Far Cry New Dawn [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 18.03.2019 um 08:22

 

Ubisofts Formel

 

Seit einigen Jahren, genauer gesagt seit dem ersten Teil der „Assassin’s Creed“-Saga, verwendet Ubisoft eine gewisse Formelhaftigkeit in ihren großen AAA-Spielen. So waren es zu Beginn noch die Wachtürme, die man einnehmen musste, um gewisse Infos über die Region freizuschalten, auch der Skilltree unterschied sich von Spiel zu Spiel nur minimal. 

Letztlich musste man an dieser Formel nach großer Kritik aus der Spielerschaft und der Presse dennoch etwas ändern, denn irgendwann hatte man das Gefühl, dass sich nur das Skin des Spiels geändert hätte, Grundfunktionen im Gameplay aber überall gleich sind. 

Mittlerweile hat Ubisoft seine „Formel“ erneut etwas abgeändert und lässt so die aktuellen Titel von „Assassin’s Creed“ oder „Tom Clancy’s The Division“ in neuem Licht erstrahlen. Dennoch hat man es in den letzten Monaten mit Fortsetzungen ohne große Änderungen wieder einmal etwas übertrieben. Nachdem zuletzt „Assassin’s Creed Odyssey“ quasi nur ein Upgrade mit neuer Levelkarte war, könnte nun auch „Far Cry New Dawn“ in die selbe Kerbe schlagen. Ob das Spinoff von „Far Cry 5“ den Kauf lohnt, erfahrt ihr in unserem Test. 

 

Böse Zwillinge und die Apokalypse

 

Nachdem im fünften Teil von „Far Cry“ in einem der Enden alles den Bach runter geht und die atomare Apokalypse jegliches Leben von der Erde fegt, sieht es siebzehn Jahre später schon wieder etwas herzlicher aus. Bunte Blumen zieren die Wälder und Wiesen von Hope County und so langsam beginnt sich auch wieder eine Zivilisation zu bilden, die sich den Lebensraum über der Erde zurückholt.

Hierfür macht sich Thomas Rush per Zug auf den Weg, der als Experte für den Aufbau von Siedlungen und einer Gesellschaft nach der Apokalypse gilt. Leider wird der Zug jedoch von den Highwaymen und ihren beiden psychotischen Anführerinnen Lov und Mickey gestoppt, Thomas Rush entführt und fast keiner der Passagiere am Leben gelassen. Außer euch...

In Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Prosperity stellt ihr euch den Zwillingen entgegen, setzt alles daran Thomas Rush zu befreien und den Frieden in das beschauliche Hope County wieder zurückzubringen.

 

 

Far Cry 5.1

 

Eigentlich könnte man an dieser Stelle einfach auf den Test zu „Far Cry 5“ von vergangenem März verweisen, denn in Sachen Gameplay hat sich eigentlich kaum etwas getan.

Der Shooter spielt sich wie das „Original“ sehr flüssig und bietet ein ordentliches Gunplay. Doch schon zu Beginn gibt es die erste kleine Neuerung. Aufgrund der Apokalypse gibt es nämlich nur noch wenig Material von vor der Atom-Katastrophe, also zimmert ihr euch eine eigene Waffe zusammen. Diese verschießt Sägeblätter, die an Material wie Metall abprallen und somit mehrere Gegner gleichzeitig erwischen können. Aber keine Angst, auch normale Schusswaffen werden recht bald für den Spieler verfügbar.

In „Far Cry New Dawn“ seid ihr – falls ihr das wollt – immer in Begleitung unterwegs. Zu Beginn ist das noch die Unschuld vom Lande, Carmina, die mit dem Einsatz ihrer Pistole und von Dynamitstangen für ordentlich Wirbel sorgen kann. Später könnt ihr noch sieben andere Begleiter freischalten wie das Kampfschwein Horatio, den Shotgun-tragenden Pastor oder Timber den Hund. Dank unterschiedlicher Fähigkeiten unterstützen euch diese Begleiter bei euren Missionen, können allerdings auch sterben. Dann müsst ihr sie innerhalb eines Zeitraums wiederbeleben. Klappt das nicht, müssen sie im Menü mit dem Gebrauch von Rohstoffen wieder zurückgeholt werden. Der Part des Begleiters kann übrigens auch von einem Spieler aus Fleisch und Blut übernommen werden.

Dank der offenen Spielwelt könnt ihr Missionen meist auf unterschiedliche Art und Weise angehen. Ob ihr lieber schleicht und leise eure Gegner erledigt oder mit brachialer Waffengewalt vorgehen wollt, bleibt euch überlassen. Die Wahl eures Begleiters ist hierbei entscheidend, denn während Carminas Finger am Abzug recht locker sitzt, späht Hund Timber die Gegend aus und markiert die Feinde.

Auch das Looten ist wieder ein wichtiger Bestandteil des Spiels, denn ohne Rohstoffe und Materialien sitzt ihr schon recht bald auf dem Trockenen. Dinge wie Medikits, Molotowcocktails oder Dynamit könnt ihr so nämlich „on the fly“ craften. Munition findet ihr entweder beim Durchsuchen von Leichen oder könnt diese bei fliegenden Händlern erwerben, die ihr in der ganzen Spielwelt von Hope County findet.

 

Basisbau als Grundlage

 

Wie schon erwähnt, liegt eure Hauptmotivation für die Reise nach Montana eigentlich darin, dass man den Bürgerinnen und Bürgern beim Wiederaufbau helfen möchte. In der Basis Prosperity braucht man dafür allerdings vor allem das wertvolle Ethanol, auf das aber auch die Highwaymen scharf sind. Während ihr vor allem durch das Einnehmen der gegnerischen Außenposten an das wertvolle Gut kommt, erhaltet ihr dies aber auch für den Abschluss von Missionen.

In insgesamt acht Kategorien könnt ihr Prosperity letztlich aufwerten und zu einer mächtigen Basis machen. Mit der Zeit könnt ihr bessere Waffen herstellen, Fahrzeuge in der Basis kaufen oder ihr verbessert einfach eure Gesundheitswerte. Weiterhin könnt ihr von Prosperity aus mit dem Hubschrauber auf Missionen aufbrechen, in denen ihr ein Paket finden und gegen den feindlichen Ansturm verteidigen müsst.

Wie auch schon in „Far Cry 5“ verbessert ihr euren Charakter dank Vorteilspunkten außerdem in allerlei Perks. Diese Punkte findet ihr in Bunkern oder bekommt sie für den Abschluss von Missionen und Herausforderungen. So tragt ihr schon bald mehr Munition oder Waffen mit euch herum oder nutzt einen Kletterhaken für das Erkunden von Hope County.

Auch allerlei Nebenbeschäftigungen sind wieder mit an Bord. Neben dem Jagen verschiedener Spezis, die aufgrund der nuklearen Strahlung teils seltsame Blüten treiben, oder dem Angeln, könnt ihr die Spielwelt auch mit zahlreichen Fahrzeugen erkunden.

 

 

Ein wunderschöner Fallout!

 

„Far Cry New Dawn“ ist optisch wirklich toll gelungen. Die farbenfrohe Optik passt irgendwie perfekt zu der postapokalyptischen Stimmung und die neonfarbenen Designs der Bösewichte und ihrer Basen sehen einfach cool aus.

In der Spielwelt gibt es allerlei Entdeckungen zu machen, das beginnt bei der abwechslungsreichen Flora und Fauna und endet bei den vielen Ruinen und Gebäuden, die man während seiner Tour durch Hope County entdecken kann. Dank zahlreicher Briefe und Zettel, die ab und zu sogar auf „Far Cry 5“ verweisen, entsteht somit eine gewachsene, lebendige Spielwelt.

Das Gameplay an sich läuft sehr flüssig ab, Ärgernisse wie Ruckler oder nachladende Texturen gab es während unseres Tests nicht zu bemängeln. Die Weitsicht ist mal wieder genial, lediglich die wirklich dumme KI einiger Gegner sorgte für das ein oder andere Kopfschütteln. Weitaus ärgerlicher ist aber die Schießwütigkeit einiger KI-Mitstreiter, die für viele Bildschirmtode sorgte. Carmina hat es nämlich auch nach dem dritten Ableben nicht gelernt, sich nicht mit einem Bison anzulegen. Stirbt man selber währenddessen der KI-Begleiter noch lebt, kann dieser einen wiederbeleben. Die Betonung liegt auf „kann“. Denn aufgrund der nicht vorhandenen Präzision schießen und schlagen diese so oft vorbei, dass es gefühlt eine Ewigkeit dauert bis man von den Begleitern gerettet werden kann.

 

FAZIT: Wenig Neues in Hope County!

 

Das eigentlich recht coole „Far Cry“-Gameplay nutzte sich schon in Teil 5 langsam ab und gewinnt auch in „Far Cry New Dawn“ keinen Innovationspreis. Doch da das Gameplay recht gut poliert wurde und mittlerweile wohl eine der besten Shooter-Mechaniken bietet, ist das spielerisch meckern auf hohem Niveau.

Auch inhaltlich bietet sich ein ähnlicher Ablauf wie schon bei „Far Cry 5“: Außenposten einnehmen, Bunker finden, KI-Begleiter freischalten, Tiere jagen. Abgesehen vom Aufbau der Basis Prosperity bietet „New Dawn“ hier nicht viel Neues und sorgt dafür, dass Spieler des letzten Teils wohl recht schnell gelangweilt sein könnten. Zumindest sind einige der neue Waffen recht einfallsreich gestaltet, dennoch waren während unseres Tests die bewährten Schusswaffen meist effektiver und spaßiger zu spielen.

Ein großer Pluspunkt des Titels ist aber einfach die Spielwelt. Es ist immer was los in Hope County. Hier findet mal eine Schießerei zwischen Highwaymen und anderen Mitbürgern statt, dort verfolgt euch mal ein Wildschwein durch den halben Wald. Dann findet ihr eine Versorgungsladung der Highwaymen und plündert diese oder entdeckt eine kleine Enklave, an deren Lagerfeuer eine junge Frau mit der Gitarre verschiedene Songs spielt. Die Welt von „Far Cry New Dawn“ wirkt einfach unglaublich lebendig und bietet sich als riesiger Spielplatz für allerlei dumme Ideen an. Das ist die Stärke des Spinoffs!