Dead or Alive 6 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 12.03.2019 um 10:08

 

Überdrehter Fanservice oder ordentlicher Klopper?

 

Schon der erste Teil von „Dead or Alive“ machte damals mit einem Feature von sich reden, das dem Spieler die Macht über die Brustphysik der Kämpferinnen gab. Über die Jahre hinweg nutzten Koei Tecmo und Team Ninja die große Beliebtheit der Protagonistinnen wie Kasumi, Hitomi oder Helena für Spin-offs zum Prügelspaß und ließen diese zunächst in einem harmlosen Beachvolleyballspiel gegeneinander antreten.

Spätestens jedoch mit „Dead or Alive Xtreme 3“ wurde jeglicher Anspruch über Bord geworfen und somit endete der Titel als plumpe Fleischbeschau mit katastrophalen Minispielen und Fremdscham-Garantie.

Als Teil 6 der Hauptreihe angekündigt wurde, verwunderte es umso mehr, dass Team Ninja offiziell ankündigte, man wolle künftig auf die starke Sexualisierung der Figuren verzichten und vor allem die Brustphysik nicht mehr so unrealistisch gestalten. Dass dies für keine Begeisterungsstürme bei den Fans sorgte, dürfte klar sein.

Aber glücklicherweise hat „Dead or Alive 6“ doch wesentlich mehr Inhalt als den Brustumfang seiner Kämpferinnen zu bieten. Was genau erfahrt ihr in unserem Test!

 

Willkommen zurück!

 

Team Ninja hat sich über die Jahre hinweg eine verschachtelte Story rund um die „Dead or Alive“-Protagonistinnen und Protagonisten ausgedacht und spinnt diese auch im sechsten Teil weiter.

Auch diesmal ist wieder das Unternehmen DOATEC mit Helena Douglas an dessen Spitze involviert, die an einem neuen, ultimativen Kämpfer für das Turnier arbeiten. Aber auch unser Lieblings-Ninja Kasumi ist wieder in die Geschichte involviert, befindet sich zu Beginn der Kampagne allerdings zurückgezogen in ihrem Heimatdorf und vertreibt sich die Zeit mit Kalligrafie. Wie so oft bei Prügelspielen ist die Story etwas skurril und nur der Aufhänger für ordentliche Handkanten-Action...wie sollte es auch anders sein.

 

 

Traditionelles Prügeln

 

Wer bereits Erfahrung mit einem der „Dead or Alive“-Spiele hat, der sollte sich auch in Teil 6 gleich wieder zu recht finden. Neben je einer Taste für Schläge und Tritte erwehrt ihr euch außerdem mit Hilfe einer Block-Taste und einem Button für Wurfaktionen.

In Kombination mit den Richtungstasten lassen sich so variantenreiche Angriffe auf den Gegner starten, dieser kann die Attacken jedoch nicht nur blocken, sondern mit Hilfe eines gut getimten Konters sogar komplett unwirksam machen. Neu ist diesmal die Spezialleiste unter eurem Energiebalken, die sich in zwei Segmente unterteilt und mit Hilfe derer ihr einen ordentlichen Spezialangriff starten könnt.

So füllt ihr diese anhand besonders wuchtiger Angriffe per R1-Button auf und könnt dann in einer Kombo – auch wieder bestehend aus R1-Angriffen – eine mächtige Attacke namens Bruchschlag vollführen.  

Insgesamt könnt ihr aus 26 Kämpferinnen und Kämpfern wählen, unter denen sich allerdings nur zwei Neuzugänge befinden. Nämlich zum einen der Strahlemann Diego und die mysteriöse Nico. Serien-Kenner freuen sich auf das Wiedersehen mit Kasumi, Lei Fang, Brass oder Jack und können in Sachen Kampfstilen wirklich aus dem Vollen schöpfen. Egal ob Wrestlingmoves oder feinste Karateakrobatik, hier sollte für jeden Spielstil etwas dabei sein. 

 

Keine Überraschungen

 

In Sachen Modi bietet „Dead or Alive 6“ traditionelle Kost. Neben klassischen Varianten wie Arcade, Survival, Time Attack oder Offline-PvP, werden euch aber zwei Modi garantiert längerfristig unterhalten.

Zum einen ist dies der Story-Modus, der euch unzählige Kämpfe mit einer der 26 Figuren bietet und die Kapitel in Haupt- und Nebenmissionen unterteilt. Einige der anwählbaren Abschnitte sind oft auch nur kurze Videosequenzen, die die Geschichte der Figuren weitererzählen.

Etwas fordernder dürfte für viele Spielerinnen und Spieler aber DOA-Quest sein. In diesen 104 Herausforderungen müsst ihr Kämpfe unter bestimmten Bedingungen gewinnen. So gilt es eine gewisse Anzahl an Schaden mit einer Combo zu machen, den Gegner mit einer bestimmten Angriffsart zu treffen oder ihn innerhalb eines Zeitlimits zu schlagen. Belohnt wird jede Herausforderung mit maximal drei Sternen, je nachdem wie ihr euch angestellt habt.

Langweilt ihr euch alleine zuhause, kann man außerdem in einem Online-Ranglistenkampf antreten und sich mit anderen „Dead or Alive 6“-Spielern weltweit messen. Für Neulinge gibt es allerlei Tutorials, die die Besonderheiten des Titels gut erklären.

In der DOA Central habt ihr nicht nur Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank über Figuren und deren Hintergründe, weiterhin kann man hier seine Kämpferin bzw. seinen Kämpfer individualisieren. Leider ist dieses Feature etwas krude geraten, da man sich in den unterschiedlichen Modi Kleidungsteile erspielt, die dann wiederum für das Freischalten des eigentlichen Kostüms genutzt werden können. 

 

 

 

Hübsche Polygone

 

„Dead or Alive 6“ ist grafisch eine Bombe. Vor allem die Figuren samt ihrer Animationen sind fast schon Genre-Referenz und können durch die Bank weg überzeugen. Das beginnt mit den feinen Gesichtern und endet bei den vielen Details an der Kleidung der Kämpferinnen und Kämpfer. Im Zusammenspiel mit den variantenreichen Kampfstilen und den daraus resultierenden Bewegungsabläufen entsteht hier ein wirklich stimmiges Gesamtbild. Dinge wie verschmutzte Kleidung, verletzte Gesichter oder sich öffnende Haarfrisuren bei harten Schlägen setzen dem Ganzen die Krone auf. Wie von Team Ninja angekündigt, wurde die ausufernde Brustphysik etwas eingedämpft, auch die Kostüme enthüllen nicht mehr ganz so viel nackte Haut. Allerdings gibt es immer noch Höschenblitzer und für Kämpfe unpassende, tief ausgeschnittene Outfits.

Die Stages und Kampfarenen könnten etwas mehr Abwechslung bieten. Zwar gibt es einige Level mit überraschenden Momenten – Stichwort Krake oder Flugsaurier – diese sind aber leider eher Mangelware. Dafür bietet aber fast jede Stage zumindest interaktive, zerstörbare Objekte oder eingreifende Zuschauer, die auch gerne einmal kampfbestimmend sein können.

Die Musik von „Dead or Alive 6“ bietet das, was man von einem japanischen Fighting-Game erwartet. Also eine Mixtur aus treibenden Rock- und Elektroklängen, die manchmal hinter der ganzen Kampfhektik verschwinden. Dafür ist aber die Sounduntermalung der Prügeleien, also die Effekte von Schlägen, Tritten & Co. richtig wuchtig.

 

FAZIT: „Dead or Alive 6“ macht den Konkurrenten Druck

 

Team Ninja ist mit dem sechsten Teil der „Dead or Alive“-Reihe ein echter Kracher gelungen. Sowohl die Optik und Inszenierung als auch das grandiose, flotte Kampfgeschehen machen sicherlich jeden Prügelspiel-Fan glücklich.

Die detailreiche Grafik samt ihrer Effekte wie der Verschmutzung oder der Verletzung der Kämpferinnen und Kämpfer ist in Verbindung mit den grandiosen Animationen der Figuren aktuell sicherlich Genre-Referenz. Da kann kein „Street Fighter“ oder „Soulcalibur“ mithalten.

Dass man neuerdings auf den überzogenen Fanservice der Vorgänger verzichtet, ist löblich, allerdings kommt Team Ninja nicht ganz ohne diesen aus. Dennoch steht er nicht mehr so über allem wie noch bei Teil 5 in dem es wirklich pornöse Kostüme gab und man sich schon fragen musste, wer da noch auf die Kämpfe achtet.

Zwei kleine Kritikpunkte gibt es allerdings. Zum einen könnte man etwas mehr Umfang bieten. Sowohl die Story als auch die Quest-Herausforderungen unterhalten zwar für einige Stunden, bleiben aber spielerisch recht abwechslungsarm. Das andere Manko ist die fragwürdige Freischaltungs-Politik des Spiels. Warum kann ich nicht gezielt mit einem Charakter dessen Outfits freispielen? Beende ich zum Beispiel den Arcademodus mit Lei Fang, möchte ich kein Kostüm für Brass erhalten. Das wirkt seltsam und aufgesetzt und soll wohl zum Kauf von Outfit-DLCs verleiten.

Trotzdem ist „Dead or Alive 6“ sicherlich eines der besten Fighting-Games dieser Generation und eine absolute Empfehlung wert!