Dragon Quest Builders 2 [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 21.07.2019 um 12:14

 

Mit Klötzchen zum Erfolg

 

Als vor zehn Jahren „Minecraft“ auf dem PC erschien, rechnete wohl niemand mit dem bahnbrechenden Erfolg des Open World-Aufbauspiels. Heutzutage sind sowohl Spiel als auch die Figuren aus der Videospielgeschichte nicht mehr wegzudenken und auf so ziemlich jeder Konsole und jedem mobilen Endgerät vertreten. Dass solch ein erfolgreiches Spielkonzept nicht unkopiert bleibt, versteht sich natürlich von selbst.

Eine der besten „Kopien“ von „Minecraft“ war sicherlich „Dragon Quest Builders“, welches das süchtig machende Gameplay mit den sympathischen Figuren von Square Enix’ Rollenspielserie verknüpfte. Litt dieser Teil noch unter ein paar kleinen Designschwächen, so konnte man zum Beispiel seinen Fortschritt aus den einzelnen Kapiteln nicht mitnehmen, bügelt man diese nun mit „Dragon Quest Builders 2“ aus und ergänzt das Spiel mit ein paar netten Ideen. 

 

Der Erbauer!

 

Nachdem ihr euch für eine männliche oder weibliche Hauptfigur entschieden habt, erwacht ihr an Bord eines Schiffes. Ihr wurdet nämlich gefangen genommen und seid nun in der Gewalt der Bösewichte, die euer Dasein als Erbauer gar nicht gut finden.

Doch durch ein Unwetter erleidet ihr Schiffsbruch und werdet an dem Strand einer Insel angespült. Schon bald trefft ihr nicht nur auf eine andere Überlebende, auch euren künftigen, ständigen Begleiter Malroth lernt ihr vor Ort kennen. Zusammen mit diesem stellt ihr euch auf verschiedenen Inseln den Kindern Hargons entgegen, die die Zerstörung anbeten und somit euch als Erbauer nur sehr wenig leiden können.

 

 

Aufbau-Rollenspiel

 

Auf der ersten Insel beginnt ihr euer Abenteuer zunächst mit Grundlagen des Spiels. So könnt ihr dank eines Hammers Materialien abbauen und an anderer Stelle wieder errichten. Mit einem Schwert wehrt ihr euch außerdem gegen Feinde, die man aus dem „Dragon Quest“-Universum kennt. Macht euch also auf Begegnungen mit den blauen Schleimtropfen oder Riesenaffen gefasst.

Abgebaute Materialien findet ihr am unteren Bildschirmrand in einer Leiste durch die ihr mit den Richtungstasten schaltet und das Objekt dann mit dem X-Button(je nach Steuerungsschema) platzieren könnt. Durch Druck auf L oder ZL könnt ihr außerdem die Bauhöhe bestimmen. Nach einiger Eingewöhnung geht das alles flott von der Hand. Zu Beginn ist das Portfolio eures Erbauers noch sehr übersichtlich, glücklicherweise lernt ihr aber mit jeder erledigten Aufgabe neue Anleitungen dazu und so könnt ihr schon bald großartige Dinge bauen. Hin und wieder bitten euch NPCs um den Bau eines Schlafzimmers, einer Toilette oder einer Küche. Hierfür gibt es dann bestimmte Objektvorgaben, die eure Kreationen erfüllen müssen. 

Während der erste Teil noch einen sehr großen Fokus auf das Bauen von Gebäuden legte, werdet ihr in „Dragon Quest Builders 2“ auch mit allerlei anderen Aufgaben bedacht. So widmet sich ein Kapitel fast vollständig dem Anbau von Weizen, Tomaten und Kürbissen und lässt euch wie in „Harvest Moon“ oder „Stardew Valley“ fühlen. Aber Achtung: hin und wieder greifen Monster eure Siedlung an und wollen eure Gebäude oder Ernte zerstören! Zum Glück halten hier alle Bewohner eures Dorfes dann zusammen und stürmen auf die Feinde ein.

Eure Siedlung könnt ihr außerdem nach und nach verbessern, denn durch erfolgreiches Erledigen von Aufgaben der NPCs bekommt ihr allerlei Herzchen, die ihr einsammeln solltet. Habt ihr eine bestimmte Menge davon gesichert, levelt ihr die das Dorf auf und bekommt somit mehr Bewohner oder deren Fähigkeiten und Kenntnisse in Sachen Farmen und Bauen verbessern sich.

 

Nebenaufgaben und Fotos

 

Während ihr auf reguläre Storymissionen durch ein Ausrufezeichen über dem Kopf des jeweiligen NPCs hingewiesen werdet, trefft ihr auf euren Abenteuern auch immer wieder mal Charaktere, die kleinere Nebenmissionen für euch bereithalten. Diese müssen nicht zwingend erledigt werden, erleichtern euch das Leben aber mit allerlei hilfreichen Items. So lernt ihr zum Beispiel von einem Ork das Zubereiten von Dünger, der den Anbau bzw. das Wachsen eurer Lebensmittel vereinfacht. Bei euren Streifzügen über die Inseln trefft ihr außerdem auf viele Gegner, die mal stärker und mal schwächer sind. Für das Besiegen der Monster gibt es Erfahrungspunkte, welche euch bei Stufenaufstieg stärker werden lassen und hin und wieder auch neue Waffen freischalten.

Neben eurer Lebensleiste findet ihr außerdem euren Hungerstatus, der durch das Essen von rohen aber auch gekochten Lebensmitteln wieder erhöht werden kann. 

Ein kleiner Spaß nebenbei ergibt sich durch den Fotomodus des Spiels. Sehenswerte Bilder könnt ihr nämlich etwas bearbeiten, mit Hashtags versehen und dann hochladen. Auf einer virtuellen Pinnwand könnt ihr euch dann die Werke anderer Spielerinnen und Spieler anschauen und diese mit einem Like versehen. 

Auch der Online-Modus sorgt für einiges an Gaudi, denn hier könnt ihr eure Insel mit drei anderen Spielerinnen und Spielern teilen und gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Mal sehen, was dadurch alles entsteht.

 

 

Klötzchen-Optik?

 

Die Optik von „Dragon Quest Builders 2“ ist recht gelungen, denn wieder einmal weiß Square Enix ganz genau, wie man den Stil von Akira Toriyama in Polygongrafik umzusetzen hat. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und überzeugen mit kleinen Details, das Gleiche gilt für die Einrichtungsgegenstände und Objekte mit denen ihr die Welt des Spiels erweitern und verschönern könnt. Gelungen ist auch die Kombination von 3D- mit 2D-Grafik, welche sehr harmonisch wirkt.

Die Musik hält sich zum Großteil unauffällig im Hintergrund, unterstreicht aber besondere Momente wie Kämpfe oder Erfolge mit gewohnt epochaler Vertonung. Bei den Soundeffekten bleibt man bei Square Enix traditionell und verwendet viele Samples der frühen „Dragon Quest“-Spiele. Also ähnlich wie in „Dragon Quest XI“ im vergangenen Jahr. 

Sowohl im Handheld- als auch TV-Modus lief das Spiel während unseres Test recht flüssig, allerdings fiel die Framerate vor allem bei einsetzenden Wettereffekten wie Regen in großen Arealen schon merkbar. Auch viele Charaktere gleichzeitig auf dem Bildschirm lassen das Spiel leicht rucklig werden. Größter Kritikpunkt ist aber die winzige Schrift, die man bei manchen Menüpunkten und Einblendungen gewählt hat. Im mobilen Modus der Switch muss man hier doch sehr nahe an den Screen heran um etwas erkennen zu können. 

 

FAZIT:  Zeitfresser deluxe!

 

„Dragon Quest Builders 2“ ist eines dieser Spiele, das man nur ungern aus der Hand legt. Der Akku der Switch wurde in unserem Test regelmäßig leergespielt, denn aus einem „Ich schau nur mal kurz, was es da hinten noch zu tun gibt“ wird ein „Mist, schon wieder 45 Minuten Tomatensamen gesammelt“. Das Spiel versteht es auf eine richtig tolle Art und Weise Elemente aus Action-RPGs mit Aufbau-Sim zu vermischen und wird durch das abwechslungsreiche Missionsdesign auch nie wirklich langweilig. 

Square Enix hat seine Hausaufgaben gemacht und die kleinen Macken des Erstlings bereinigt. Bei der Switch-Version des Spiels ärgert man sich eigentlich nur über die teils mickrigen Bildschirmtexte, die man vor allem als Brillenträger nur schwer entziffern kann. Das könnte man bitte noch nachpatchen!

Ansonsten ist „Dragon Quest Builders 2“ das perfekte Spiel für das kommende Sommerloch und großartige Unterhaltung für Unterwegs oder abends auf der Couch. Wer sich zwar mit dem Spielkonzept, nicht aber mit der Grafik von „Minecraft“ anfreunden kann, sollte sich das hier mal anschauen. Ihr werdet es nicht bereuen!