Nippon Connection 2019 - Klein-Japan in Frankfurt

Verfasst von Christian Suessmeier am 05.06.2019 um 13:09

 

Zum neunzehnten Mal jährte sich heuer die Nippon Connection in Frankfurt, eines der größten Festivals für den japanischen Film. Auch wir waren in diesem Jahr vor Ort und haben uns zahlreiche Filme angeschaut, uns durch die Köstlichkeiten vor Ort gefuttert und die schöne Stimmung aufgesaugt.

Während das Festival bereits am Dienstag, den 28.Mai, mit dem Film „Marriage Hunting Beauty“ startete, ging es für uns erst am Mittwoch so richtig los. Zu später Stunde lief nämlich Takahisa Zezes 189 Minuten–Monster „The Chrysanthemum and the Guillotine“, der mit den Themen Frauen-Sumo und Anarchisten zwar recht spannend klang, aber wirklich anstrengend war. Lag wohl aber auch an der Uhrzeit, denn der Film endete dann letztlich um kurz nach ein Uhr in der Nacht.

 

 

Am Donnerstag standen gleich drei Filme auf dem Programm für uns und mit „We are Little Zombies“ sollte gleich am Vormittag eines der echten Festival-Highlights auf uns warten. Das sympathische  Werk von Makoto Nagahisa hatte zwar einen recht tragischen Aufhänger mit den vier Waisenkindern, die erst kürzlich allesamt ihre Eltern verloren, aber konnte das Publikum mit einem tollen Humor und herrlichen Verweisen auf die japanische Popkultur begeistern. So wurde ein Großteil der Handlung mit Chiptunes und Pixelgrafiken begleitet, außerdem gab es sehr viele Verweise auf japanische Videospiele.

Nachdem es am Nachmittag einen spannenden Vortrag von Buchautor Tom Mes über die „Lone Wolf & Cub“-Reihe zu hören gab, wartete mit „Inuyashiki“ schon der nächste Film auf uns. Die Realverfilmung des gleichnamigen Mangas konnte mit ihren tollen Actionszenen überzeugen und hob sich mit dem alten Herren, der plötzlich Superkräfte entwickelt hat, positiv ab. Kein Wunder, hier war der „Gantz“- und „I am a Hero“-Regisseur Shinsuke Sato am Werk.

Ein echtes Highlight wartete aber am späten Abend noch auf die Besucher des Festivals, denn in Anwesenheit von Shinya Tsukamoto wurde dessen Kultfilm „Tetsuo- The Iron Man“ gezeigt. Was für ein Spektakel! 

 

 

Nach dem großen Film-Overkill am Vortag wollten wir es am Freitag etwas ruhiger angehen lassen und somit stand mit „Dare to Stop Us“ nur ein Film auf dem Programm. Das Werk von Kazuya Shiraishi befasste sich mit dem japanischen Pinku Eiga-Kino der 1970er und mit dem Regisseur Koji Wakamatsu und seinem Team. Der Zuschauer verfolgt dessen Entwicklung in der Rolle von Megumi, die das Filmhandwerk von der Pieke auf lernen will. Neben allerlei Verweisen auf die damalige Zeit des Kinos gibt es auch viele gesellschaftlich relevante Themen wie die japanische Rote Armee oder die Konflikte in Palästina.

Passend hierfür gab es am Abend noch einen informativen Vortrag von Dr. Alexander Zahlten über die Bedeutung des japanischen Films der 1970er und wie sich diese auf die kommenden Generationen auswirkten. Spannend!

 

An unserem letzten Festivaltag liefen zwar so viele Filme, dass man die komplette Zeit im großen Saal des Mousonturms hätte verbringen können, aber so ein 12 Stunden Film-Marathon ist dann doch zu anstrengend und kräftezehrend. Außerdem gab es leider für einige Vorführungen schlicht keine Karten mehr. Also standen nur noch zwei Filme auf dem Plan, darunter der Anime „Penguin Highway“ von Hiroyasu Ishida und „Room Laundering“ von Kenji Katagiri.

Ersterer war ein unterhaltsamer Zweistunden-Spaß über plötzlich auftauchende Pinguine und den Jungen, der das Rätsel dahinter lösen will. Basierend auf einem Buch hat Ishida-san hier ein kurzweiliges Abenteuer mit einer schönen Optik geschaffen.

„Room Laundering“ konnte vor allem mit seiner wunderschönen Hauptdarstellerin Elaiza Ikeda glänzen, aber auch die humorvoll angereicherte Geistergeschichte hatte ihre Momente und war ein gelungener Festival-Abschluss für uns.

 

 

Im Rahmen der Nippon Connection waren zahlreiche Filmschaffende eingeladen, darunter z.B. Kiyohiko Shibukawa oder eben der schon genannte Shinya Tsukamoto. Dieser erhielt übrigens den Nippon Honor Award und war mehrere Male auf der Bühne zu sehen wo er den Fragen der Zuschauer Rede und Antwort stand. Generell hatte man häufig die Möglichkeit einem Q&A beizuwohnen und Fragen zu den Filmen oder den Dreharbeiten zu stellen. Den begehrten Nippon Cinema Award, den die Zuschauer anhand von Abstimmungszetteln ermitteln, gewann dann übrigens „Fly me to the Saitama“ von Hideki Takeuchi. 

Doch neben all den Filmen waren auf der Nippon Connection noch zahlreiche andere spannende Dinge zu sehen und zu erleben. So gab es viele Essensstände, die mit Leckereien wie Sushi, Takoyaki(Oktopusbällchen) oder Ramen(Nudelsuppen) gelockt haben. Weiterhin konnte man sich die Zeit zwischen den Filmen mit einer Fotoausstellung, in der Gamesecke oder einer kurzen Pause an den gemütlichen Plätzen in der Naxoshalle oder dem Mousonturm vertreiben.

Neben den beiden genannten Örtlichkeiten gab es auch weitere Veranstaltungsorte wie das Mal seh’n Kino oder dem Kino des Deutschen Filmmuseums. Weiterhin gab es mehrere Konzerte, Vorträge und Events, so dass man sich am besten klonen lässt, um im nächsten Jahr alles mitnehmen zu können. Stichwort „nächstes Jahr“: die Nippon Connection 2020 findet vom 09. bis 14.Juni 2020. Vielleicht konnten wir ja den ein oder anderen für euch mit diesem Bericht von einem Besuch überzeugen! Wir werden auf jeden Fall wieder da sein!