One Piece World Seeker [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 27.03.2019 um 09:29

 

Kult aus Japan!

 

Mit dem Anime- und Mangatrend zum Ende des 20.Jahrhunderts kamen auch die großen Serien wie „Dragonball“ und „One Piece“ nach Europa. Während die Saga um Son Goku und die sieben Dragonballs irgendwann einmal ein offizielles Ende nahm, aber dennoch mit unzähligen Spinoffs weitererzählt wird, läuft die Geschichte um den Piraten Ruffy auch 21 Jahre nach dem Start immer noch weiter.

Das äußert sich in bisher knapp 100 Bänden des Mangas, einigen TV-Serien und Filmen und zahlreichen Videospiel-Adaptionen. 

Letztere sind meist wirklich nur für die Diehard-Fans gemacht, da sie Wissen voraussetzen, über das der Gelegenheits-Fan nicht unbedingt verfügen kann. Bei dem großen Umfang der Serie ist das aber mittlerweile auch kein Wunder.

Mit „One Piece World Seeker“ adaptiert Bandai Namco nun die Piratenabenteuer in die Open World und reichert diese mit den dafür üblichen Zutaten an. Ob das Spiel auch für Neulinge geeignet ist und wie sich Ruffy & Co. in der offenen Spielwelt schlagen, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Die Suche nach den Piraten

 

Als Ruffy und seine Crew das Himmelsgefängnis entern wollen, rechnen sie nicht mit der enormen Gegenwehr der dortigen Soldaten unter der Leitung von General Isaac. Durch dessen Standhaftigkeit werden die Crewmitglieder und Ruffy selbst über der Juweleninsel abgeworfen und verteilen sich so kreuz und quer über das Eiland.

Ruffy trifft dort schon bald auf Jeanne, die sich gegen die Marinepräsenz auf der Insel zur Wehr setzen will und dabei auf eure Hilfe hofft. Doch zunächst gilt es, eure Crewmitglieder wieder zu finden.

 

 

Open World-Schlägerei

 

Wie oben schon angedeutet handelt es sich bei „One Piece World Seeker“ um ein klassisches Open World-Spiel. Das heißt ihr bewegt Ruffy aus der Thirdperson-Perspektive durch die Spielwelt und erledigt allerlei Haupt- und Nebenmissionen.

Trefft ihr auf die Feinde der Marine oder euch nicht gerade wohlgesinnte Piraten könnt ihr euch dank einem umfangreichen Angriffssystem zur Wehr setzen. Dabei wählt ihr entweder aus unterschiedlichen Nahkampf- oder Stealthattacken, oder ihr visiert die Feinde aus der Ferne an und werft ihnen eure Fäuste entgegen. Dank Ruffys „Gummikörper“ stellt dies kein Problem dar.

Durch die Welt selber könnt ihr euch ganz wie Spider-Man dank eurer dehnungsfähigen Gliedmaßen bewegen. Sobald ihr ein blaues Kreuz an einer Kante seht, könnt ihr euch per Druck auf R1 dorthin katapultieren. Dies ist leider nicht ganz so flüssig wie beim Kollegen aus dem Marvel-Universum, aber spart euch doch einiges an Zeit.

Dank dem Detektivmodus, hier Haki-Fähigkeit genannt, könnt ihr für kurze Zeit Gegner und Objekte in der näheren Umgebung sichtbar machen. Außerdem wählt ihr ab einem späteren Zeitpunkt aus unterschiedlichen Kampfstilen, die euch entweder schneller angreifen oder aus größerer Entfernung attackieren lassen.

Habt ihr genügend Treffer gelandet oder eingesteckt und somit eure Tensionleiste gefüllt, könnt ihr mit Druck auf L1 und einem der Aktionsbuttons eine Spezialattacke auf den Gegner loslassen, die recht cool inszeniert ist.

 

Ein besserer Pirat!

 

Wie für ein Open World-Spiel heutzutage üblich sammelt ihr während eurer Reise über die Insel und durch die verschiedenen Städte allerlei Rohstoffe, die ihr u.a. für das Erledigen bestimmter Nebenmissionen braucht. Wie es sich für ein modernes Spiel gehört, sind diese in unterschiedliche Seltenheitsstufen unterteilt. Außerdem erspielt ihr euch durch erledigte Aufgaben und gewonnene Auseinandersetzungen Fertigkeitenpunkte. 

Diese investiert ihr in euren Skilltree, der in die Kategorien Kampf, Parameter und Erkunden aufgeteilt ist. In zwei weiteren Fähigkeitsbäumen investiert ihr die Punkte in den Ausbau der beiden Kampfstile Panzer- und Beobachter-Haki. Unter dem Menüpunkt Ausrüstungen könnt ihr euch außerdem mit allerlei hilfreichen Items schmücken, so dass sich eure Statuswerte verbessern und ihr im Kampf gegen die Gegner besser dasteht.

Im Hauptmenü könnt ihr außerdem neben dem regulären Spiel auch in den „Freier Kampf“-Modus wechseln, in dem ihr euch austoben und die ganzen Angriffe probieren könnt. 

 

 

Wie im Fernseh!

 

Über die Darstellung der Charaktere in „One Piece World Seeker“ kann man sich nicht beschweren. Die Hauptfiguren sehen aus als würden sie direkt aus der Animeserie stammen und sind toll animiert und modelliert. Nebenfiguren wiederholen sich allerdings schnell, vor allem beim Gegnerdesign herrscht Langeweile pur.

Das Spiel läuft in der Regel flüssig, bei Zwischensequenzen und dem Intro kam es aber zu gelegentlichen Rucklern. Und auch wenn die Spielwelt an sich farbenfroh gestaltet ist, wirkt sie doch recht langweilig und ohne Leben. Auf NPCs stoßt ihr meist nur in den Städten, Tiere o.ä. sieht man so gut wie gar nicht. Da wurde einiges an Potential verschenkt...

Einige der wichtigen Dialogszenen sind komplett vertont, meist müsst ihr euch aber mit regulären Textboxen zufrieden geben bei denen nur Schlagworte oder Namen vertont wurden. Auch die extrem steifen Animationen der Figuren in Dialogen wirken nicht gerade zeitgemäß.

 

FAZIT: Kein Schiffbruch, aber ein gerissenes Segel

 

„One Piece World Seeker“ ist bei weitem kein schlechtes Spiel und wird vor allem Fans der Serie recht glücklich machen. Immerhin trifft man auf alle wichtigen Figuren der Reihe und so eine Offenheit und Größe hatte auch noch kein „One Piece“-Spiel vorher.

Aber in Sachen Gameplay und Technik bietet Bandai Namco bzw. Entwickler Ganbarian hier nichts Neues und Zeitgemäßes.

Sind solche Dinge wie die etwas langweilige Spielwelt und nicht vertonte Dialoge noch zu verschmerzen, ärgert einen das lahme Missionsdesign und das unfaire Auftreten der Gegner. So rennt man gefühlt zehnmal hin und her, redet mit einigen NPCs bevor eine kurze Mission beginnt in der man mal einen Gegner verprügeln darf. Die Schleichmissionen wirken nicht sehr ausgereift und sind dank der Gegner-KI auch keine Herausforderung.

Dass man dem Spieler aber hauptsächlich Feinde mit Schusswaffen entgegenstellt, die einen teils aus übermenschlichen Distanzen sehen und auch noch treffen können, ist einfach schlecht designt. Auch die lange Animation bei einem Treffer, die es Feinden ermöglicht, euch gleich beim Berühren des Bodens wieder getroffen zu werden, ist nervig.

So gibt es einige Abzüge in der B-Note, Fans von „One Piece“ können sich das Open World-Abenteuer aufgrund des ganzen Fanservices aber mal anschauen. Für Neulinge ist die Geschichte einigermaßen nachvollziehbar und daher nicht so kryptisch wie bei früheren Titeln.