Moero Chronicle Hyper [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 25.04.2019 um 11:52

 

Kriechen in Dungeons

 

Dungeon Crawler gibt es schon seit Jahrzehnten für Heimcomputer und Konsolen und sind sowohl in westlichen als auch japanischen Rollenspiel-Gefilden bekannt. Während das Genre im Westen kaum noch eine Rolle spielt, lebt es aber vor allem auf den Handhelds in Japan weiter. So gibt es unzählige Vertreter auf der PS Vita und dem 3DS, jüngst erschien mit „Etrian Odyssey Nexus“ der aktuellste Teil einer der beliebtesten Dungeon Crawler-Reihen auf dem Nintendo-Handheld.

Die „Genkai Tokki“-Reihe von Entwickler Compile Heart hat es ebenfalls schon auf zahlreiche Serien-Einträge geschafft, allerdings legte man hier in den vergangenen Spielen sehr viel Wert auf eine erotische Komponente. Denn die bekämpfbaren Monstermädchen müssen zu deren Schwächung ihrer Rüstung entledigt werden. Dank Touchscreen-Einsatz bekommt dieses Feature dann noch einmal eine ganz andere Note...

Während es das Spiel dank aktueller Zensurmaßnahmen von Sony vermutlich so nicht auf die PS4 schaffen würde, erscheint es nun aber für die Nintendo Switch. Und das vollkommen unzensiert. Doch hat „Moero Chronicle Hyper“ zumindest spielerisch etwas zu bieten oder haben wir es hier mit einem weiteren Fremdscham-Spiel aus dem Land der aufgehenden Sonne zu tun?

 

Der verklemmte Held

 

In der Rolle von Io sehen wir uns mit einem ganz besonderen Problem konfrontiert. Denn unser Held hat so seine Schwierigkeiten mit dem weiblichen Geschlecht und bekommt in Anwesenheit von Frauen keinen geraden Satz über die Lippen. Anders verhält es sich mit seiner Freundin in Form des Monstermädchens Lilia mit der er ganz ungehemmt sprechen kann. 

Als plötzlich in der kompletten Region andere Monstermädchen über Menschen herfallen, schicken die Dorfältesten Io und Lilia auf die Reise, um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen. Schon bald machen sie die Bekanntschaft von Otton, der ihnen hilft, die Monstermädchen auf ihre Seite zu holen und somit vereint gegen die Bedrohung vorzugehen.

 

 

Ego-Anime-Rundenkampf

 

„Moero Chronicle Hyper“ erzählt euch die Geschichte von Io & Co. in gezeichneten Standbildern, die höchstens einmal die Mimik der Figuren ändern. Während der vertonten Dialoge wird euch die Geschichte um die mysteriösen Monstermädchen-Zwischenfälle weitererzählt, so richtig Action gibt es dann aber in den jeweiligen Dungeons, die ihr aus einer Oberkarte wählen könnt.

Dort wechselt das Geschehen in eine Egoperspektive in der ihr euch anschließend durch die Labyrinthe bewegt. Dank Auto-Mapping seht ihr am linken Bildrand immer wie sich der Dungeon aufbaut und wo sich interessante Punkte wie verschlossene Türen, Speicherplätze oder Treppen in die nächste Ebene befinden.

Die Kämpfe finden nach dem Zufallsprinzip statt, Gegner könnt ihr nur teilweise sehen und somit auch nur selten umgehen. Eine Leiste am oberen Bildschirmrand zeigt euch wann ihr und die Gegner mit den Attacken an der Reihe sind. Neben konventionellen Angriffen könnt ihr Magie auf die Gegner wirken lassen, die eure SP-Leiste verbraucht.

Was nun nach einem klassischen Rollenspiel klingt, wird in den Kämpfen aber doch recht speziell. Denn Io nimmt nicht aktiv an den Auseinandersetzungen teil, sondern verteilt höchstens Items wie Heiltränke. Die Hauptrolle des Helden ist aber das „Ansparen“ der Desire-Punkte, die bei deren Nutzung den Monstermädchen mehr Macht in ihren Angriffen und Aktionen verleihen. So spart ihr in jeder Runde eine bestimmte Anzahl an Prozent-Punkten auf, wartet ihr zu lange, können sich diese aber auch in Luft auflösen und ihr müsst wieder von vorne beginnen. Auch die Monstermädchen können durch ihre Charme-Aktion Ios Punkte weiter auffüllen.

 

Nackte Haut im Kampf

 

Während sich Kämpfe mit Standardgegnern also recht simpel und traditionell gestalten, sind die Auseinandersetzungen mit den besessenen Monstermädchen eine ganz andere Hausnummer.

Denn hier geht es primär nicht darum, den Gegner zu töten, sondern hier wird auf das Entfernen der Rüstungsteile Wert gelegt. Neben der normalen Lebensleiste haben also alle Kleidungsstücke des Monstermädchens, zum Beispiel die Schulterpads oder das Oberteil einen eigenen Energiebalken, den es zu dezimieren gilt. Dadurch steigert ihr die Excitement-Leiste eures Begleiters Otton, der dann dafür sorgt, dass ihr das Mädchen bis in den Nude Flash-Modus bringen könnt. Durch das Berühren an bestimmten Stellen mit Streichen oder Tippen füllt ihr die sogenannte Reinheits-Leiste und könnt das Mädchen so aller Kleidungsstücke entledigen. Auch wenn die entsprechenden Stellen mit Herzchen überdeckt sind, ist das doch etwas expliziter als erwartet. Seid ihr mit all diesen Bemühungen erfolgreich gewesen, wird das Monstermädchen bekehrt und schließt sich eurem Team an.

So habt ihr nach und nach eine große Auswahl an Mitgliedern mit denen ihr eure Party auffüllen könnt und die euch mit unterschiedlichen Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Hierbei solltet ihr auf die Zusammensetzung achten, denn bei passender Kombination sind Aura-Attacken und -Kombos leichter auszuführen.

 

Ich will eine Beziehung!

 

Habt ihr zwischen den Dungeons einmal genug von den Kämpfen könnt ihr euch in das Inn zurückziehen oder kauft im Shop neue Items für die Monsterhatz ein. 

Vor allem das Inn bietet aber einige Beschäftigungsmöglichkeiten, die sich besonders um die Beziehung zu den einzelnen Mädchen dreht. Dank einer Herz-Leiste seht ihr immer den aktuellen Flirt-Level und ob sich eure Bemühungen lohnen. Neben dem Verschönern der Zimmer könnt ihr euch auch alleine mit dem jeweiligen Love Interest treffen und steigert deren Herz-Leiste dank Gesprächen oder Geschenken. 

Das sogenannte Egg-System lässt euch dabei allerlei Items herstellen, die ihr aus den gesammelten Objekten gewinnen könnt. Neben Geschenken für die Mädchen fallen aber auch Ausrüstungsgegenstände für diese ab, die die jeweilige Figur stärker machen oder gewisse Attribute verbessern kann.

Hin und wieder lest ihr nach einem erfolgreichen Kampf, dass einer der Gegner in das Inn gegangen ist. Diese könnt ihr dort euren Partymitgliedern zuordnen wodurch diese weitere Verbesserungen erhalten. 

 

 

Optik von der Stange...

 

In optischer Hinsicht erinnert „Moero Chronicle Hyper“ in den ersten Minuten vor allem an eine Visual Novel. So gibt es lange Dialogszenen ohne viele Animationen, dafür sind diese aber allesamt vertont. Auch Dinge wie der Shop sind einfache Menüs ohne große Besonderheiten oder Highlights.

In den Dungeons selbst präsentiert sich das Spiel meist recht altbacken, die Labyrinthe strotzen nicht gerade vor optisch abwechslungsreichen Hintergründen und Elementen. Generell überzeugen vor allem die Charaktere mit einem schönen Design und einfallsreichen Outfits, die Gegner präsentieren sich zwar auch in einem auffallenden Stil, sind aber leider häufig so plump doppeldeutig, dass man sich wirklich schämen muss. Egal ob Ufos, die von fliegenden Brüsten umrundet werden oder Hintergrundelemente, die wie das männliche Geschlechtsteil aussehen...irgendwie ist das schon alles sehr schräg und seltsam.

In Sachen Vertonung gefällt das Spiel wie schon erwähnt mit seinen voll vertonten Dialogen(allerdings nur in Japanisch), die musikalische Untermalung versinkt jedoch im Einheitsbrei und sticht nicht besonders hervor, sondern dudelt eher vor sich hin.

 

FAZIT: Unter dem ganzen Ecchi-Kram ein Durchschnitts-Titel

 

„Moero Chronicle Hyper“ vermittelt einen zwiespältigen Eindruck. Denn in Sachen Gameplay ist der Dungeon Crawler eigentlich recht gut gelungen und gefällt mit einem motivierenden Kampf- und Levelsystem. Der Einfall mit den Desire-Punkten, die die Partymitglieder zusätzlich stärken bringt einen besonderen Taktik-Kniff in die Kämpfe und auch das Setzen der Mädchen in die vordere oder hintere Reihe und die damit verbundene Änderung der Angriffs- aber auch Abwehrstärke ist interessant gelöst.

Wo sich aber andere vergleichbare Titel auf sehr viel unschuldige Doppeldeutigkeit konzentrieren und dadurch vielleicht den ein oder anderen Charmepunkt bekommen, ist „Moero Chronicle Hyper“ leider alles andere als subtil. Hier bekommt man wirklich alles mit dem Holzhammer in den Kopf bzw. die Leistengegend geprügelt, sei es der Penis-ähnliche Otton oder dessen komplette Monologe. Hinzu kommen dann solche Dinge wie das Stöhnen der Mädchen, wenn man im Dungeon gegen eine Wand läuft. Das ist alles so plump und gewollt sexuell aufgeladen, dass es einfach nicht schön ist. Stichwort: zu sexistisch!