Contra Anniversary Collection [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.06.2019 um 14:16

 

Rambo oder Roboter?

 

Die „Contra“-Reihe gehört sicherlich zu einem der namhaftesten Titel des Unternehmens Konami, wurde aber in den vergangenen Jahren sträflich ignoriert. Sicherlich lag dies nicht am zeitlosen Run’n Gun-Gameplay, sondern auch daran, dass einige der letzten „Contra“-Spiele qualitativ auch nicht mehr ganz mit den Hits aus SNES-Zeiten mithalten konnten. 

Zu dieser Zeit war es auch als die Reihe im Westen noch unter dem Titel „Probotector“ lief, da man die Söldner-Sprites der japanischen Fassung gegen Roboter austauschte. Dies hatte nicht nur Jugendschutzgründe, auch die damalige Iran-Contra-Affäre in den USA trug wohl zur Namensänderung bei.

Nun hat Konami den ersten Spielen mit „Contra Anniversary Collection“ eine beträchtliche Sammlung spendiert, die euch gleich aus zehn Titeln auswählen lässt. Welche weiteren Extras und Emulationskniffs man diesen spendierte, lest ihr in unserem Test.

 

Die Qual der Wahl

 

Wie auch schon bei der Vampirjäger-Kollektion präsentiert sich diese Sammlung vor allem wieder voller Titel aus den 80er und 90er Jahren. Neben den beiden Arcade-Spielen „Contra“ und „Super Contra“ findet ihr dessen beide NES-Umsetzungen im Hauptmenü.
Der Erstling ist sogar als NES- und Famicom-Version enthalten, da sich diese vor allem in technischer Hinsicht unterscheiden. Die japanische Fassung glänzt nämlich mit allerlei Grafikeffekten wie einem Schneesturm. Während mit „Operation C“ auch wieder ein Gameboy-Spiel enthalten ist, sind die beiden SNES- und Mega Drive-„Contra“ in der Originalversion mit Söldner, aber auch in der westlichen „Probotector“-Fassung spielbar.

Auch hier bietet man dem Spieler wieder ein digitales Büchlein, das diesmal aber nur einen kleinen Anteil an Grafiken und Bildern bietet. Der Hauptteil beschränkt sich auf Interviews und die Unterschiede zwischen den verschiedenen „Contra“- und „Probotector“-Versionen.

 

 

Schießen, springen – repeat – schießen, springen – repeat

 

Das Gameplay von „Contra“ bzw. „Probotector“ erklärt sich in nur wenigen Sätzen. Mit eurem Protagonisten lauft ihr entweder von links nach rechts oder von vorne nach hinten durch Dschungel, Endzeit-Stadt oder unterirdische Bunker und ballert was das Pad hergibt. Das ist alleine oder zu zweit möglich.

Während es in den ersten Teilen lediglich zwei Buttons braucht, nämlich zum Springen und Schießen, hat man ab dem SNES-Spiel zumindest noch eine Taste für eine Smartbomb. Eure Waffe könnt ihr verbessern indem ihr die fliegenden Items in den Level abballert und kommt somit in den Genuss einer Laserwaffe oder einer streuenden Shotgun.

Der Großteil der Level findet in der klassischen 2D-Seitenansicht statt, es gibt aber auch Welten aus der Draufsicht oder einem Pseudo-3D bei dem ihr in den Bildschirm hineinlauft. In „Contra: Hard Corps“, dem Mega Drive-Ableger, habt ihr außerdem erstmals die Möglichkeit aus unterschiedlichen Charakteren zu wählen, die verschiedene Fähigkeiten haben.

 

 

Pixelpracht

 

Bereits der Vergleich des ersten Arcade-„Contra“ mit der NES-Umsetzung macht es klar. Technisch und optisch waren die Spiele auf ihrer jeweiligen Plattform schon immer große Klasse. So präsentieren sich die Titel in einer detaillierten Optik, laufen flüssig und treiben den Spieler mit ihrem tollen Sound zu Höchstleistungen an.

Egal ob die beiden NES-Titel, das mit Mode7-Effekten angereicherte „Super Probotector“ oder das optisch schrillere „Contra: Hard Corps“, wieder einmal hat M2 eine perfekte Emulationsarbeit geleistet. Letzterer Titel hat sogar eine 50Hz/60Hz-Option, aber Achtung: die NTSC-Fassung ist rasend schnell und somit ein ganzes Stück härter.

Wie auch schon bei der „Castlevania“-Sammlung kann man beim Spielen durch Druck auf L2 wieder ein Menü aufrufen, das euch speichern, verschiedenen Rahmen und die Bildoptionen einstellen lässt. Auch hier gibt es wieder eine 4:3-, 16:9- oder Pixel Perfect-Option. Weiterhin kann man Scanlines dazuschalten oder bei den Arcade-Spielen sogar das Bild hochkant drehen.

 

FAZIT: Lohnenswerte Retro-Ballerei

 

Die „Contra“- bzw. „Probotector“-Spiele sind großes Videospiel-Kino und wurden mit dieser Jubiläums-Edition endlich in einer vernünftigen Weise neu aufgelegt. Zwar sind die Spiele heutzutage gefühlt noch einmal eine ganze Ecke härter – Stichwort: One Hit-Kill – dennoch motivieren sie mit ihrem flotten Gameplay und den genialen Designs der Gegner das Level bis zum Ende zu spielen.

Auch hier hätten wir uns aber zumindest den DS-Ableger „Contra 4“ noch gewünscht, aber gegen eine zweite „Contra“-Sammlung hätten wir natürlich auch Nichts auszusetzen. 

Kleiner Kritikpunkt ist das digitale Bonus-Büchlein, denn hier wären mehr Design und Konzeptbilder cool gewesen. Gerade zu „Probotector“ gibt es doch einige, wunderschöne Motive, die damals die Videospiel-Zeitschriften geziert haben. Für den Preis von knapp 20,-€ kann man nicht meckern und jeder, der sich nur annähernd für Retro-Spiele erwärmen kann, sollte zugreifen. Hier bekommt man nämlich ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis geboten.