oder mit „Warten“ den Zug beenden, in der Nähe zu Mitgliedern eurer Truppe könnt ihr außerdem Items austauschen oder auch Heilungs-Fähigkeiten nutzen. Habt ihr Kontakt mit Gegnern wählt ihr aus einem Standard-Angriff oder einer kraftvolleren Kampftechnik. Diese Auseinandersetzungen werden dann in einer schönen Zwischensequenz angezeigt, die dank zahlreicher Effekte und Einblendungen recht schick aussehen.

Habt ihr eure Truppen über das Feld gezogen, ist der Gegner dran und dieses Spiel geht immer so weiter bis das Ziel erreicht ist. Neben normalen Soldaten gibt es viele unterschiedliche Gegnertypen wie Bogenschützen, gepanzerte Ritter oder Gegner hoch zu Pferd. Später im Spiel kommen auch noch große Gegner wie Drachen hinzu, die euch vor die ein oder andere Herausforderung stellen werden.

 

 

Zweischneidiges Schwert Technik!

 

In Sachen Technik kann „Fire Emblem: Three Houses“ nur bedingt überzeugen. Wie schon erwähnt, sind die Kampfsequenzen cool gemacht und überzeugen mit großen Figuren und schönen Effekten, auch andere Zwischensequenzen sehen dank detaillierter Charaktere und feiner Animationen echt gut aus, das gilt aber leider weder für die Schlachten an sich noch für die Zeit im Kloster.

Während die Schlachten in der Hauptansicht recht trist und langweilig wirken, ist auch die Hubwelt der Militärakademie eher „Open World anno 2010“. Zwar ist das Kloster recht weitläufig, in viele Ecken kommt ihr aber aufgrund unsichtbarer Barrieren oft gar nicht und auch der Detailgrad und das Design mancher Objekte lassen doch stark zu wünschen übrig. Vor allem im TV-Modus kam es außerdem immer wieder zu Rucklern beim Herumstreunen durch das Kloster.

Eine große Stärke der „Fire Emblem“-Serie war schon immer der Soundtrack, der auch im Switch-Teil absolut zu überzeugen weiß. Zwar hätte man sich für die Zeit im Kloster mehrere statt nur einen Track ausdenken können, aber der dudelt eh nur im Hintergrund vor sich hin. In Sachen Vertonung könnt ihr zwischen einer englischen und japanischen Tonspur wählen.

 

FAZIT: Fire Emblem meets Harry Potter meets Persona

 

„Fire Emblem: Three Houses“ ist eine sehr unterhaltsame Mischung aus Schulsimulation und Schlachtplatte, die in den sozialen Komponenten wirklich stark an die „Persona“-Reihe erinnert. Wenn die Kamera so über die lernenden  Schülerinnen und Schüler fährt und man die opulenten Gebäude des Klosters durchläuft, fühlt man sich außerdem in die Welt von „Harry Potter“ versetzt.

Dank drei zu spielender Häuser unterhält euch die Rundenstrategie unzählige Stunden, vielerorts hört man von bis zu 80 Stunden pro Kampagne, allerdings ist das auch stark davon abhängig, was ihr alles so in Sachen Nebenmissionen unternehmt. Doch leider ist die Hauptstory eine der großen Schwächen des Spiels. Während man zu den Schülerinnen und Schülern wirklich eine emotionale Bindung aufbaut, plätschert die Geschichte so vor sich hin und kann kaum mitreißen. Hier ist vermutlich die Struktur des Spiels schuld, die die relevanten Story-Schlachten ans Ende des Monats setzt und zwischendurch einfach viel zu viel andere Sachen zur Unterhaltung bietet.

Relativ ärgerlich sind einige technische Schwächen, vor allem zahlreiche Grafikeffekt über die selbst die Wii nur müde gelächelt hätte. Auch wenn die Switch nicht ganz so potent wie die Konkurrenz aus dem Hause Sony oder Microsoft ist, kann sie doch mehr leisten als so machen Effekt aus „Fire Emblem: Three Houses“.

Trotz dieser Schwächen ist die Rundenstrategie aber ein sehr lohnenswerter Titel, der euch perfekt über die kommenden, schwachen Releasewochen bringen sollte.