Tom Clancy's The Division 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 27.03.2019 um 15:29

 

Shoot’n’Loot

 

Das Genre der Loot-Shooter ist ein recht junger Auswuchs der modernen Videospiele-Industrie. Die Mischung aus Multiplayer-Inhalten mit der Jagd auf immer seltenere und somit bessere Ausstattungen und Schusswaffen motiviert zahlreiche Spielerinnen und Spieler unzählige Stunden in die Titel zu stecken. In den vergangenen Wochen erschien mit „Anthem“ erst ein Titel, der sich leider eher die negativen Merkmale des Genres herausgepickt hat und somit nicht überzeugen konnte.

Im Fall von „Tom Clancy’s The Division“ verband Ubisoft die Features dieser Art Spiele mit einem endzeitlichen New York wie man es vorher nicht gesehen hatte. Dennoch musste man sich zu Beginn mit einigen technischen Problemen herumschlagen, über die Zeit wurde der Shooter aber zu einem tollen, lange motivierenden Spiel. Auch dank der Dark Zones, die besonders fies aber auch belohnend waren.

Nun wurde jüngst „Tom Clancy’s The Division 2“ veröffentlicht und dieses soll den Vorgänger natürlich in allen Bereichen toppen. Ob Ubisoft dies gelungen ist oder ob man sich mit einigen Features verzettelt hat, klären wir in unserem Test.

 

Washington

 

Nach den Ereignissen im verschneiten New York sind einige Monate vergangen.  Als Teil der SHD-Einheit werdet ihr Zeuge davon, dass alle eure Geräte durch einen plötzlichen Impuls ihre Funktion verlieren.

Gleichzeitig ereilt euch ein Notruf eines Division-Agents aus Washington, dem ihr sogleich folgt. Dort angekommen eröffnet sich die ganze katastrophale Situation, denn die Stadt wird von drei Fraktionen, den Hyenas, den True Sons und den Outcasts beherrscht, während sich die verbliebenen Einheiten der Task Force in das Weiße Haus gerettet haben. 

Was folgt ist der Kampf um die Freiheit Washingtons und die Zukunft der Vereinigten Staaten. Gibt es doch ein Heilmittel gegen die Epidemie, die vor einigen Monaten in New York ausbrach? Und was hat der US-Präsident damit zu tun? 

 

 

Ballern und Erbeuten

 

Bricht man das Gameplay von „The Division 2“ auf den grundlegenden Kern herunter, handelt es sich um einen klassischen Deckungsshooter. So eilt ihr von Mauer zu Kiste und versucht aus geschützter Position heraus, eure Feinde zu erledigen.

Dabei greift ihr auf drei verschiedene Schusswaffen zurück, egal ob Schrotflinte, Scharfschützengewehr oder Maschinenpistole. Dank zahlreicher Modifikationen kann man deren Munitionskapazität, die Stabilität während des Schießens oder eine zusätzliche Zielhilfe montieren und somit noch wirksamer ballern.

Auch auf zahlreiche Gadgets und Kleidungsgegenstände greift ihr mit eurem selbst erstellten Charakter zurück. So tragt ihr Atemmasken, Handschuhe, Schutzwesten oder Holster an euch, die verschiedene Werte haben und – wie soll es anders sein – nach Seltenheitsstufen eingeteilt sind.

Die oben genannten Gadgets reichen von selbstschießenden Schussanlagen über eine Drohne bis hin zu einem Impuls, der Gegner sichtbar macht. Diese Spielereien benötigen allerdings etwas Zeit bis man sie dann wieder verwenden kann.

Für den Fernkampf tragt ihr außerdem immer ein paar Granaten mit euch herum, nehmt ihr mal zu viel Schaden, könnt ihr diesen durch den Einsatz von Medipacks lindern. 

Items findet ihr nicht nur in Taschen und Koffern, die in der Spielwelt verstreut sind, auch die Feinde lassen immer wieder hilfreiche Dinge fallen. Hier gilt, je stärker der Feind, desto besser die Beute.

 

Der Aufstieg

 

Für das Erledigen von Aufgaben bzw. Feinden bekommt ihr natürlich Erfahrungspunkte mit denen ihr im Level aufsteigt. Dadurch schaltet ihr neue Fertigkeiten frei, die man beim Quartiermeister in der Basis auswählen und ausrüsten kann. Wichtig sind hierbei aber auch die SHD-Technologien mit denen ihr klassische Elemente wie das Tragen von mehr Munition oder Medipacks freischalten könnt. Auch diese erhaltet ihr für das Absolvieren von Haupt- und Nebenmissionen.

Wie auch schon in Teil 1 findet ihr in den unterschiedlichen Vierteln die Safehouses, in denen man Zugriff auf das Lager hat, andere Spieler trifft oder seine Ausrüstung verwaltet. Neu sind allerdings die Siedlungen, deren Aufbau man mit dem Spenden von Rohstoffen und dem Säubern von Feinden unterstützen kann und die euch hilfreiche Mitarbeiter in das Hauptquartier schicken. Auch in den Straßen entdeckt man dann immer wieder zahlreiche Patrouillen, die einen im Kampf gegen die Bösewichte unterstützen können. Dies unterstreicht vor allem den Wiederaufbau-Charakter des Spiels doch recht stark.

 

Es gibt einiges zu tun!

 

Neben den Haupt- und Nebenmissionen gibt es in den Vierteln Washingtons einige Dinge zu erledigen. So findet ihr Echos, die euch über diverse Ereignisse aufklären, rettet Geiseln vor ihrer Hinrichtung oder nehmt Propagandalautsprecher ein, die künftig für eure Zwecke funken.

Ein großer Teil der Nebenbeschäftigungen ist das Einnehmen von gegnerischen Stützpunkten, durch die ihr das Viertel weiter stabilisiert und diese fortan von eigenen Leuten bewacht werden. Zur Eroberung der Stützpunkte könnt ihr außerdem NPCs herbeirufen, die euch dann bei der Schießerei unterstützen.

Auch die einzigartigen Monumente in Washington könnt ihr euch genauer anschauen oder ihr steigt durch ein Fenster in eines der zahlreichen Gebäude und genießt die Endzeit. Diese Stimmung wird nicht nur durch die gebotene Zerstörung verdeutlicht, auch Tiere wie Hunde oder Rehe laufen frei in der Stadt herum.

Im Vergleich zum ersten Teil in dem es nur eine Dark Zone gab, gibt es in „The Division 2“ mehrere dieser Zonen zu entdecken. Diese belohnen euch wieder mit zahlreichen seltenen Items, aber bieten auch bockschwere Gefechte.

 

 

Schönheitsfehler

 

„The Division 2“ leidet sicherlich nicht unter dem starken Grafik-Downgrade wie noch Teil 1, allerdings ist die technische Seite alles andere als zufriedenstellend. So ist die Grafik des Spiels schon recht detailliert und dies unterstützt alles die tolle Endzeitstimmung, aber vor allem die sehr spät nachladenden Texturen reißen einen häufiger aus dem Spielgeschehen. 

Was jedoch gerade zu Beginn unseres Tests auffiel, waren die vielen Bugs und Glitches. So blieb unser Charakter im Laufe der Tutorialmission in einer Animationsphase hängen durch die wir uns dann weder ducken noch springen konnten. Dies war erst durch einen Neustart des Spiels zu beheben. Ein weiteres Problem in den ersten Stunden war, dass man nicht mehr schießen konnte und dies erst nach einem Positionswechsel wieder ging. Am schlimmsten waren allerdings die plötzlich aufploppenden Feinde, die verschwanden und dann zwei Meter weiter wieder da waren. Das hat sich im Laufe des Spiels dann etwas gelegt, hat aber den Spaß am Anfang ganz schön negativ beeinflusst.

Die Menüs sind für Neulinge zu Beginn wohl etwas zu verschachtelt, “The Division“-Kenner freuen sich aber über das coole Design, das man zum Großteil beibehalten hat.

Musikalisch wird „The Division 2“ nur in bestimmten Momenten. Manchmal unterstützen sphärische Klänge die bedrückende Endzeit-Stimmung, in Kämpfen wird die Musik treibend und motivierend.

 

FAZIT: Hochwertiges Spiel ohne nennenswerten Fortschritt

 

„Tom Clancy’s The Division 2“ zeigt Genre-Kollegen wie „Anthem“ eindrucksvoll wie man Loot’n’Shoot-Spiele heutzutage konzipiert. Glücklicherweise erledigten sich die technischen Probleme des Titels nach einigen Spielstunden von selbst8das Nachladen der Texturen mal ausgenommen), dennoch bleibt man gegenüber dem Titel etwas zwiegespalten.

Denn so toll die Stimmung des Spiels geworden ist und man sich in vielen Teilen Washingtons wirklich recht alleine und isoliert fühlt, so innovationslos ist der Nachfolger auch geworden. 

Gut, werden jetzt einige sagen, ist eben ein Loot-Shooter in dem es vor allem darum geht, dass man seinen Charakter dank seltener und mächtiger Ausstattung stärker macht und man sich von Deckung zu Deckung pirscht, aber leider sind die Unterschiede zwischen beiden Teilen doch recht marginal. 

Auch der Schwierigkeitsgrad wird nicht jedem gefallen. Schon jetzt liest man im Netz von vielen Beschwerden über das zu anspruchsvolle Gameplay und die zu häufig auftretenden Gegnerhorden, die im Singleplayer-Modus meist in der krassen Überzahl sind. Und in gewisser Weise muss man diesen Kritiken Recht geben. Wenn man sowohl von links als auch rechts von einem heranstürmenden Feind bedroht wird und dann auch noch von vorne zahlreiche Schüsse auf den Charakter abgegeben werden, ist das alles andere als fair.  Dies gilt natürlich vor allem für Singleplayer, denn für Koop-Spieler mag das alles ok und leichter zu meistern sein. Aber hier sollte Ubisoft dennoch nachbessern. „The Division 2“ ist ein recht guter Shooter mit tollem Gunplay und motivierender Beutesuche, leidet aber alles in allem etwas unter der einfallslosen Inszenierung, die durch eine belanglose Story noch einmal betont wird.