Gedankenspiel - Spiele als Baustelle: Muss das sein?

Verfasst von Christian Suessmeier am 15.04.2019 um 11:13

 

Als die Onlineanbindung von Konsolen noch in den Kinderschuhen steckte, war der Druck auf die Entwickler, ein fertiges Spiel abzuliefern noch deutlich größer als heutzutage. Unter dem sogenannten Games as a service-Label erscheinen in den vergangenen Jahre immer mehr Titel, denen eine längere Entwicklungszeit gut getan hätte. Jüngstes Besipiel ist BioWares Mega-Flop "Anthem".
Der Shooter krankt nicht nur an inhaltlicher Leere, sondern war in den ersten Tagen nach Release eine technische Katastrophe. Ruckler, abgebrochene Serververbindungen oder komplette Abstürze machten das Spiel vor allem während Online-Partien zu einem Fiasko. Spielte man die Missionen offline erholte sich die Framerate zumindest etwas, aber handelt es sich bei "Anthem" eigentlich nicht um ein Online-Spiel? Sicherlich darf man hier nicht nur auf BioWares "Anthem" schimpfen. Auch Spiele wie "Fallout 76" oder "Tom Clancy's The Division 2" ärgern den Spieler mit technischen Unzulänglichkeiten, die dann durch einen Mega-Patch erst einmal ausgemerzt werden müssen.
Und hier kommen wir gleich zum zweiten Ärgernis im Bezug auf unfertige Spiele. Denn liebe Entwickler und Publisher, nicht jeder hat eine zig TB große Festplatte in seiner Konsole installiert oder eine megaschnelle Internetverbindung. Wenn ich für das Spielen des neuesten AAA-Titels erst einmal Spiele von der Festplatte löschen muss und mir dann auch noch einen Day 1-Patch mit 50GB oder mehr herunterladen soll, zehrt das alles ganz schön an den Nerven und macht das sonst so unkomplizierte Spielen an einer Konsole ziemlich nervig.

Leider sind es auch immer wieder die selben Publisher und Entwickler, die solche Mega-Patches raushauen. Nehmt euch doch einmal ein Beispiel an Nintendo. Klar, deren Spiele sind meist nicht so vollgepackt mit technischen Spielereien, aber bisher musste man fast keinen AAA-Titel der Switch erst mit einem unzählige GB großen Patch updaten und so mehrere Stunden auf das Anspielen warten. Deren Spiele sind meist fertig wenn sie in den Handel kommen. Und da bekommt man für seine 60,-€ tatsächlich ein fertiges Spiel! Da sind wir nämlich noch bei einem ganz anderen Aspekt dieser Diskussion: im Grunde bezahlt man vielen Publishern den Preis für ein Vollpreisspiel, obwohl viel Content wie zum Beispiel das Endgame nachgeliefert wird. Eigentlich unvorstellbar. Ihr bezahlt doch bei einem Auto auch nicht nur das Fahrgestell und wartet dann drei Monate bis die Karosserie nachgeliefert wird.

Doch wer ist schuld an dieser Misere? Die Fans, die keine zwei Jahre mehr auf einen Nachfolger von Spiel XY warten wollen oder die Publisher, die ihren Auktionären jedes Jahr aufs neue schwindelerregende Verkaufszahlen präsentieren wollen? Letztlich vermutlich beide. Der Videospiel-Business hat sich einfach zu einem so großen Geschäft entwickelt, das eben hautpsächlich auf Verkaufszahlen, Umsätze und Gewinne achtet. Und die Spielerinnen und Spieler wollen einfach ständig neuen Content, den die Entwickler gar nicht so schnell produzieren können.

Wie steht ihr zu solchen unfertigen Spielen? Nimmt es euch die Lust an einem Titel, wenn ihr euch erst einmal einen megagroßen Patch herunterladen müsst oder seid ihr da eher geduldig und verständnisvoll?