DiRT Rally 2.0 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 14.03.2019 um 11:21

 

Colin McDiRT

 

Nachdem man auf den vorangegangenen Konsolen hauptsächlich über den Asphalt der Formel 1-Strecken gefahren ist, war „Colin McRae Rally“ für die PlayStation im Jahre 1998 eine willkommene Abwechslung. 

Vor allem das Schadensmodell und die realistischen Wettbewerbsbedingungen waren damals sensationell und sorgten dafür, dass der Rally-Sport zu einer festen Institution unter den Rennspiel-Versoftungen wurde.

Nachdem der titelgebende Rally-Star Colin McRae im Jahr 2007 verstarb, wurde der Name der Reihe von „Colin McRae DiRT“ im Jahr 2011 letztlich zu „DiRT“ geändert. Außerdem erweiterte man das Rally-Spiel um Modi wie Gymkhana und einige Minispiele. Mit „DiRT Rally 2.0“ setzt man nun den 2015 veröffentlichten Teil fort, der sich wieder stärker auf den Rally-Sport konzentrieren sollte.

Schon damals konnte man die Renn-Simulation als ein sehr forderndes Spiel bezeichnen, was nur wenig Fehler erlaubt und viel Einarbeitungszeit erfordert hat. Ob die Fortsetzung in eine ähnliche Kerbe schlägt, klären wir in unserem Test.

 

Ich will der Allerbeste sein!

 

Wie in fast jedem Rennspiel gilt es auch in „DiRT Rally 2.0“ euch an die Spitze des Rennsports zu bringen. So beginnt ihr als Nobody in einer der untersten Ligen und könnt nur aus einem begrenzten Lineup an Autos wählen. Dieses besteht anfangs hauptsächlich aus Klassikern wie dem Lancia Stratos. In anderen Klassen gibt es dann aber auch moderne Fahrzeuge wie den Ford Mustang GT4, den Peugeot 208 RC oder einen Rally-tauglichen Opel Adam.

Doch da zunächst Ebbe in der Kasse ist, müsst ihr erst einmal ein paar Rennen gewinnen um euch mit den nötigen Credits zu versorgen. Erst dann könnt ihr euch neue fahrbare Untersätze kaufen, Upgrades für euer Auto erwerben oder euer Mechaniker-Team verbessern.

Letzteres ist im Karriere-Modus ein ganz wichtiges Feature, denn falls - und glaubt mir es wird passieren – euer Auto während einer Etappe Schaden nimmt, muss das gute Stück natürlich wieder repariert werden. Wie im echten Rally-Sport hat eure Crew aber nur eine bestimmte Zeitspanne dafür übrig, so dass ihr euch eventuell sogar zwischen essentiellen Reparaturen entscheiden müsst. Als allerletzte Lösung bleibt dann nur die Aufgabe des jeweiligen Rennens. 

Neben klassischen Rallys in denen ihr gegen die Zeiten eurer Konkurrenten fahrt, könnt ihr außerdem an Rallycross-Wettbewerben teilnehmen. In diesen fahrt ihr auf Rundkursen gegen die Konkurrenz und müsst über mehrere Quali- und Finalrunden bestehen. Zusätzliche Credits könnt ihr euch außerdem in den verschiedenen Herausforderungsrennen verdienen, die täglich, wöchentlich und monatlich getauscht werden. 

 

 

Nach der Karriere...

 

Habt ihr mal keine Lust die Laufbahn eures Fahrers weiterzuverfolgen, könnt ihr euch eure Zeit auch mit anderen Modi vertreiben. Neben Zeitfahren und benutzerdefinierten Rennen, könnt ihr euch außerdem an einer der historischen Rallys versuchen oder ihr geht in der FIA World Rallycross Championship an den Start. 

Letztere konfrontiert euch, wie im vorangegangenen Absatz erwähnt, mit Rundkurs-Rennen gegen mehrere Teilnehmer über verschiedene Phasen wie Quali- oder Finalrunden. Dank der anderen Autos auf der Strecke fliegen hier gerne auch mal Karosserieteile umher, weil man dem Konkurrenten reingefahren ist oder man wird mal von der Strecke gedrängt. Hier kann es also schon etwas zur Sache gehen, aber trotzdem muss man auf den Zustand seines Wagens aufpassen. Außerdem gibt es in diesem Modus den Kniff mit den Joker-Runden, die jeder Teilnehmer fahren muss. Diese bringt das Fahrerfeld wieder näher zusammen, da dieser Streckenabschnitt meist etwas länger als die reguläre Strecke ist.

In Sachen Autoauswahl kann man sich nicht beschweren. Neben den bereits erwähnten, klassischen Fahrzeugen wie dem Mini GT oder dem Audi Quattro, gibt es auch modernere Rallyautos der Marken Skoda, Subaru oder sogar Porsche. Diese unterscheiden sich, abhängig von der Epoche, deutlich in Sachen Handling und Fahrverhalten, optisch kann man die Fahrzeuge aber – abgesehen von mehreren wählbaren Lackierungen – nicht ändern.

 

Ein Fall für den Mechaniker?

 

„DiRT Rally 2.0“ ist auf den ersten Blick ein recht schickes Spiel, welches mit detailreichen und abwechslungsreichen Strecken das Auge verwöhnt und dank dem röhrenden Motorensounds und den gelungenen Soundeffekten echtes Rally-Feeling versprüht.

Die Menüs sind trotz zahlreicher Einstellungsmöglichkeiten an Auto und Steuerung immer sehr übersichtlich, lediglich mehr Erklärungen über die Auswirkungen der Einstellungsänderungen wären wünschenswert. Zwar sind Dinge wie Traktionskontrolle oder ABS auch in normalen Straßenautos heutzutage Standard, aber für Neulinge sind dies trotzdem vielleicht nur kryptische Begriffe.
Apropos kryptische Begriffe: eure Beifahrerin sagt euch die Streckenführung klar und deutlich an, dennoch gilt auch hier die vorangegangene Kritik. Ein Rally-Neuling weiß mit Kommandos wie „Links 3“ oder „120“ nicht gleich etwas anzufangen. Ein paar schöne Tutorialvideos wären hier wirklich prima gewesen.

Das eigentliche Renngeschehen läuft sehr flüssig, hin und wieder wird das Bild, vor allem das Fahrzeug, recht unscharf. Das fällt im Eifer des Gefechts häufig nicht auf, hat man aber mal eine längere Gerade vor sich und Zeit, sich den Wagen mal genauer anzuschauen, kann man das deutlich sehen. 

 

FAZIT: Rally-Referenz mit hohen Anforderungen

 

„DiRT Rally 2.0“ ist unumstritten der beste Genre-Vertreter wenn es um den Rally-Sport auf Konsolen geht. Die realistische Umsetzung mit den vielen Einstellungsmöglichkeiten und den unterschiedlichen Straßen- und Wetterbedingungen macht das Spiel aber zu einem wirklich sehr herausfordernden Titel für Rennspiel-Profis.

Auch wenn man viele Fahrhilfen aktivieren kann, hilft hier kein Bleifuß. Man muss die Streckenführung beachten und das Fahrzeug von jeglichen Hindernissen fernhalten. Denn – und das ist sicherlich einer der größten Kritikpunkte am dem Spiel – die Autos reagieren schon sehr heftig auf kleine Kontakte mit Steinen oder der Streckenbegrenzung. So kann es sogar schon mal zu einem Überschlag kommen, wenn man über einen zu großen Kiesel fährt.

In Kombination mit den wenigen Erklärungen in Sachen Einstellungsmöglichkeiten, macht dies „DiRT Rally 2.0“ also eher zu einem Spiel für Profis. Diese wird auch der Umfang nicht stören, denn mit den ganzen Karriererennen und wechselnden Herausforderungen hat man sicherlich genug zu tun. Aber gegen eine einfache, spielbare Rally-WM wäre jetzt auch nichts einzuwenden gewesen.