Mortal Kombat 11 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 02.05.2019 um 15:19

 

Der blutige Anfang

 

Zu Beginn der 1990er kamen alle relevanten und guten Prügelspiele aus dem Land der aufgehenden Sonne. Egal ob Capcom mit „Street Fighter II“ oder SNK mit seinen zahlreichen Arcade-Hits, aus dem Westen konnte kaum ein Studio dieser Qualität etwas entgegensetzen. Doch im Jahr 1992 betrat Midway mit „Mortal Kombat“ die Kampfarena und sorgte vor allem dank ultrabrutaler Finishing Moves für Aufsehen. 

Auch die Optik mit ihren digitalisierten Kämpferinnen und Kämpfern und das sehr düstere Setting waren für damalige Verhältnisse eher ungewöhnlich. Was folgte waren unzählige Skandale(u.a. Beschlagnahmungen in Deutschland), mehrere Live Action-Filme und unzählige Nachfolger, die mal mehr und mal weniger hochwertig waren.

Spätestens mit „Mortal Kombat“ aus dem Jahr 2011 konnte man wieder die breite Masse erreichen, das 2015 erschienene „Mortal Kombat X“ war dann sicherlich der beste Teil der Reihe. 

Nun wollen die NetherRealm Studios mit „Mortal Kombat 11“ an den Erfolg anknüpfen und bauen hierfür allerlei Inhalte aus dem sehr überzeugenden „Injustice 2“ ein. Ob man somit ein überzeugendes Komplettpaket geschnürt hat, lest ihr in unserem Test.

 

Back in time!

 

Die Story von „Mortal Kombat 11“ kann in der 12 Kapitel umfassenden und ca. drei Stunden andauernden Kampagne nachgespielt werden. Hierfür schlüpft ihr vor allem in die Rollen von Cassie Cage, Raiden, Scorpion oder Jade und müsst verhindern, dass die böswillige Kronika mit Hilfe ihrer Zeitmanipulation den Sieg über das Böse aus Teil 10 wieder rückgängig macht.

Hierbei trefft ihr auf allerlei Alter Egos aus anderen Zeitepochen, so dass zum Beispiel Cassie Cage auf ihre Mutter, Sonya Blade, in jungen Jahren trifft. Und auch ein 90er Jahre Johnny Cage darf da natürlich nicht seinen Auftritt verpassen.

Alles in allem ist die Geschichte mit sehr vielen und teils recht langen Zwischensequenzen erzählt, in manchen Kapiteln kann man die zu spielende Figur selber wählen.

 

 

Vorne, unten, Punch, Kick, Punch

 

Das Kampfsystem von „Mortal Kombat 11“ ist recht einfach. So gibt es je zwei Buttons für Schläge und zwei Tasten für Tritte. Hierbei unterscheidet das Spiel zwischen Front- und Back-Attacken, je nachdem wie euer Kämpfer gerade steht(mit dem Rücken zum Spieler oder eben der Front). Weiterhin gibt es einen Button zum Blocken und einen zum Greifen. Das war schon der ganze Zauber! In Kombination mit den Richtungstasten könnt ihr so ordentlich austeilen und dem Gegner eine Kombo nach der anderen um die Ohren hauen.

Doch warum spielt man „Mortal Kombat“ eigentlich? Genau, wegen den Fatalities. Diese Finishing Moves sind mal wieder in Sachen Brutalität kaum zu übertreffen, dabei aber eben so comichaft überzeichnet, dass man eher an einen Fun-Splatterfilm erinnert wird als an einen knallharten Gorestreifen. Da werden Häuter von Gesichtern abgezogen, es werden Organe entnommen, Gehirne gegessen und Gegner gegrillt bis der letzte Tropfen Blut vergossen ist. Der Wahnsinn! Auch die Brutalities gehen in eine ähnliche Richtung, sind aber bei weitem nicht so ausführlich und explizit dargestellt wie die Fatalitites.

Wie in „Injustice 2“ könnt ihr während eurer Duelle auf interaktive Objekte in den Stages zurückgreifen und schleudert eurem Gegner so eine brennende Schale entgegen oder rammt ihm einen Bohrer in den Kopf.

Ist eure Lebensleiste auf unter 30% gesunken, könnt ihr mit Druck auf R2 und L2 den Fatal Blow starten, in dem euer Feind auch wieder auf besonders kreative Art und Weise von euch verprügelt, gebraten oder aufgespießt wird.  Dieser Fatal Blow ist aber nur einmal pro Kampf einsetzbar, kann aber spielentscheidend sein.

 

Hoch auf den Turm oder tief in die Krypta?

 

In Sachen Modi präsentiert sich „Mortal Kombat 11“ recht umfangreich. Neben klassischen Duellen im 1v1 oder gegen den CPU dürft ihr euer Können in vielfältigen Tutorials verbessern oder ihr startet einen der Türme, die verschiedene Spielarten wie Survival oder Arcade bieten. Außerdem bietet man mit den Türmen der Zeit einen Herausforderungsmodus an, der die verschiedenen Challenges zeitlich begrenzt und ordentlich bei deren Meistern entlohnt.

Auch für Freunde von Online-Unterhaltung ist einiges geboten. So kann man nicht nur gegen Menschen aus Fleisch und Blut antreten, sondern auch ein Team aus drei Kämpferinnen und Kämpfern in CPU-Duellen antreten lassen. Diese verbessern nach und nach ihre Werte und werden so stärker und besser.  

Die Krypta gibt es in dieser Form schon seit einigen Teilen, nun wurde dieser Modus aber etwas aufgehübscht. Hat man sonst die Figur aus der Egoansicht gespielt, darf man hier nun in der Thirdperson-Perspektive durch die Tempel und Höllen schlendern. Dabei öffnet man Truhen mit den erspielten Koins oder einer der anderen beiden Währungen und löst das ein oder andere Rätsel. Neben zusätzlichen Outfits, Fatalities oder Skizzen zur Entstehung des Spiels schaltet ihr hier außerdem allerlei Objekte für die Individualisierung eurer Kämpferinnen und Kämpfer frei und lernt etwas über das titelgebende Turnier.

 

Anzieh-Kämpferchen

 

Die insgesamt 24 Kämpfer und Kämpferinnen(plus einem zukaufbaren) machen eigentlich jeden Prügelspiel-Fan glücklich. Egal ob schnelle Kämpfer wie Kitana, ausgewogene Fighter wie Scorpion oder schwere Brocken wie Kotal Kahn, hier sollte jeder fündig werden.

Wie in „Injustice 2“ bekommt ihr für gewonnen Kämpfe oder abgeschlossene Missionen und Herausforderungen nicht nur Ingame-Währung als Belohnung, auch verschiedene Items für die Charaktere werden dabei nach dem Zufallsprinzip ausgegeben. Diese könnt ihr im Charakter-Editor ausrüsten und verstärkt somit euren Lieblingskämpfer mit zusätzlichen Attributen. Die Ausrüstungsgegenstände leveln außerdem zusätzlich mit und können so nach einer Zeit mit weiteren Verbesserungen ausgestattet werden. 

Doch nicht nur dadurch könnt ihr euch die Kämpfe etwas einfacher machen. In den meisten Modi, die Kampagne mal ausgenommen, rüstet ihr außerdem bei Bedarf Verbrauchsgegenstände aus, die eure Schläge mit zusätzlichem Giftschaden behaften, euch Support durch einen zweiten Kämpfer sichern oder euch eine zusätzliche Rüstung verleihen.

 

 

Hübscher Tod!

 

Dank Unreal Engine 4 sieht „Mortal Kombat 11“ sehr gut aus und läuft eigentlich einwandfrei. Während unseres Test sind keinerlei Ruckler oder Lags aufgefallen, lediglich der Sound(vor allem bei den Sprüchen des Ansagers nach einem Kampf) hatte hin und wieder Aussetzer. 

Die Kämpferinnen und Kämpfer sind toll animiert und nehmen einen Großteil des Bildschirms ein. Dank detaillierter Kleidung und der grandiosen Mimik der Figuren kann man NetherRealm hier nur ein großes Lob aussprechen! Auch wenn es Dutzende an Kostümen für jeden Charakter gibt, hat man es sich hier allerdings schon sehr leicht gemacht. Meist sind nämlich einfach nur die Farben gewechselt und die eigentlichen Kleidungsstücke gleich. 

Die Level sind mit ihren interaktiven Objekten stark schwankend in der Qualität. In manchen Stages sind die Hilfsmittel recht kreativ eingebaut und es passiert einiges im Hintergrund, andere Arenen sind recht langweilig inszeniert und wirken wie von der Stange. Die Musik fällt nicht negativ auf und unterstreicht das Geschehen gut, vor allem die wuchtigen Soundeffekte und der kultige Sprecher machen hierbei ordentlich Spaß! 

 

FAZIT: Toller Prügler, aber warum dieser Microtransactions-Wahnsinn?!?

 

Nachdem wir vor wenigen Wochen „Dead or Alive 6“ zum besten Prügler dieser Generation gewählt hatten, macht sich „Mortal Kombat 11“ daran an dessen Thron zu wackeln.

Und wenn man die Dinge wie Grafik, Inhalt und Gameplay bedenkt, wäre dies dem Kult-Prügler auch fast gelungen, allerdings muss man das Spiel für seine lächerlichen Mikrotransaktionen fast schon abwerten.

Es ist einfach unverständlich warum man in ein Prügelspiel vier unterschiedliche Ingame-Währungen einbauen muss. Die Koins kann man noch verstehen, dank eines Patches sollen diese in den nächsten Tagen auch wesentlich einfacher und in erhöhter Zahl zu bekommen sein. Wo es aber aufhört sind dann noch die Herzen, die Seelenfragmente und die Zeitkristalle. Letztere sind für den Ingame-Shop wichtig und können gegen neue Kostüme eingetauscht werden. Die Herzen und Seelenfragmente benötigt man aber für das Vorankommen in der Krypta und dafür gibt es diese einfach in viel zu geringer Stückzahl für absolvierte Kämpfe & Co. Frech ist es auch, dass das Schmieden von Gegenständen in der Krypta immer etwas von diesen Währungen kostet, man aber bei einem gescheiterten Schmiede-Versuch die investierten Herzen, Fragmente o.ä. trotzdem verbraucht hat. Was für ein Unsinn! Schade, dass Warner Bros. Interactive nicht aus dem letzten „Mittelerde“-Shitstorm gelernt hat. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal!

Dennoch ist „Mortal Kombat 11“ ein sehr lohnenswertes Prügelspiel mit einer tollen Inszenierung. Sicherlich sind einige Fatalities arg abseits des guten Geschmacks unterwegs, aber das gehört zum Spiel dazu und ist immer mit einem Augenzwinkern versehen.