Surviving Mars Green Planet [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 28.05.2019 um 15:03

 

Strategische Konsolen

 

Echtzeit-Strategiespiele sind auf Konsolen meist ein zweischneidiges Schwert und leiden häufig unter der Controller-Steuerung. Doch mittlerweile gibt es auch Vorzeige-Spiele wie die „Tropico“-Reihe oder „Civilization“ auf der Switch, die die bewährte Maus & Tastatur-Steuerung der PCs gut auf die Konsolen-Plattformen umsetzen konnten.

Auch in Sachen User Interface und Anzeigeoptionen müssen die Spiele meist den TV-Standards angepasst werden und sollten auf allzu kleine und überbordende Texte verzichten.

Vor etwas über einem Jahr erschien mit „Surviving Mars“(übrigens auch von den „Tropico“-Entwicklern) mal wieder einer dieser RTS-Titel auf PlayStation4 & Co. und wurde mittlerweile mit mehreren Erweiterungen versehen. Die letzte, „Surviving Mars: Green Planet“ erschien erst vor wenigen Tagen. Um welche Funktionen das Hauptspiel dabei erweitert wird und wie sich das Spiel generell so schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Die Marsianer

 

Schon lange spricht die Menschheit davon, den roten Planeten zu bevölkern und zu einer zweiten Erde zu machen. Während dies in Filmen wie „Der Marsianer“ zwangsweise geschehen muss, passiert das in „Surviving Mars“ rein zum Zweck der Forschung und Kolonialisierung.

Dabei wählt ihr zu Beginn aus einem der Sponsoren, z.B. China, Russland oder private Unternehmen wie SpaceY und legt somit den Schwierigkeitsgrad fest. Außerdem wählt ihr ein Kommandantenprofil und stattet euch somit mit bestimmtem Start-Voraussetzungen wie zusätzlichem Geld, verbesserten Produktionsmöglichkeiten oder Bonustechnologien aus. Habt ihr euch anschließend auf ein zu erforschendes Geheimnis, ein Logo und die Spielregeln festgelegt, kann es schon los gehen und die erste Rakete bringt Drohnen samt Baumaterial auf den roten Planten.

Statt Arbeitern aus Fleisch und Blut werkeln auf dem Mars zunächst nur Drohnen für euch und bauen erste notwendige Einrichtungen. So muss zunächst Strom erzeugt werden, was durch Solarpanels oder Windräder geschieht. Doch beide haben ihre Vor- und Nachteile. Denn während letztere bei Sandstürmen zu Höchstleistungen fähig sind, fallen die Solareinheiten bei solch einer Naturkatastrophe natürlich aus. Deswegen sind Stromspeicher unerlässlich. 

Die Drohnen kümmern sich neben dem Bau von Gebäuden, dem Verlegen von Strom- und Rohrnetzen aber auch um das Lagern von Ressourcen. Diese findet ihr in Gesteinen vor Ort und könnt diese mit Hilfe von Fahrzeugen wie dem Transporter abbauen. 

 

 

Schau, die Rakete!

 

In regelmäßigen Abständen könnt ihr Raketen bzw. Spaceshuttles von der Erde anfordern, die euch entweder neues Material, Ressourcen oder Personal bringen. Hierbei seid ihr immer auf ein bestimmtes Etat und das Maximalgewicht der Rakete beschränkt, so dass ihr nicht unendlich viele Ressourcen auf den Mars schaffen könnt. Taktieren ist hier also angesagt.

Die Menschen, die auf den roten Planten kommen, müssen natürlich auch irgendwo untergebracht werden. Hierfür baut ihr große Kuppeln, in denen ihr unter einer normalen Atmosphäre Häuser, Kindergärten, Bars und Shops bauen könnt. Denn eure Kolonialisten wollen natürlich ein Leben wie auf der Erde führen. Eure Marsbewohner können aber auch unglücklich werden oder an Krankheiten und Hunger leiden. Das Rohstoff-Management nimmt gerade zu Beginn nämlich einen großen Teil des Spiels ein. Im Forschungsmenü könnt ihr verschiedene Aufträge in Arbeit geben, so dass ihr nach und nach immer weniger auf Lieferungen von der Erde angewiesen seid. Neben verbesserten Gebäuden oder effizienteren Techniken gewinnt ihr so zum Beispiel irgendwann Nahrung aus verstorbenen Kolonialisten...klingt gemein, ist aber gutes Ressourcen-Management.

Zwischen der vielen Bauerei sendet ihr Forschungsmobile aus, um das umliegende Gebiet zu erkunden und auf Anomalien zu prüfen. Außerdem werdet ihr immer wieder mit Sandstürmen oder Meteoritenhageln konfrontiert. Hin und wieder kommt es auch mal zu mysteriösen Ereignissen, so tauchte während unseres Tests ein geheimnisvoller Würfel auf. Diesen kann man dann erforschen und eventuell neue Erkenntnisse daraus gewinnen.

 

Alles so schon grün!

 

So viel zum Standard-Gameplay von „Surviving Mars“. Doch was gibt es nun Neues in der Erweiterung „Green Planet“? Das Addon beschäftig sich vor allem mit der Umwandlung des roten Plante in eine zweite Erde und ermöglicht euch mit der Terraforming-Option zunächst einmal die Gegebenheiten des Planeten anzupassen, Berge dem Erdboden gleich zu machen oder sonstige Unebenheiten auszugleichen.

Außerdem bekommt ihr Zugriff auf sieben neue Projekte wie zum Beispiel dem Erfassen von Eis-Asteroiden oder dem Abschmelzen der Polarkappen. Mit der Möglichkeit nun auch grüne Pflanzen wie Gräser und Bäume auf dem Mars anzupflanzen und somit eine Erd-ähnliche Atmosphäre zu schaffen, könnte der Traum von „Erde 2“ bald Wirklichkeit werden.

Doch wie auch auf unserem schönen Planeten kann es durch einen zu starken Eingriff des Menschen in die Natur zu Katastrophen kommen, die eure schöne Arbeit wieder vernichten. 

 

 

Keine Technik aus dem All!

 

„Surviving Mars“ merkt man schon sehr deutlich an, dass es seine Wurzeln auf dem PC hat. Zwar kann man alle relevanten Menüs mit den Controller-Tasten erreichen, das Navigieren durch diese ist aber gerade in den ersten Stunden wirklich eine Katastrophe. Ein Beispiel: um in das Verwaltungsmenü eines Gebäudes zu kommen muss man dieses zunächst anwählen. Häufig springt hier der Cursor erst einmal auf ein benachbartes Gebäude oder einen Lagerplatz bevor man sein eigentliches Ziel erreicht. Durch den Druck auf R2gelangt man dann in das Verwaltungsmenü, in dem man dann wieder mit dem Digikreuz navigiert. Glücklicherweise hat man sich bei häufig genutzten Objekten wie dem Spaceshuttle immerhin für ein paar Shortcuts entschieden, so dass man diese recht schnell starten kann.

Die Optik von „Surviving Mars“ ist recht schön und man kann sehr nah an das Geschehen und die einzelnen Marsbewohner heranzoomen, die Menüs haben ein angenehmes Space-Design. Trotzdem sind sie unübersichtlich, was vor allem an den ständig aufploppenden Textboxen liegt. Gerade das Forschungsmenü ist hier das beste Beispiel für Unübersichtlichkeit. 

Kleine Ärgernisse wie die stotternde Musik während den Ladezeiten oder das Anhalten des Spiels zum Zwischenspeichern kann man verzeihen, lassen das Spiel aber recht unpoliert wirken. Von dem Mauszeiger oben links in der Anfangssequenz, die die Entwicklerlogos zeigt, wollen wir jetzt mal nichts verraten.

 

FAZIT: Spaß auf dem Mars!

 

„Surviving Mars“ ist definitiv ein sehr unterhaltsames Strategiespiel, das einige tolle Details und viel Tiefgang bietet. Aber den Einstieg macht es einem nicht leicht. Denn man ist ja in den Anfangsstunden nicht nur mit den vielen Infos über nötige Bauten und Vorgehensweisen beschäftigt, nebenbei bricht einem die Steuerung ja auch noch die Finger und so hat man ganz schnell einen Knoten im Hirn.

Dank der entspannten Atmosphäre des Spiels und der schönen Musik kann man hier – nach der Einarbeitungszeit – ganz gut abschalten, bis es aber mal soweit ist, vergehen ein paar Stunden. 

Der Einstieg wird zusätzlich nämlich noch durch fehlende Hinweise erschwert, so wartete ich einmal minutenlang, dass meine Drohnen wieder etwas machten. Keinerlei Eingabe half bis ich merkte, dass die Lager für die Ressourcen voll sind. So häufig das Spiel den User auf etwas aufmerksam macht, das hat es mir nicht mitgeteilt. Mal ganz abgesehen von den fehlerhaften Tutorials. Das Zweite scheiterte während unseres Tests dreimal, da es einfach nicht weiterging mit den Aufgaben. 

Die Erweiterung „Green Planet“ bringt einige spaßige Zusätze in das Spiel und treibt das Thema Kolonialisierung des Mars auf die Spitze. Somit kann sich jeder nun seine eigene, zweite Erde bauen. Da es sich hier offiziell um einen Test eines Addons handelt, gibt es keine Wertung dazu. Das Grundspiel hat sich aber locker 7,5 von 10 Punkten verdient.