Super Mario Maker 2 [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 05.07.2019 um 15:52

 

Nintendos Kult-Marke

 

Wie keine andere Figur steht der Klempner Mario auch über 30 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen stellvertretend für das Thema Videospiele an sich. Nintendos Maskottchen lieferte sich zwar in den 1990ern einen erbitterten Kampf mit Segas blauem Igel, aber sind wir mal ehrlich:  Sonic hatte nie eine Chance.

Nintendo verstand es aber auch prima, seine Ikone richtig einzusetzen und zu vermarkten. Denn nicht nur in den „Super Mario“-Spielen war der latzhosige Klempner unterwegs, schon früh in der Konsolengeschichte des Konzerns aus Kyoto traf man Mario außerdem als Golfer, Arzt oder Kart-Fahrer an. Zusammen mit seinen Freunden und Gegenspielern entstand so über die Jahre ein unvergleichliches Universum an kultigen Figuren.

Wenn ich nun an die ersten eigenen „Super Mario“-Erfahrungen zurückdenke, sehe ich mein achtjähriges Ich wie es durch die Level des NES-Spiels rennt und hinter jedem Stein ein neues Geheimnis vermutet. Hätte man mir damals erzählt, dass ich knapp dreißig Jahre später eigene Mario-Level mit einem supereinfach zu bedienenden Editor bauen könnte, wäre ich vermutlich ausgerastet.

 

Schaffe, schaffe, Level baue

 

„Super Mario Maker 2“ setzt den WiiU-Erfolgstitel von 2015 nun fort und konfrontiert euch nicht nur mit neuen Editor-Inhalten, sondern bietet den Spielerinnen und Spielern erstmals einen Abenteuermodus, der sie mit knapp 100 vorgefertigten Level lockt.

Die Story hierfür – das Schloss von Prinzessin Peach wurde durch einen kleinen Zwischenfall quasi in Luft aufgelöst – dient für eine grobe Rahmenhandlung, die euch dann durch allerlei kreative Welten-Kreationen schleust. Denn um das Schloss wieder aufbauen zu können, müsst ihr genügend Münzen sammeln. Schließlich will der Bau eines solchen Prachtschlosses finanziert sein...

Die Level setzen sich aus Elementen der Spiele „Super Mario Bros.“, „Super Mario Bros. 3“, „Super Mario World“, „New Super Mario Bros. U“ und „Super Mario 3D World“ zusammen und konfrontieren euch mit allerlei kreativen Einfällen und sind perfekt als Ideengeber für den umfangreichen Editor geeignet.

 

 

Aller Anfang ist leicht

 

Wer nun erwartet, dass es sich bei einem so umfangreichen Editor um ein schwer zu erlernendes Tool handelt, der irrt. Wie von Nintendo gewohnt, kann man schon nach wenigen Minuten sein erstes, eigenes Level spielen. 

Am linken Bildschirmrand wählt ihr zunächst aus dem eigentlichen Setting der oben genannten Spiele aus und in welcher Umgebung(Unterwasser, Wüste, Wald, Schnee...) es stattfinden soll. Habt ihr in eurem Level Wasser- oder Lava-Elemente könnt ihr deren Pegel festlegen. Auch Grundlegendes wie eine selbst scrollende Kamera, das Zeitlimit oder bestimmte Ziel-Bedingungen legt ihr in diesem Menü fest.

Sobald diese Grundsteine gelegt sind, könnt ihr euch an den Levelbau an sich machen. Am oberen Bildschirmrand könnt ihr dabei Elemente wie Feinde, Blöcke, Röhren oder Münzen auswählen und diese per einfachem Fingerzug im Handheld-Modus im Level platzieren. Spielt ihr „Super Mario Maker 2“ am TV funktioniert dies alles auch mit dem Pad.

In einem umfangreichen Menü, das ihr durch die Such-Funktion erreicht, könnt ihr aus unzähligen Sachen auswählen mit denen ihr eure Kreationen nach euren Wünschen gestalten könnt. Ein Traum!

Auch die Beschaffenheit der Welten an sich lassen sich kinderleicht ändern und anpassen, habt ihr euch doch einmal „verbaut“ kann dies mit Hilfe des Radiergummis, der Resetrakete oder der Rückgängig-Funktion korrigiert werden. 

 

Die Schatztruhe von „Super Mario Maker 2“

 

Das alles wäre natürlich wertlos, wenn man die eigenen Level-Kreationen nicht mit anderen Spielern teilen könnte. Offline geht dies mit bis zu vier Spielern auf der heimischen Couch, das Bauen der Level kann man außerdem zu zweit erledigen.

Doch natürlich ist der Online-Modus der große Star des Spiels. Denn was hier schon nach wenigen Tagen an kreativen, fordernden und spaßigen Level online war, ist der absolute Wahnsinn. 

Während euch die Endlos-Herausforderung mit mehreren, zufällig ausgewählten Welten konfrontiert und quasi eine Kampagne in Light-Form ist, kann man unter „Level suchen“ die Kreationen anderer Spielerinnen und Spieler auswählen und nach mehreren Kriterien filtern. Ein Menü gibt euch dann einen Überblick über die Erfolgsquote der anderen User und wie diese das Level bewertet haben. 

Für das Nutzen der Online-Funktion ist zwingend eine Mitgliedschaft beim Switch Online-Service nötig, allerdings können die Level auch heruntergeladen und anschließend offline genutzt werden. 

 

 

Nintendo-Charme

 

Grafisch bedient sich „Super Mario Maker 2“ aus drei Dekaden Videospielgeschichte und wertet vor allem die Optik der früheren Titel mit einigen Effekten etwas auf ohne zu stark in deren Retro-Charme einzugreifen.

Die Standardgrafik in der Oberwelt der Kampagne entspricht dabei der des aktuellsten Switch-Ablegers „New Super Mario Bros. U Deluxe“ und bewegt sich somit qualitativ auf einem recht hohen Level. Auch die Menüs und deren Handling entsprechen aktuellen Nintendo-Standards und präsentieren sich übersichtlich, intuitiv und aufgeräumt.

Sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus läuft das Spiel zu jederzeit flüssig und ohne Ruckler oder Schluckauf. Ist man im mobilen Modus der Switch kann man das Spiel perfekt mit Eingaben über den Touchscreen steuern und so baut man auch am einfachsten eigene Levelkreationen zusammen. Käufer der Limited Edition erhalten einen Stylus hierfür, warum man diesen nicht allen Versionen beigelegt hat, ist allerdings schleierhaft. Da hatte die WiiU mit ihrem serienmäßigen Eingabestift die Nase vorne. 

Mit dem Controller kann man aber selbstverständlich auch Baumeister spielen und auch das funktioniert relativ gut nach einer kleinen Eingewöhnungszeit. In Sachen Steuerung kann man wie so oft bei den „Super Mario“-Spielen eh nicht meckern. Diese reagiert ohne Verzögerung und so sind präzise Sprünge möglich.

 

FAZIT: Ein Kindheitstraum!

 

„Super Mario Maker 2“ ist ein weiteres großes Spiel für die Nintendo Switch und zeigt auf beeindruckende Weise wie Nintendo den Umgang mit seinen Marken mittlerweile wieder versteht. Für viele Spielerinnen und Spieler wird hier vermutlich ein Kindheitstraum wahr, denn wer wollte damals nicht gerne auch mal ein selbsterstelltes Level in „Super Mario“ spielen? 

Gut, der Story-Modus ist wohl eingebaut worden, dass auch Spieler ohne Switch Online-Mitgliedschaft etwas zu spielen haben, aber auch dieser führt dem User viele Mechanismen auf kreative Art und Weise vor und sorgt so vielleicht für den ein oder anderen kreativen Motivationsschub.  Gar nicht mal so unklug...

Das Highlight ist und bleibt aber der tolle Editor, den man unbedingt noch mit weiteren Settings wie zum Beispiel aus „Super Mario Bros. 2“ ergänzen sollte und der zu allerlei kuriosen Kreationen einlädt. Hat man nicht selber die nötige Kreativität kann man sich auch einfach an den unglaublichen Level erfreuen, die schon wenige Tage nach Release online gestellt wurden. Echt Wahnsinn! So werden Sequenzen aus „Super Mario Sunshine“ nachgebaut, in einem Level müsst ihr mit den On/Off-Schaltern Blockreihen manipulieren oder ihr lauft ohne stehen zu bleiben bis zum Ende durch und weicht gefährlichen Geschossen aus.