Castlevania Anniversary Edition [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 26.05.2019 um 12:10

 

Ein Traditionsunternehmen entdeckt sich wieder

 

Konami(übersetzt übrigens „kleine Welle“) gehörte in den 80er und 90er Jahren zu einem der besten Software-Unternehmen im Videospiel-Business. Marken wie „Castlevania“, „Contra“ oder „Gradius“ sorgten auf NES & Co. für grandiosen Spielspaß, spätestens auf der PlayStation ließ man dann aber mit „Silent Hill“ oder „Metal Gear Solid“ so richtig die Muskeln spielen.

Umso unverständlicher ist die Entwicklung, die der Konzern aus Tokyo in den letzten zehn Jahren genommen hat. Denn neben „Pro Evolution Soccer“ und „Yu-Gi-Oh“ ging nicht mehr viel und als man sich dann auch noch mit „Metal Gear“-Schöpfer Hideo Kojima überworfen hatte, fürchtete man das Schlimmste um Konami. Von den Pachinko-Automaten zu beliebten Spiele-Reihen oder „Metal Gear Survive“ ganz zu schweigen...

Doch bei Konami scheint sich was zu tun und so langsam besinnt man sich wohl mal wieder auf die guten alten Zeiten. Zwar gibt es immer noch keine Ankündigungen zu großen Spielen, aber mit einigen Anniversary-Editionen feiert man zumindest seine früheren Erfolge. Neben der Arcade-Sammlung und einer kommenden Contra-Version hat man nun „Castlevania Anniversary Collection“ veröffentlicht.  

 

 

Es war einmal ein Vampirjäger...

 

In dieser Spielesammlung finden sich acht Titel rund um die Vampir-Saga von Konami, die zwischen den Jahren 1986 und 1994 erschienen sind. Während es sage und schreibe vier NES-Titel, nämlich „Castelevania“, „Castlevania II: Simon’s Quest“, „Castlevania III: Dracula’s Course“ und „Kid Dracula“ in die Kollektion geschafft haben, gibt es mit „Super Castlevania IV“ nur einen SNES-Vertreter. Weiterhin kann man zwischen dem Mega Drive-Titel „Castlevania: The New Generation“ und den ersten beiden Game Boy-„Castlevanias“ wählen.

Als kleinen Bonus gibt es ein digitales Buch in dem es allerlei Skizzen und Bilder aus Konamis Archiven zu den spielbaren Titeln gibt. Dank einer Zoom-Funktion kann man sich die Sachen auch genauer anschauen, im Detail wirken einige Inhalte jedoch leider sehr verpixelt. 

Für die Spiele selber stehen auch einige Optionen bereit, die man so schon von anderen Emulatoren oder Retrokonsolen kennt. So entscheidet ihr euch für einen von drei Rahmen oder wählt aus mehreren Darstellungsoptionen aus. Neben dem regulären 4:3-Bild könnt ihr auch einen Pixelperfect-Modus auswählen, Schänder des digitalen Erbes quetschen das Bild auf 16:9. Dank Scanlines erhält das Bild einen Röhrenbildschirm-Effekt, wirkt aber leider recht dunkel. Dieses Menü erreicht ihr über einen Druck auf L2, dort könnt ihr auch abspeichern oder zurück zur Titelauswahl.

 

Peitsche, Herz und kein Zylinder

 

Das Gameplay von „Castlevania“ sollte eigentlich jedem bekannt sein, daher gibt es hier einen Schnellüberblick über die Grundlagen der Spiele. In einer 2D-Seitenansicht kämpft ihr euch in der Rolle eines Vampirjägers(meist aus der Belmont-Dynastie) von links nach rechts durch allerlei Monster und Untote. Zur Wehr setzt ihr euch dabei mit einer Peitsche und einer Sekundärwaffe wie Weihwasser oder Wurfäxten.

Im Gegensatz zu späteren Titeln wie „Symphony of the Night“, die das Metroidvania-Genre ins Leben riefen, läuft das Spielgeschehen hier recht linear und ohne Backtracking oder das Erlernen neuer Fähigkeiten ab. Während Titel wie „Castlevania II“ auf dem NES zwar ein paar RPG-Elemente einbauten, sind das relativ klassische Action-Spiele mit Jump’n Run-Einlagen.

Zwei Ausnahmen gibt es jedoch. Denn während man in dem Mega Drive-Spiel die Auswahl aus zwei Charakteren hat und sich diese in ihrem Kampfstil unterscheiden, ist „Kid Dracula“ das krasse Gegenteil zu den anderen Titeln. Denn der junge Vampir-Graf hüpft sich hier durch ein wesentlich kindgerechteres und buntes Setting, außerdem setzt er auf Schussprojektile und nicht auf eine Peitsche als Waffe.

 

 

Retro-Charme in Bild und Ton

 

Die Emulation der „Castlevania“-Spiele ist wirklich gelungen. Das Bild sieht vor allem ohne das Zuschalten der Scanlines knackig scharf aus und kann somit mit Referenzen wie dem SNES Mini locker mithalten. Während man so bei den NES-Titeln mit dem bekannten Sprite-Flackern „leben muss“, präsentiert sich auch die Optik der Game Boy-Spiele in bekanntem Grau bzw. Grün(hier kann man jedoch einige Farboptionen ähnlich dem Super Game Boy zuschalten). Etwas spendabler hätte man bei der Auswahl der Rahmen sein können, denn genug coole „Castlevania“-Artworks hätte es sicherlich gegeben.  

Wer etwas für Retro-Musik und Chiptunes übrig hat, dem wird „Castlevania Anniversary Collection“ ein Fest sein. Denn die Serie ist bekannt für ihre ikonische und kultige Musik und es ist immer wieder eine Freude, die bekannten Melodien zu hören. Richtig toll! 

 

FAZIT: Lohnenswerte Sammlung mit ein paar lockeren Fangzähnen

 

„Castlevania Anniversary Collection“ bietet einen guten Überblick über die erfolgreichen ersten Jahre der Vampirjäger-Reihe. Sicherlich vermisst man hier vor allem Spiele wie die grandiosen Game Boy Advance-Ableger oder eben das kultige „Symphony of the Night“, aber vielleicht setzt man ja noch einige Kollektionen ab, wenn die vorliegende erfolgreich ist.

Über die Emulation der Spiele kann man nicht unbedingt meckern, dank zahlreicher Darstellungsoptionen sollte hier jeder fündig werden. Sicherlich sind die Spiele heute teilweise aber nur noch sehr schwer zugänglich. Moderne Spiele wie das Mega Drive- oder das SNES-„Castlevania“ spielen sich recht gut, schwierig wird es bei den sehr langsamen Game Boy-Ablegern, die unglaublich träge wirken.

Eine kleine Überraschung ist definitiv „Kid Dracula“, welches zwar in Sachen Gameplay ganz andere Wege als die Hauptserie geht, aber mit einem spaßigen Design und kurzweiliger Jump’n Shoot-Mechanik überzeugt. Konami, bitte mehr davon, denn ihr habt noch einige tolle Sachen in eurem Giftschrank!