The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 09.04.2019 um 11:21

 

JRPG-Klasse

 

Der Entwickler Nihon Falcom steht schon weit über dreißig Jahre für erstklassige Rollenspiel-Unterhaltung. Vor allem die „Y’s“- als auch die „The Legend of Heroes“-Reihe sorgte in den letzten Jahren dafür, dass sich der gute Name des Unternehmens auch im Westen endlich etablierte.

Bevor man in diesem Jahr mit „Trails of Cold Steel 3 & 4“ die aktuelle „The Legend of Heroes“-Saga abschließen wird, veröffentlicht man die beiden Erstlinge in einer Neuauflage für die PlayStation4. Während Teil 2 in den nächsten Monaten erscheinen soll, kam nun Ende März erst einmal „The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ heraus.

Wie sich das JRPG knapp sechs Jahre nach Release spielt, verraten wir euch in unserem Test der PS4-Version.

 

Es herrscht Krieg!

 

Das Spiel wirft euch gleich zu Beginn mittenhinein in einen Krieg. Denn in eurer Heimat Erebonia zieht seit Jahren ein Konflikt auf, der vor allem die verschiedenen Klassengesellschaften betrifft.

Doch am Höhepunkt der Schlacht wirft euch „The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ fünf Monate zurück und zwar bis zur Zugreise, die Hauptfigur Rean Schwarzer antritt um an der renommierten Thors Militärakademie zu studieren.

Als ihr am ersten Tag auf die verschiedenen Klassen aufgeteilt werdet, kommen Rean und seine Mitschüler(die übrigens auch alle sehr „deutsche“ Namen tragen) in die neu formierte Klasse VII. Diese setzt sich aus Schülern unterschiedlicher Schichten zusammen und ist somit eine kleine Revolution im Reich Erebonia.

Die Geschichte folgt nun zunächst dem Schulalltag von Rean & Co. und dem damit verbundenen Training. Jeder der Mitschüler ist Spezialist für eine andere Waffe und somit entweder perfekt in Nah- bzw. Fernkampf oder Magie. 

 

 

 

Von Arts und Crafts

 

Während ihr euren Protagonisten in der klassischen Thirdperson-Perspektive durch die Welt steuert, werden auch die Kämpfe in traditionellem JRPG-Gewand präsentiert. In rundenbasierten Auseinandersetzungen, die ihr dank sichtbarer Gegner immer bewusst angehen oder vermeiden könnt, stellt sich eure Party allerlei Monstern oder Mechs entgegen. 

Wichtig für den Erfolg ist hierbei die Attacken-Reichweite, die ihr dank relativ freier Bewegungsmöglichkeiten auf dem Schlachtfeld verbessern könnt. Anhand eines Zeitstrahls am linken Bildschirmrand seht ihr immer, welche Figur als nächstes dran ist und habt so eine gute Übersicht über die Kämpfe.

Am Anfang des Spiels bekommt jede der Figuren einen sogenannten Orbment, in den ihr verschiedene Quartzsteine einsetzen könnt. Diese haben Auswirkungen auf eure Arts-Angriffe oder statten eure Figur mit zusätzlichen Fertigkeiten aus.

Eine weitere Spezialität sind die Craft-Angriffe, die ihr mit Einsatz der gleichnamigen Punkte verwenden könnt. Diese Punkteleiste ladet ihr auf, wenn ihr Schaden austeilt oder einsteckt. 

Verfehlt euch euer Gegner kann der Angegriffene zu einer Konterattacke ausholen, eine weitere Besonderheit sind die die Link Assists, dazu aber später mehr.

 

Schule, Freizeit, Kampf

 

Da „The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ an einer Schule spielt, ist auch diese ein großer Teil des Gameplays. So nimmt Rean am Unterricht teil, muss Fragen der Lehrer beantworten(dafür bekommt man Academic Points) und Prüfungen über sich ergehen lassen. Außerdem gibt es viele Nebenmissionen an der Schule zu bewältigen, die Nebenquestgeberin ist nämlich gleichzeitig auch die Vorsitzende des Schülerausschusses. 

Ähnlich wie in den „Persona“-Spielen folgt der Titel einem Kalendersystem, das die einzelnen Kapitel unterteilt. Neben den regulären Schultagen habt ihr auch einmal einen freien Tag, an dem ihr euch dann mit den Nebenmissionen beschäftigen könnt oder euch um die Beziehung zu euren Party-Mitgliedern in speziellen Events kümmert. Umso besser diese nämlich ist, desto positiver fällt dies auch für die Kämpfe aus. Dann könnt ihr die Link Assist-Angriffe ausführen, die wesentlich mehr Schaden beim Gegner erwirken.

In den vielen Dialogen mit Lehrern, Stadtbewohnern oder Mitschülern habt ihr außerdem hin und wieder einige Entscheidungsmöglichkeiten und könnt so den weiteren Verlauf lenken. In der Stadt selbst finden sich viele Läden und Cafés, auch auf dem Schulgelände seid ihr mit der Sporthalle oder dem Gebäude der Schüler-Gewerkschaft samt Cafeteria und Shop gut versorgt.

Wie in jedem klassischen JRPG levelt ihr eure Charaktere natürlich mit erworbenen Erfahrungspunkten auf, wichtig sind hier aber auch die schon genannten Academic Points und die Quartzsteine, die ihr in euren Orbments verwendet.

 

 

Klassiker-Grafik

 

In Sachen Technik und Grafik ist „The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ ein solides Ding. Während das Geschehen absolut flüssig abläuft und Ruckler oder Framerate-Einbrüche nirgendwo zu finden waren, ist die Grafik allerdings sehr altbacken. Die Charaktermodelle sind zwar recht hübsch geraten, vor allem deren detaillierte Outfits, aber die hüftsteifen Animationen sind im Jahr 2019 alles andere als modern.

Gleiches gilt für Dinge wie das User Interface und dessen Handhabung. Mittlerweile gibt es einfach wesentlich komfortablere Weisen damit umzugehen. Immerhin sind die Dialoge meistens vertont(Synchro liegt in Englisch und Japanisch vor) und auch die Musik kann vor allem in den Kämpfen mit ihrem heroischen Grundton begeistern.

Wie auch schon die Menüsteuerung ist auch die Tastenbelegung etwas krude geraten, nach einiger Zeit kommt man aber schon ganz gut rein. 

Während das Intro noch als Animesequenz abläuft, sind die Zwischensequenzen im Spiel aber mit Ingame-Grafik umgesetzt. 

 

FAZIT: JRPG mit Tiefgang aber Alterserscheinungen

 

„The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ spielt sich wirklich gut. Das spaßige Kampfsystem mit der Bewegungsfreiheit und den vielen verschiedenen Angriffs- und Fähigkeitsvarianten lässt Experimentierfreude aufkommen und gehört sicherlich zu einem der Besten in den letzten 15 Jahren.

Da kann man dem Titel auch die altbackene Optik verzeihen, die mit ihren arg statischen Figuren und etwas lahm inszenierten Dialog- und Handlungssequenzen nicht mehr so zeitgemäß wirkt. 

Neben dem Kampfsystem glänzt „The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ vor allem mit seinen Nebenfiguren, die toll geschrieben sind und mit denen man gerne interagiert. Auch wenn manche wie die typischen Anime-Stereotypen wirken, überraschen sie häufig mit wesentlich mehr Tiefgang als üblich.

Alles in allem kann man das JRPG definitiv empfehlen. Wenn man sich an den technischen Kritikpunkten nicht stört, kann man damit wirklich viel Spaß haben.