Wargroove [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 07.02.2019 um 10:46

 

Rundentaktik

 

Rundenstrategie-Spiele gehören auf Konsolen eher zu den Nischentiteln und schaffen es selten, die Massen zu begeistern. Auf Nintendo-Plattformen hat sich aber vor allem die „Wars“-Reihe in die Herzen der Spieler taktiert, besonders mit dem Release von „Advanced Wars“ für den Game Boy Advance. Die folgenden DS-Teile etablierten die Serie schließlich auch im Westen und wurden zu großen Erfolgen für Entwickler Intelligent Systems.

Leider gibt es seit 2008 zu der Serie rein gar nichts zu berichten, Fans hoffen aber bei jeder Nintendo Direct auf einen neuen Ableger für die Switch. Immerhin kommt nun ein ähnlich gelagertes Spiel namens „Wargroove“ für die Nintendo-Plattform heraus, versetzt euch aber in ein Fantasy-Setting mit Rittern, Drachen und Burgen. Ob der Titel mit der Kult-Reihe mithalten kann, lest ihr in den folgenden Zeilen.

 

Ein Königreich in der Krise

 

Nachdem der König hinterhältig ermordet wurde, verfällt das Königreich Kirschenstein ins Chaos und ein Krieg bricht aus. Gleich vier verschiedene Fraktionen kämpfen um die Vorherrschaft über das Reich und es liegt nun an euch, wen ihr bei diesem Vorhaben unterstützt. Die eigentliche Thronanwärterin Marica, die Legion von Höllheim, die Floraner oder das Reich von Himmelsang? 

 

 

Zug um Zug

 

„Wargroove“ ist zunächst ein ganz klassisches Rundenstrategie-Spiel, in dem ihr Zug um Zug mit eurer Armee auf dem Spielfeld plant und möglichst wenige Verluste hinnehmen solltet.

Eure Armee wird dabei immer von einem Kommandanten angeführt, der recht mächtig ist, viel einstecken, aber auch viel austeilen kann. Außerdem kann dieser nach einer gewissen Anzahl von Zügen seine Wargroove-Attacke ausführen, die von Figur zu Figur – es gibt über ein Dutzend Kommandanten – verschieden ist. Marica heilt zum Beispiel die Einheiten in ihrer Nähe, Emeric stärkt die Abwehrkräfte der selbigen. 

Neben einfachen Fußsoldaten gibt es Bogenschützen, Pikeniere oder berittene Soldaten, die entweder mit regulären Angriffen die Feinde schwächen oder mit kritischen Attacken ordentlich austeilen können. Letztere aktivieren sich immer unter verschiedenen Bedingungen automatisch, so sind die Angriffe von Bogenschützen wesentlich effektiver, wenn man die Einheit vorher nicht bewegt hat. Praktischerweise informiert euch vor dem eigentlichen Angriff eine Anzeige darüber, wie hoch der ausgeteilte und der erlittene Schaden sind.

 

Über Stock und Stein

 

Nicht nur die vorgegebenen Zug-Reichweiten bestimmen eure Bewegungen über das Spielfeld, auch das jeweilige Terrain beeinflusst das Verschieben der Einheiten. So verlangsamen Gewässer zum Beispiel die Bewegungen, schickt ihr einen eurer Spürhunde auf einen Berg vergrößert sich automatisch dessen Reichweite und der „Fog of War“ lichtet sich wesentlich schneller. 

Auf den Karten findet ihr häufiger Gebäude, die entweder verlassen sind und von euch eingenommen werden können oder vom Feind bereits in Anspruch genommen wurden. Durch Angriffe könnt ihr diesen daraus vertreiben und das Haus zurückerobern. Diese Gebäude sind sehr wichtig, denn dadurch erhöht sich der Goldbetrag, den ihr pro Zug gutgeschrieben bekommt.

Das Gold gebt ihr dann in der Kaserne aus, in der ihr weitere Einheiten verpflichten und im laufenden Kampf einsetzen könnt. Bei den Missionen geht es aber nicht nur um die Vernichtung der gegnerischen Armee, ab und zu müsst ihr auch Zivilisten retten. Hierfür gibt es dann zum Beispiel einen Pferde-Karren, der diese schneller in die sichere Zone transportieren kann.

Später kommen auch noch fliegende Einheiten wie Drachen dazu, die recht mächtig sind und denen unterschiedliches Terrain natürlich nicht so viel ausmacht wie den Boden-Truppen.

Wem die ausufernde Kampagne nicht lang genug ist, kann sich auch noch in einem Arcade- und Puzzle-Modus austoben oder eigene Karten im Editor erstellen. Auch für Multiplayer-Freunde hält „Wargroove“ einiges an Material bereit.

 

 

Advanced Optik

 

Wer „Advanced Wars“ schon einmal gespielt hat, kann sich ungefähr vorstellen wie „Wargroove“ aussieht. Schicke 2D-Pixeloptik auf dem Niveau eines SNES mit charmanten und recht abwechslungsreichen Charakter-Designs. Die animierten Zwischensequenzen sind außerdem mit einer kleinen Portion Humor garniert und immer passend inszeniert.

Für ein Rundenstrategie-Spiel auf Konsole geht die Steuerung absolut in Ordnung, cool wäre auf der Switch eine Unterstützung des Touchscreens gewesen. Während sich die Texte während der Kämpfe im Hintergrund halten, sind die verschiedenen Menüs zu den Einheiten ausufernd und erklären wirklich jedes Detail zu der gewählten Fraktion. 

Auf der Switch lief das Spiel zu jedem Zeitpunkt – egal ob auf dem großen TV oder im Handheld-Modus – einwandfrei. In Sachen Musik fällt „Wargroove“ weder sonderlich positiv noch recht negativ auf. 

Wer kein Profi in diesem Genre ist, hat übrigens die Möglichkeit, viele Parameter des Spiels so zu verändern, dass jede Mission machbar ist. Dies wirkt sich allerdings auf die maximal erreichbaren Sterne in der End-Auswertung aus.

 

FAZIT: Toller Strategie-Spaß für unterwegs!

 

Wenn Nintendo mit der „Advanced Wars“-Reihe schon nicht in die Puschen kommt, kann man sich nun wenigstens mit Chucklefishs „Wargroove“ Rundenstrategie auf die Switch holen.

Dabei setzt das Spiel auf viele variantenreiche Einheiten, Herausforderungen und Missionen und macht es mit den vielen skalierbaren Einstellungsmöglichkeiten auch Neueinsteigern mit dem Rundenstrategie-Genre leicht.

Dazu kommt eine schöne Retro-Pixeloptik, die mit dem typischen Charme des „Stardew Valley“-Entwicklers garniert ist und die natürlich auch für die vielen, deutlichen Parallelen zu Nintendos Kriegs-Sim sorgt. 

Wer also aktuell auf der Suche nach einem umfangreichen Rundenstrategie-Spiel ist, sollte sich „Wargroove“ mal anschauen. Schon alleine die Kampagne sorgt für stundenlange Unterhaltung, dank Editor, Multiplayer-Modus und Zusatz-Modi wie Arcade kann man hier sicherlich nicht meckern.