The Hong Kong Massacre [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 28.01.2019 um 10:30

 

Es war einmal der Actionfilm

 

Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er kamen nicht nur aus Hollywood aufregende Action-Blockbuster. Auch die britische Kolonie Hong Kong machte mit ihren Filmen auf sich aufmerksam und setzte in Sachen stylisher Inszenierung einen oben drauf.

Allen voran stand John Woo, der sich mit Filmen wie „Bullet in the Head“ oder der „A Better Tomorrow“-Reihe ein Denkmal setzte und dessen Stil Einfluss auf zahlreiche künftige Regisseure und Filmschaffende hatte. Aber auch in Sachen Videospielen merkte man John Woos Einfluss deutlich, so zum Beispiel an den Zeitlupe-Sequenzen in „Max Payne“. Beim PS3-Titel „Stranglehold“ haben er und Chow Yun-Fat sogar namentlich mitgewirkt. 

Nun erscheint mit „The Hong Kong Massacre“ ein Spiel, welches dem Hong Kong-Kino huldigen und an die großen Momente dieser Filme erinnern will.

 

Blutige Rache!

 

Die Story von „The Hong Kong Massacre“ passt auf einen Bierdeckel. Denn in der Rolle eines ehemaligen Polizisten ballert ihr euch im Jahr 1992 durch Horden an bösen Triadenbuben und wollt somit den Tod eures Partners rächen.

Die Geschichte wird in vielen kurzen Videoausschnitten und anhand von Gesprächen mit einem Barkeeper erzählt, lässt den Spieler aber zu Beginn noch etwas im Unklaren, da vieles noch recht zusammenhanglos wirkt.

 

 

Hotline Hong Kong

 

Spielerisch erwartet euch bei „The Hong Kong Massacre“ im Grunde ein „Hotline Miami“-Klon, der um eine Zeitlupen-Funktion ergänzt wurde. Während ihr euch also mit dem linken Stick durch die Level aus der Topdown-Perspektive bewegt, nehmt ihr mit dem rechten Stick eure Gegner ins Visier. Den Abzug betätigt ihr dann mit dem R2-Button während ihr mit dem L2-Button die Slo-Mo aktiviert.

Die Benutzung der Zeitlupenfunktion kostet zwar Energie, allerdings lädt sich dieser Balken recht schnell wieder auf. Wollt ihr es ganz stylish, weicht ihr während der verlangsamten Zeit mit Hilfe des R1-Buttons den feindlichen Geschossen aus und schießt euch so elegant und ohne Gegentreffer durch die feindlichen Horden. Wie in „Hotline Miami“ sterbt ihr übrigens schon beim ersten Treffer durch einen Feind. Also Obacht!

Nach einigen regulären Level-Abschnitten erwartet euch jeweils ein Bossfight, der es in sich hat. Habt ihr ein Level erfolgreich gemeistert, bekommt ihr je nach Sterne-Wertung – diese werden für verschiedene Kriterien wie Zeit, Nutzen der Slo-Mo usw. vergeben – die Möglichkeit, eure Waffe zu upgraden oder neue Schießeisen zu kaufen.

Habt ihr in den Level mal keine Lust mehr auf eure aktuelle Waffe, könnt ihr von Gegnern fallengelassene Pistolen, Shotguns oder MPs aufnehmen.

 

Blutrausch im Neonlicht

 

„The Hong Kong Massacre“ präsentiert sich in einer düsteren Optik, die aber mit allerlei Lichtspielereien und Effekten aufgehübscht wird. Zwar sind die Level nicht sonderlich abwechslungs- bzw. einfallsreich, dennoch gefallen die vielen zerstörbaren Objekte wie Türen, Fenster oder Kisten und die damit einhergehenden Partikeleffekte. Durch diese erkennt man hin und wieder aber die gegnerischen Geschosse nur schlecht.

Die Animationen der Figuren gehen in Ordnung, die elektronische Musik treibt euch immer wieder zu neuen Versuchen an. Dennoch fehlt dieser die Genialität eines „Hotline Miami“ und manche Tunes wirken etwas fad. Dafür kann man aber über die Soundeffekte nicht meckern. Diese sind wuchtig genug und wirken ganz wie aus einem Actionfilm.

In Sachen Steuerung muss sich das Spiel aber einiges an Kritik anhören. Das gilt sowohl für die unglückliche Tastenbelegung – vor allem die der Schultertasten – als auch für die Präzision des Zielens mit dem rechten Stick. Will man während der Zeitlupe einer Kugel ausweichen und zurückschießen, bricht man sich leicht mal die Finger. Außerdem vermisst man eine Funktion mit der man die Kamera, zumindest mal ein paar Meter, vom Protagonisten wegbewegen kann, um in die anderen Räume zu blicken. Das würde die Übersichtlichkeit wesentlich verbessern.

 

 

FAZIT: Eher ein kleines Delikt statt ein Massaker!

 

Ich weiß nicht, ob sich „The Hong Kong Massacre“ einen Gefallen damit getan hat, sich so stark am Spielkonzept von „Hotline Miami“ zu orientieren. So gefällt auf der einen Seite zwar die Zeitlupenfunktion des Spiels, auf der anderen Seite wirken „Neuerungen“ wie die Bossfights zu gezwungen und unpassend.

In Sachen Akustik und Optik kann man nicht groß meckern, wenn man die Größe des schwedischen Entwicklerstudios VRESKI bedenkt. Aber leider macht einen hin und wieder die Steuerung einen Strich durch die Rechnung und nervt vor allem mit ihrer blöden Tastenbelegung. Und warum sind die Videosequenzen so verpixelt? Soll das ein Stilmittel sein oder sind die Videos einfach schlecht komprimiert worden?

Fans des Kong Kong-Kinos und von anspruchsvollen Spielen sollten „The Hong Kong Massacre“ mal eine Chance geben. Ob es Spielerinnen und Spieler abseits dieser Vorlieben anspricht, ist unklar. Mit ein bisschen mehr Politur hätte aus dem Shooter ein kleiner Geheimtipp werden können.