The Sinking City [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 28.06.2019 um 10:24

 

Horror mit Fischen

 

Die Horror- und Gruselgeschichten von H.P. Lovecraft sind schon etwas ganz Besonderes, denn der Autor aus Providence hat sich ein unglaubliches Universum erschaffen in dem es allerlei schreckenerregende und mysteriöse Kreaturen wie Cthulhu gibt.

Daher verwundert es auch nicht, dass seine Werke schon immer als Vorlagen für Comics, Filme oder Videospiele dienten oder diese stark in ihrem Artstyle beeinflussten. Eines der prominentesten Werke unter den Games ist hier sicherlich „Bloodborne“, das sich bei allerlei Wesen und Ortschaften an Lovecrafts Werken bediente. 

Aber auch direkte Umsetzungen wie „Call of Cthulhu“ gab es in den vergangenen Jahren, ganz aktuell erscheint mit „The Sinking City“ ein weiterer Titel, der den Lovecraft’schen Horror als Zugpferd nimmt.

Das Spiel wurde von Frogware Studios entwickelt, die sich vor allem durch ihre mehrteilige „Sherlock Holmes“-Reihe einen Namen gemacht haben. Wie sich deren neuestes Projekt im Horror-Genre schlägt, lest ihr in unserem Test.

 

Die sind doch alle verrückt!

 

In der Rolle des Privatdetektivs Charles W. Reed kommt ihr in das Städtchen Oakmont, das erst kürzlich von einer starken Überschwemmung heimgesucht wurde. Seitdem sind nicht nur große Teile der Stadt nur noch per Boot zu erreichen, auch die Bewohner verhalten sich seitdem seltsam. Hinzu kommt, dass verschwundene Personen vom Festland in Oakmont wieder aus dem Nichts auftauchen, aber auch nicht mehr die Alten zu sein scheinen.

Zusätzlich zu den Problemen der Stadt kämpft Charles aber auch noch mit den eigenen, dunklen Geistern, denn er wird von Visionen geplagt. Auf Einladung eines Einwohners der Stadt erhofft er sich hier Fragen auf seine Antworten, muss aber allerlei Gefälligkeiten für die Bewohner Oakmonts erledigen, um an diese zu gelangen.

 

 

Schießen und ermitteln

 

Bei „The Sinking City“ handelt es sich vorwiegend um ein Adventure in der Thirdperson-Ansicht mit gelegentlichen Action-Einlagen. Ein klassischer Fall beginnt mit der Befragung der Beteiligten und einer Inspektion des Tatorts. Die Infos werden dann in eurer Fallmappe abgespeichert und können so jederzeit wieder aufgerufen werden. 

Am Tatort können nicht nur Beweise sicher gestellt werden, durch eure übernatürliche Fähigkeit, dem inneren Auge, könnt ihr außerdem den Tathergang rekonstruieren oder verfolgt eine übernatürliche Spur zu einer Geheimwand oder dem versteckten Opfer.

Durch die Retrokognition seht ihr also in der Zeit zurück und müsst die – meist drei – Geschehnisse in der richtigen Reihenfolge anordnen.

Ein weiteres Feature zur Ermittlung ist die Gedankenspiel-Funktion, in der ihr bestimmte Hinweise miteinander kombinieren müsst und somit weitere Vorgehensweisen aufdecken könnt. Kommt man mit einfachen Hinweisen nicht mehr klar, kann man in den Archiven der Polizei oder der Stadt nach weiteren Details suchen.

Doch häufig hilft euch nicht nur euer Köpfchen weiter, manchmal muss man bleihaltiger argumentieren. Denn es gibt in Oakmont auch unfreundliche Gesellen, aber auch widerliche Monster, die an goldene „Silent Hill“-Zeiten erinnern und euch gerne tot sehen würden. Gegen diese könnt ihr euch entweder mit Fallen zur Wehr setzen oder ihr greift auf euer Waffenarsenal zurück. Doch die Munition ist immer relativ knapp und sollte daher mit Bedacht eingesetzt werden. Häufig ist die Flucht ein angemesseneres Mittel.

 

 Craften, Tauchen, Heilen

 

So viel zum Haupt-Gameplay von „The Sinking City“, doch das Spiel bietet auch weiterhin einige Inhalte. Die aus gelösten Fällen und erledigten Feinde gewonnenen Erfahrungspunkte könnt ihr in die drei Bereiche Körper, Geist und Kampf investieren und somit euren Charles nach und nach etwas wehrhafter und widerstandsfähiger machen. Das ist auch dringend nötig, denn gerade zu Beginn kann unser Privatdetektiv relativ wenig einstecken.

In den sieben Bezirken findet ihr außerdem recht viel Crafting-Material aus dem ihr euch neue Munition, Fallen oder Medi-Kits bzw. Medizin herstellt. Letztere kuriert euren psychischen Zustand, da dieser durch zu langes Nutzen des inneren Auges sehr leidet. Dies äußert sich in verstörenden Visionen eines erhängten Charles, blutiger Kreaturen oder verrückter Menschen. Creepy!

Während ihr euch in Oakmont hauptsächlich zu Fuß oder per Boot von A nach B bewegt, könnt ihr außerdem hilfreiche und zeitsparende Schnellreise-Punkte freispielen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Weiterhin gibt es viele Nebenmissionen zu erledigen und auch unter die Wasseroberfläche gelangt man in Form der Tauchgänge ab und zu.

 

 

Technik wie 1920!

 

„The Sinking City“ spielt zu Beginn des 20.Jahrhunderts und dort würde man auch die Ursprünge der Grafik-Engine des Spiels vermuten. Sieht das Spiel auf Screenshots oder in ruhigen Momenten recht gut aus, offenbart sich das Grauen in der Bewegung.

So viel Tearing und Pop-Ups(hier vor allem im Bereich der NPCs) hat man schon lange nicht mehr gesehen. Das Zerreißen des Bildes wird immer schlimmer umso mehr um einen herum los ist, auch die schwammige Steuerung und die steifen Animationen wirken wie aus den 90ern.

Das Aufrufen des Menüs über das Touchpad der PS4 dauert häufig recht lange und nervt, wenn man nur schnell in der Fallmappe etwas nachlesen muss. Die schon erwähnte, schwammige Steuerung fällt bei der normalen Ermittlungsarbeit nicht unbedingt auf, zum Horror wird diese aber bei den Schießereien. Vor allem schnellere Gegner sind kaum zu erfassen, das miese Trefferfeedback lässt einen außerdem im unklaren, ob man nun getroffen hat oder nicht.

Dafür ist die deutsche Vertonung recht gelungen, auch wenn der englische O-Ton natürlich etwas atmosphärischer ist. Generell muss man „The Sinking City“ für seinen Artstyle loben. Oakmont ist nämlich herrlich düster und grauenvoll. Ob dies die Muschel-bewachsenen Mauern, die Fischkadaver oder die zerfallenen Gebäude sind...hier ist das Spiel wirklich toll.

 

FAZIT: Das hatten wir doch schon mal!

 

„The Sinking City“ erinnert ganz stark an ein Spiel aus dem letzten Jahr, welches ähnliche Probleme hatte. Die Rede ist von Dontnods „Vampyr“, welches in Sachen Stimmung und Atmosphäre großes Gaming-Kino war, bei dem die maue Technik aber häufiger einen Strich durch die Rechnung machte.

Und das gleiche Problem herrscht hier auch bei „The Sinking City“. Von Minuten 1 an bläst einen die Atmosphäre den Regen und den Wind von Oakmont ins Gesicht und man ist sofort drin in der düstern Story um beängstigende Neuankömmlinge, andersartige Familienclans und merkwürdige Wesen aus dem Meer. Auch das Gameplay muss man loben, denn das Spiel verlangt in vielen Momenten das eigenständige Denken und verzichtet auf zu viel Hilfestellung bei den Ermittlungen. Auch wenn dort viel nach dem Trial & Error-Prinzip funktioniert...

Doch die liebe Technik lässt einen so zusammenzucken wie beim ersten Feindkontakt. Es ist einfach schade, dass das Spiel so unrund läuft. Egal ob fehlendes Treffer-Feedback, langes Laden des Menüs oder das grässliche Tearing, diese Punkte kosten dem Spiel einiges an Qualität. Getestet haben wir „The Sinking City“ auf einer regulären PS4, vielleicht haben PS4 Pro und Xbox One X weniger Probleme mit dem Titel.