Warhammer: Chaosbane [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 03.06.2019 um 16:17

 

Vorzeige-Universum

 

Warhammer. Dieser Name steht seit nun mehr 35 Jahren für perfekte Tabletop-Unterhaltung, düstere Mittelalter-Atmosphäre und unzählige Ableger und Umsetzungen in Buch- und Gamesform. 

Das Unternehmen dahinter, Games Workshop, betreibt auch im deutschsprachigen Raum mittlerweile unzählige Shops, in denen man Regelwerke und Figuren an die Spielerschaft bringt und sich somit eine treue Fanbasis aufbaut. In regelmäßigen Abständen werden außerdem Videospiele aus dem „Warhammer“- oder dem „Warhammer 40K“-Universum veröffentlicht, welche aber häufig ordentlichen Qualitätsschwankungen unterliegen. 

Mit „Warhammer: Chaosbane“ erscheint nun in dieser Woche ein Titel, der es ganz offensichtlich mit dem Loot & Level-Meister „Diablo III“ aufnehmen will. Ob dies dem Entwickler Eko Software gelungen ist, verraten wir euch in unserem Test.

 

Die Welt steht am Abgrund

 

Im Jahr 2301 steht es um die Menschheit nicht besonders gut. Denn nachdem ein Bürgerkrieg gewütet hat, greifen nun auch noch Pest und Hunger um sich und dezimieren die Erdbevölkerung immer weiter.

Als würde das nicht schon ausreichen, will Asavar Kul die Macht ergreifen und einigt hierfür die Chaoswüsten-Clans. Doch während diese gerade die Hauptstadt des Königreichs Kislev, Praag, angreifen, stellt sich ihnen ein mutiger Mann namens Magnus samt Gefolgschaft entgegen und schlägt die feindliche Armee mit seinen Verbündeten in die Flucht. Doch der Erfolg ist nicht von langer Dauer, denn Kul will Rache und beschwört dafür mächtige Wesen herauf.

 

 

Hack’ und Schlacht’

 

Bei „Warhammer: Chaosbane“ handelt es sich um ein klassisches Hack’n Slay im „Diablo“-Format. Soll heißen, ihr steuert eure Figur in einer isometrischen Ansicht durch allerlei Dungeons, Dörfer und Schlösser und meuchelt dabei zahlreiche Gegnerhorden dahin. Das belohnt das Spiel dann mit vielfältigen Items, Gold und Erfahrungspunkten.

Doch beginnen wir von vorne: in „Warhammer: Chaosbane“ habt ihr anfangs die Wahl aus vier Charakteren. Der Imperialsoldat ist ein klassischer Krieger mit Schwert, beim Slayer handelt es sich um einen durchschlagskräftigen Zwerg und der Hochelfmagier ist - keine Überraschung - mit allerlei Zaubereien ausgestattet. Das Quartett wird von einer Waldelf-Kundschafterin komplettiert, welche eher auf den Fernkampf spezialisiert ist.

Wir entscheiden uns für die Waldelfin und starten so in das Königreich Kislev. Nachdem wir uns im Thronsaal unsere erste Aufgabe geholt haben, geht es auch schon in die Kanalisation in der wir erste Monster schlachten können.

Zunächst sind wir nur mit einem regulären Pfeilangriff ausgestattet, der aber dank hoher Schussfrequenz auch im Nahkampf ganz nützlich ist. Außerdem können wir uns mit Druck auf die L1-Taste einen Energietrank gönnen, der sich nach kurzer Zeit wieder aufgefüllt hat und somit erneut benutzen lässt.

Für jeden erledigten Gegner gibt es natürlich Erfahrungspunkte, die uns im Level aufsteigen und somit neue Fertigkeiten lernen lassen. Alle Angriffe(außer der Standardattacke auf dem X-Button) verbrauchen dabei die Spezialenergie, die ihr durch das Benutzen der regulären Attacke aber wieder auffüllen könnt. Besonderheit der Waldeflin: der kleine Schutzgeist, der immer um sie herum flattert, kann diese Energie auch auffüllen. Außerdem verfügt dieser Charakter über eine hilfreiche Ausweichrolle auf dem rechten Stick.

 

Der Elfin neue Kleider!

 

Erledigte Feinde oder geplünderte Truhen hinterlassen in vielen Fällen neue Items in Form von Kleidungsstücken, Ringen oder Waffen. Diese sind – ganz genreüblich – nach Seltenheitsgrad sortiert und verbessern eure Werte in den beiden Kategorien Angriff und Defensive unter Umständen um mehrere Prozentpunkte.

Schönes Detail hier: die angelegten Kleidungsstücke verändern auch das Aussehen eurer Figur. Natürlich findet man bei der ganzen Looterei auch Sachen, die man nicht braucht weil sie entweder von den Werten her schlechter sind oder sie nicht den gewünschten Effekt haben.

Diese kann man bei der Sammlergilde abgeben und verbessert damit seinen Ruf bei dieser. Bei jedem Stufenanstieg dessen erhält man dann besondere Items von der Gilde oder einen kurzzeitigen Bonus für XP. Im Schlafsaal könnt ihr außerdem Waffen und Kleidungsstücke zwischenlagern und diese damit auch anderen Charakteren zugänglich machen.

Während ihr euch bei den Gottfertigkeiten mit dem Einsatz von Fragmenten und Punkten dauerhaft Boni wie mehr Gesundheit oder mehr ausgeteilten Schaden sichert, könnt ihr außerdem eure einzelnen Fertigkeiten während des Spiels weiter verbessern. So wird aus dem Mehrfachschuss zum Beispiel ein Angriff mit zusätzlicher Chance auf Vergiftung der Feinde. Dennoch muss man hier auf die zu verteilenden Fertigkeitspunkte achten, die nicht überschritten werden dürfen.

 

 

Diablo IV?

 

Optisch erinnert „Warhammer: Chaosbane“ schon sehr stark an „Diablo III“ und glänzt natürlich mit aufwendigeren Effekten und Details. Die verschiedenen Welten wie zerstörte Dörfer, weitläufige Waldgebiete oder dreckige Verließe sind schön anzusehen, wiederholen sich aber  leiderviel zu häufig in Sachen Aufbau und Ausstattung und bieten wenig Interaktionsmöglichkeiten.

Die Gegner sind vielfältig und überzeugen mit dem sehr coolen „Warhammer“-Design, auch eure eigene Figur oder die NPCs sind schön detailliert gestaltet. Gleiches kann man von den Menüs sagen, die stets übersichtlich sind, die sich aber den Vergleich mit dem Genre-Vorzeigespiel gefallen lassen müssen. 

Was leider total untergeht, ist die Sounduntermalung des Spiels. Egal ob Soundeffekte oder Musik...das ist nix. Die Hintergrundmusik dudelt vor sich hin und unterstreicht nur in seltenen Momenten das Geschehen auf dem Bildschirm, ganz zu schweigen von den dünnen Soundeffekten. Während es bei „Diablo III“ nur so spratzt und hackt und kracht, dass man sich in einen wahren Rausch kämpft, herrscht hier akustische Langeweile vom Feinsten. Und das macht einen riesigen Teil der Atmosphäre einfach kaputt. Da helfen auch die tollen Sprecher mit ihrem genialen British-Englisch nicht wirklich.

Die Steuerung hingegen ist absolut gelungen und wirkt keinesfalls überbelegt, ziemlich ärgerlich sind dann aber wiederum einige Textboxen, die nicht übersetzt wurden und nur in Französisch aufploppen.

 

FAZIT: Wenn ich groß bin, werd ich Diablo!

 

„Warhammer: Chaosbane“ muss man einfach an allen Ecken und Enden mit Genre-Primus „Diablo“ vergleichen und da kann das Spiel eigentlich nur verlieren. Fans des „Warhammer“-Universums bekommen hier zwar ein ordentliches Spiel geboten, allerdings hätte ein bisschen mehr Eigenständigkeit dem Titel sicherlich gut getan. Und damit meine ich nicht das unnötige Feature mit dem Verteilen der Fertigkeitenpunkte. Das hätte man sich nämlich auch sparen können. Liegt denn nicht der Hauptspaß bei Spielen solcher Art darin, seine Figur möglichst mächtig werden zu lassen? Da stören dann diese Kompromisse und Limitierungen bei der Auswahl der Fertigkeiten schon sehr. 

Das Grundgerüst kopiert „Diablo III“ auf eine sehr gute Art und Weise und somit kann man spielerisch nicht viel meckern. Auch im Koop kann der Titel absolut überzeugen und macht Spaß. Herunterziehen lässt sich „Warhammer: Chaosbane“ aber leider durch solche Punkte wie das lahme Musik- und Sounddesign, das viel Freude von der Schlachterei nimmt.

Hinzu kommen kleinere technische Unsauberheiten wie die nicht übersetzten Texte oder gelegentliche Ruckler bei größeren Arenen. Aber das kann man sicherlich alles mit einem Patch noch ausbessern.