Stranger Things 3 - The Game [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 11.07.2019 um 13:29

 

80er Jahre-Kult

 

Als im Jahr 2016 „Stranger Things“ auf Netflix startete, erwartete wohl niemand einen solch extremen Hype, den die Serie dann letztlich ausgelöst hat. Mit unzähligen Anspielungen auf Filme und Popkultur aus den 80er Jahren und einem grandiosen Synthie-Soundtrack ist die Serie für viele wie eine Reise zurück in die Kindheit. Jüngere Zuschauer verfallen dem Retro-Charme aber ebenso.

Die Abenteuer rund um Mike, Dustin, Elfi & Co. bringen es nun mittlerweile auf drei Staffeln, mehrere Bücher und eine Comicserie. Neben unzähligen Merch-Artikeln gab es bereits zu Season One ein Videospiel für mobile Endgeräte, außerdem arbeitete Telltale bis zu deren Insolvenz an einem Adventure für die Konsolen. 

Anlässlich der aktuellen Staffel veröffentliche Netflix nun in Zusammenarbeit mit Entwickler Bonus XP „Stranger Things 3 – The Game“, das den Charme vergangener 16 Bit-Tage versprüht. Wie sich der Titel sonst so schlägt, verraten wir euch in unserem Test.

ACHTUNG: Diese Review kann Spoiler enthalten!!

 

Bald ist der 4.Juli!

 

Nach den heftigen Ereignissen aus dem Vorjahr ist wieder Ruhe in Hawkins eingekehrt, dennoch bringen einige Änderungen das idyllische Kleinstadtleben durcheinander. So hat unter anderem eine riesige Mall an der Stadtgrenze eröffnet, die es vor allem den Ladenbesitzern in der Innenstadt schwer macht.

Doch auch persönliche Änderungen gab es. Mike und Elfi sind nun ein Paar und verbringen die meiste Zeit der Ferien mit Knutschen, Dustin war in einem Wissenschaftscamp und lernte dort auch eine Freundin kennen und Steve jobbt mittlerweile in einem Eisladen in der Mall, in der er sich mit seiner Kollegin Robin herumärgern muss.

Doch als plötzlich ein russischer Geheimcode über Dustins Funkanlage empfangen wird, es zu einem riesigen Stromausfall kommt und sich die Ratten der Stadt seltsam verhalten, überschlagen sich die Ereignisse kurz vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag!

 

 

Demogorgons ate my neighbors!

 

In klassischer 16 Bit-Optik spielt man „Stranger Things 3 – The Game“ aus einer isometrischen Vogelperspektive und steuert dabei zwei Charaktere(auf Wunsch übrigens auch mit einem zweiten Spieler). Euer CPU-Kollege folgt euch immer, es sei denn ihr habt ihm eine andere Anweisung über die Richtungstasten  gegeben.

Die zwölf spielbaren Charaktere verfügen über unterschiedliche Eigenschaften. Mike schlägt zum Beispiel mit einem Baseballschläger auf seine Feinde ein während Dustin diese mit einem giftigen Spray besiegen kann. Auch eine Spezialfunktion hat jede eurer Figuren, Joyce öffnet mit ihrem Bolzenschneider Türen und Lucas kann Felsen, die euch den Weg versperren, wegsprengen. Mit einem Druck auf die untere Richtungstaste wechselt ihr so zwischen den Figuren hin und her, mit ZR wechselt ihr die Charaktere durch.

Auf eurem Streifzug durch die verschiedenen Viertel, die über eine große Karte miteinander verbunden sind, findet ihr allerlei Dinge wie Kleingeld, Gartenzwerge oder Craftingmaterialien. Letzteres nutzt ihr an Werkbänken, um neue Items herzustellen und so eure Gruppe mit besseren Attributen auszustatten. 

In Sachen Missionsdesign bleibt das „Stranger Things“-Spiel recht übersichtlich. Eine klassische Partie läuft folgendermaßen ab: auf dem Weg zum nächsten Missionsziel fällt einem eurer Charaktere auf, dass man noch Gegenstand XY für dessen Erledigung benötigt. Dafür müsst ihr dann an Ort A und erledigt dort ein Schalterrätsel oder schlagt mehrere Feinde in die Flucht. Eventuell trefft ihr auf dem Weg dorthin auch noch einen NPC, der euch eine Sammelaufgabe stellt, deren Meistern euch dann mit einem tollen Item belohnt. Im Klartext: ihr lauft eigentlich ständig von A nach B um einen Gegenstand abzugeben oder zu organisieren. Hin und wieder stellt sich euch ein etwas härterer „Staffelboss“ in den Weg. 

 

In Pixels we trust

 

Wie schon erwähnt orientiert sich das Spiel an glorreichen 16 Bit-Tagen und setzt die Heldinnen und Helden von „Stranger Things“ in einer schönen Pixeloptik um. Die einzelnen Viertel wie die Mall, Hoppers Hütte oder der Randbezirk sind dabei detailreich ausgestattet und lassen euch einiges entdecken, allerdings wiederholen sich viele Elemente relativ schnell und lassen das Spiel nach einigen Stunden somit zumindest optisch eintönig wirken. Auch die Bedrohlichkeit der Monster lässt in der verwendeten Optik zu wünschen übrig, da alles irgendwie niedlich wirkt.

Die Steuerung der Figuren ist direkt, die Kämpfe enden aber trotz einiger Kampf- und Blockoptionen meist in wildem Buttonmashing. Ebenso kommt es durch die isometrische Perspektive doch hin und wieder zu Übersichtsproblemen. 

In Sachen Sound punktet das Spiel mit einem großartigen Chiptunes-Soundtrack, der sich zwar recht schnell wiederholt, aber dennoch gut in’s Ohr geht. Die Soundeffekte klingen ganz nach SNES und Co. und unterstreichen den Retro-Charme des Spiels.

Die Switch-Version läuft dabei relativ rund. Etwas ärgerlich waren gelegentliche Stotterer beim automatischen Speichern und die Ladezeiten beim Betreten von Häusern. 

 

FAZIT: Monotones Gameplay trifft SNES-Charme

 

Vordergründig ist „Stranger Things 3 – The Game“ eine nette Begleitung für die dritte Staffel. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Charaktere sind zwingend für das Beenden des Spiels nötig, denn jeder hat so seine eigenen Stärken mit denen er sich einbringt. Auch die einzelnen Story-Abschnitte der Folgen sind gut auf das Spiel angepasst, was aber natürlich auch den Spannungsfaktor in Sachen Story nimmt, wenn man die Staffel bereits kennt. 

Auch die eingebauten Türen- und Schalterrätsel haben zu Beginn ihren Reiz, leider überspannt das Spiel diese Elemente aber zu sehr und in Kombination mit dem repetitiven Missionsdesign kommt hier schnell Langeweile auf. Und das wo die Serie doch alles andere als langweilig ist! Da hätte man mehr aus den Missionen und Aufgaben herausholen können. Auch wenn Hawkins nicht sonderlich groß ist, nervt das Hin- und Herrennen zwischen den einzelnen Questgebern und Orten irgendwann.

„Stranger Things 3 – The Game“ ist somit wirklich nur eine nette Ergänzung zur Serie, die man sich nach Beendigung dieser gerne mal anschauen kann. Es ist aber definitiv kein Must-play!