Resident Evil 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 03.02.2019 um 16:04

 

Schaurige Tradition

 

Nachdem Capcom im Jahr 1996 das Genre der Survival Horror-Spiele mit „Resident Evil“ revolutionierte, legte man zwei Jahre später noch einmal eine Schippe drauf und erschuf mit „Resident Evil 2“ ein absolutes Kultspiel.

Mit einer weitläufigeren Levelstruktur und fieseren Gegnern terrorisierte der Titel unzählige Spieler und schuf obendrein mit spielbaren Zusatzcharakteren wie Tofu ikonische Videospiel-Momente. Umso verwunderlicher war es, dass Capcom vor einigen Jahren fast alle Teile der Reihe in aufpolierten HD-Fassungen herausbrachte, man aber zu Teil 2 schwieg.

Als man dann die Bombe platzen ließ und ein Remake von „Resident Evil 2“ ankündigte, war die Freude bei den Fans umso größer. Nach fast vierjähriger Wartezeit hat uns Capcom nun mit dem Release von „Resident Evil 2“ erlöst und anscheinend einen ganz neuen Standard für Remakes gesetzt. Warum das so ist, lest ihr in unserem Test.

 

Welcome to Raccoon City – Home of Umbrella

 

Mit diesen vertrauten Worten werdet ihr nach den ersten Spielminuten von „Resident Evil 2“ empfangen. Im Spiel selber begleiten wir zwei Hauptfiguren, nämlich Leon S. Kennedy und Claire Redfield durch ihre Geschichten. Während letztere auf der Suche nach ihrem Bruder Chris ist, der im örtlichen Polizeirevier arbeiten soll, hat Leon dort eigentlich seinen ersten Dienst als Polizist noch vor sich. Doch die ausgebrochene Zombie-Epidemie macht den beiden einen gehörigen Strich durch die Rechnung und schickt sie auf eine Höllentour durch Massen Untoter und konfrontiert sie mit weitaus stärkeren, mutierten Wesen.

 

 

Zombie-Makeover

 

Während es sich bei den bisherigen Neuauflagen von klassischen „Resident Evil“-Spielen meist um HD-Versionen handelte, die nur auf technischer Seite überarbeitet wurden, bekam „Resident Evil 2“ das komplette Makeover spendiert.

So steuert ihr die beiden Hauptfiguren durch eine direkte Analogsteuerung und auch die festen Kameraperspektiven mussten einer dynamischen Thirdperson-Ansicht weichen. Dennoch bleiben viele Gameplay-Inhalte die gleichen. Die Mischung aus Rätsel- und Actioneinlagen hält sich ungefähr die Waage, so benötigt ihr für das Freischalten neuer Wege meist irgendwelche Teile oder Schlüssel, die ihr dann erst einmal suchen müsst. Auf dieser Suche begegnet man den verwesenden Untoten oder anderen schreckenerregenden Gestalten, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen. 

Während ihr regulären Zombies meist sogar aus dem Weg gehen könnt und so wertvolle Munition spart, verlangen schnelle Feinde wie die Zombie-Hunde oder die grausamen Licker eure vollste Aufmerksamkeit. Da letztere auf Geräusche reagieren, solltet ihr leise an ihnen vorbeischleichen. Den vollen Terror entfalten dann aber Gegner wie der unbesiegbare Mister X, der euch kaltschnäuzig verfolgt und den es abzuhängen gilt.

Sollten die normalen Zombiemassen doch mal zu viel werden, könnt ihr diese neuerdings durch das Abschießen von Gliedmaßen außer Gefecht setzen und somit zumindest stark verlangsamen. Ein nettes Gimmick!

Eine weitere, spannende Neuerung: Fenster können nun mit Holzplanken vernagelt und somit unliebsame Eindringlinge von außen ferngehalten werden. 

 

Wie früher...

 

Ein klassisches Element der Serie ist die Knappheit eures Inventars. Zwar findet ihr über das Spiel verteilt mehrere Taschen um dieses zu erweitern, dennoch müsst ihr eure Items gut verwalten und euch meist auf das Nötigste beschränken. Glücklicherweise findet ihr in jedem Speicherraum – übrigens mit der guten alten Schreibmaschine – auch immer wieder eine große Kiste, in die ihr eure Sachen packen könnt. 

Apropos Speichern: früher habt ihr noch Farbbänder zum Abspeichern benötigt, dies ist zumindest in den beiden unteren Schwierigkeitsgraden nicht nötig. 

Während man sich in der Polizeistation und den anderen Levelabschnitten bewegt, könnt ihr jederzeit auf eine Karte zurückgreifen, die euch meist einen recht guten Überblick über noch zu erledigende Aufgaben oder vergessene Items informiert. Habt ihr einen Raum komplett erledigt, wird dieser blau hinterlegt. Bei einer roten Einfärbung habt ihr dort irgendetwas übersehen. 

Wie oben schon erwähnt, ist die Munition recht knapp bemessen. Wer hier also im Rambo-Stil durch die Gänge ballert, wird ganz schnell an seine Grenzen stoßen. Für den bleilosen Kampf gibt es noch Messer, aber auch diese nutzen sich mit der Zeit ab. In der Polizeistation sind aber auch andere Waffen wie eine Shotgun, Granaten oder ein Raketenwerfer versteckt.

Sollte euch einmal ein Zombie an den Hals gefallen sein und eure Gesundheit dezimiert haben, könnt ihr euch durch den Einsatz von Kräutern wieder heilen. Diese können in Kombination zu effektiveren Heilmitteln gemischt werden, gleiches gilt für gefundenes Schießpulver das ihr so für unterschiedliche Waffen nutzen könnt.

 

Rätsel machen Zombies keinen Spaß

 

Neben den ganzen Auseinandersetzungen mit Zombies und anderen mutierten Geschöpfen, müsst ihr euch in „Resident Evil 2“ auch den eigenen Kopf zerbrechen. So fordern euch zahlreiche Rätsel- und Puzzleeinlagen immer wieder heraus.

Neben zu knackenden Schlössern und Safes gilt es verschiedene Schlüssel oder Schlüsselkarten zu finden oder Embleme in bestimmte Halterungen zu setzen. Diese Elemente sind meist recht gut erklärt und sehr schlüssig aufgebaut. 

Die Kampagne von „Resident Evil 2“ sollte mit beiden Charakteren zweimal gespielt werden, da man erst nach dem Finale von Story B das richtige Ende des Spiels sieht. Dabei unterscheiden sich die beiden Varianten nicht nur in der Platzierung der Gegner voneinander, auch Rätsel gestalten sich anders und es gibt einen zusätzlichen Bossfight. 

Das Spiel hält außerdem 81 Herausforderungen bereit, die euch bei Erledigung einige Boni gewähren. Neben Konzeptskizzen und Charakter-Modellen kann man aber auch neue Waffen bzw. unendliche Munition oder neue Spiel-Inhalte freischalten. Es gibt also einiges zu tun, womit man sich nicht an der relativ kurzen Spielzeit einer einzelnen Kampagne stören sollte. 

 

 

Miss Zombie Universe 2019

 

„Resident Evil 2“ ist ein unglaublich hübsches Spiel geworden, das den Grusel und den Horror der Endzeit-Stimmung dadurch perfekt transportieren kann. Angefangen bei den tollen Charaktermodellen mit ihrer überzeugenden Mimik und Gestik hin zu der perfekten Lichtstimmung des Spiels. Selten waren dunkle Gänge so gruselig und unheilvoll wie hier.

Auch in Sachen Detailgrad kann man nicht viel meckern. Die Umgebung ist mit vielen Objekten ausgestattet, so dass man nie das Gefühl hat, dies wäre künstlich erzeugt. Da liegen umgeworfene Stühle am Boden, die Wände sind blutverschmiert oder es stehen Putzwägen in den Gängen herum. Auch über die Details der Feinde kann man häufig nur staunen. Selten haben Zombies so verwest und untot ausgesehen wie in diesem Remake. Generell sind die Gore-Effekte schon sehr explizit und wirken natürlich durch den hohen Detailgrad und die gute Grafik gleich nochmal brutaler als sie eh schon sind.

In Sachen Sounddesign untermalt Capcom aufkommende Bedrohungen und Gegnerkontakt perfekt mit düsteren Klängen. Der pure Horror sind aber vor allem die Soundeffekte, die einem in so manch dunklem Gang den Puls in die Höhe schießen lassen. Da knarzt es hier einmal, dann fällt dort irgendwas um. Brrrrr.... 

Auch die Sprachausgabe in Deutsch ist gelungen. Wobei die Sprecher der englischen Variante meiner Meinung nach ein bisschen besser auf die Charaktere passen. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Ruckler, nachladende Texturen oder unschöne Grafikeffekte sind eigentlich nie aufgefallen. Die Standard-PS4 wird aber recht laut beim Spielen und stört so die Atmosphäre in ruhigen Momenten etwas.

 

FAZIT: So macht man Remakes im Jahr 2019!

 

Wie schon „Resident Evil 2“ aus dem Jahr 1998 wird auch das 2019er Remake in die Videospiel-Geschichte eingehen. Denn Capcom zeigt hier auf beeindruckende Art und Weise wie man ein Spiel als Remake bearbeitet und zeitgemäß präsentiert.

Egal ob in Sachen Technik- oder Gameplay-Anpassungen, kaum ein Aspekt des Originals wurde zum Schlechten hin verändert. Es gibt sinnvolle Neuerungen wie das Karten-Feature mit der Farbhinterlegung oder das gezielte Abtrennen von Gliedmaßen um die Zombies zu stoppen.

Natürlich gab es inhaltlich ein paar kleine Änderungen zum Original(so finden Szenen wie im Waffenladen zu einem anderen Zeitpunkt im Spiel statt) und auch der direkte Bezug zu Teil 1 fehlt irgendwie, aber dennoch fühlt sich das Erlebnis „Resident Evil 2“ recht rund an.

Nach dem großartigen „Resident Evil 7“, welches die Reihe mit der Ego-Ansicht wieder zu alter Stärke gebracht hat, fühlt sich auch das Remake von Teil 2  einfach toll an. Wenn Capcom diesen Weg mit der Survival Horror-Serie beibehält, stehen Fans rosige Zeiten bevor.