Onimusha: Warlords [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 24.01.2019 um 14:54

 

Back to the 90s

 

Zum Ende der 1990er Jahre war Capcom ein sehr großer Player im Videospiel-Business. Neben Weltmarken wie „Resident Evil“ erschuf man weitere Spiele, die sich einem ähnlichen Konzept bedienten. So schoss oder prügelte man sich zum Beispiel auch in „Dino Crisis“, „Devil May Cry“ oder „Onimusha“ durch vorgerenderte Level. Auch Inhalte wie eine feste Kameraperspektive oder die umstrittene Panzersteuerung waren prägend für diese Art von Spielen.

Der erste Teil von „Onimusha“ bekam nun eine Neuauflage spendiert, die um einige Komfortfunktionen erweitert wurde. Damals machte die Serie vor allem mit ihrem tollen Setting im feudalen Japan auf sich aufmerksam aber auch durch die Beteiligung von Schauspieler Takeshi Kaneshiro und später Jean Reno. 

Wie gut das Actionspiel gealtert ist und ob man „Onimusha: Warlords“ auch heute noch empfehlen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Rette die Prinzessin!

 

Der grausame Feldherr Nobunaga schlägt im Japan des 16.Jahrhunderts so etliche Schlachten und sorgt dafür, dass das Land nicht zur Ruhe kommt. Doch eines Tages wird er vom Samurai Samanosuke endlich erledigt und so erhofft man sich eine ruhige und friedliche Zukunft.

Doch keiner hat die Rechnung mit dem Dämonen Fortinbras gemacht, der Nobunaga wiederbelebt und mit ihm die Macht in Japan an sich reißen will. Hierfür braucht er außerdem Prinzessin Yuki, die Opfer eines grausamen Rituals werden soll. Nun ist es an Samanosuke und seiner Gehilfin Kaede, die Prinzessin zu retten und Nobunaga sowie den Dämonenlord in die Hölle zurückzuschicken.

 

 

Gameplay anno 2001

 

Wie weiter oben bereits erwähnt, basiert das Spielprinzip von „Onimusha: Warlords“ auf „Resident Evil“. Das heißt ihr steuert euren Charakter durch vorgerenderte Levelabschnitte und müsst dabei eine feste Kameraperspektive und immer wieder wechselnde Richtungseingaben in Kauf nehmen.

Allerdings hat man nun zumindest die Wahl, ob man Samanosuke bzw. Kaede mit der etwas umständlicheren Panzersteuerung oder anhand einer direkten Steuerung mit dem Analogstick durch die Level manövrieren will. Dies ist ein erheblicher Gewinn an Komfort!

Hauptfigur Samanosuke setzt sich mit einem Schwert gegen seine Feinde zur Wehr und kann im Laufe des Spiels auf mehrere Schnittwaffen zurückgreifen. Dank des Oni-Handschuhs kann er mit den element-verstärkten Waffen auch magische Angriffe auf seine Gegner loslassen und so zum Beispiel die Kraft von Feuer oder Wind nutzen.

Diese Attacken verbrauchen allerdings Oni-Energie, die ihr durch die von Feinden hinterlassenen Seelen aber wieder auffüllen könnt. Das Aufsammeln dieser Orbs geschieht durch Halten des Kreis-Buttons und wird unterbrochen, wenn euch Feinde angreifen. 

Kaede hingegen setzt auf ein Kurzschwert und keinerlei magischen Attacken. Dafür stehen ihr schon zu Beginn Wurfmesser zur Verfügung, Samanosuke hingegen muss den Bogen und die Pfeile erst finden.

 

Samanosuke 2.0

 

Der Samurai hat außerdem den Vorteil, dass man seine Waffen während des Spielverlaufs verbessern kann. Denn neben gelben(für die Lebensenergie) und den blauen Orbs(für die bereits erwähnte Oni-Energie) hinterlassen Gegner nämlich auch rote Seelen, die ihr an den entsprechenden Oni-Spiegeln – die gleichzeitig auch als Speicherpunkt dienen – für Waffenupgrades einsetzen könnt.

Besonders zu erwähnen ist hier, dass man jede Waffe in zwei Kategorien aufleveln kann, einmal der Stärke und einmal der Sphärenenergie. Letzteres braucht man um manche Türen öffnen zu können und benötigt hin und wieder etwas Seelen-Grinden.

Neben Verbesserungen an den Waffen kann man aber auch gefundene Kräuter zu Medizin machen oder normale Pfeile in Brandpfeile verwandeln. Andere wichtige Zusatzobjekte wie Leitern findet ihr häufig in Kisten in der Nähe des Einsatzortes. 

Überall in den Levelabschnitten wie dem Palast oder dem zugehörigen Garten findet ihr recht häufig Truhen, die euch mit Zusatzitems versorgen. Aber auch Rätselkisten haben die Entwickler versteckt, deren Lösung euch mit besonderen Items belohnt.

Neben all der Action werden aber auch eure grauen Gehirnzellen immer wieder mal gefordert. Manche Puzzles, wie das mit der Wasserfalle, werden in Kombination mit dem Zeitdruck ganz schön schweißtreibend und sorgen für den ein oder anderen Knoten im Gehirn. 

Spielenswert ist auch die Dämonendimension, zu der ihr nach einer gewissen Zeit Zutritt erhaltet. Dort kämpft ihr euch durch mehrere Gegnerwellen und erhaltet nicht nur Seelen, sondern auch besondere Items.

 

 

Zeitlose Grafik

 

Spielerisch passt es bei „Onimusha: Warlords“ schon einmal. Doch wie sieht es denn grafisch aus? Immerhin stammt das Spiel aus dem Jahr 2001. Doch wir können Entwarnung geben. Die Neuauflage der Samurai-Action protzt sicherlich nicht mit superhochauflösenden Texturen, aber alles in allem ergibt es ein stimmiges Gesamtbild.

Während die Figuren schön modelliert sind – die manchmal recht starr schauenden Augen mal ausgenommen – gefallen außerdem die Animationen der Figuren mit ihren flüssigen Abläufen.

Die vorgerenderten Hintergründe sehen auch gut aus, die Integration einer direkten Steuerung hat uns außerdem sehr gut gefallen. Bei der Darstellung des Bildausschnittes hat man außerdem die Wahl zwischen dem Original-Format 4:3 und 16:9. Grafisch merkt man lediglich den Zwischensequenzen ihr Alter an, hier äußert es sich vor allem am Charakterdesign.

Der größte Kritikpunkt bei „Onimusha: Warlords“ ist aber die feste Kameraperspektive. Kann man dies bei kleineren Arealen und wenig Gegneraufkommen noch verschmerzen, stören diese bei Bosskämpfen oft den Ablauf. Vor allem sind die ständigen Wechseleien dann ärgerlich wenn der nächste Bildausschnitt nur einen kleinen Teil des Levels zeigt und man sowieso ständig hin- und herwechseln muss. Dass man dies für eine Neuauflage natürlich nicht ändern kann, ist uns aber auch bewusst.

 

FAZIT: Gut gealterter Klassiker!

 

„Onimusha: Warlords“ ist erstaunlich gut gealtert. Die Optik wurde an den nötigen Stellen etwas aufgefrischt und das actionreiche Gameplay mit den vielfältigen Schwertern überzeugt auch heute noch. 

Hinzu kommt ein Setting, das man in den letzten Jahren nur selten gesehen hat, außerdem gefallen das Monsterdesign und die stimmungsvolle Umsetzung der Geschichte. Auch wenn man über die Unübersichtlichkeit, die durch die ständig wechselnde Kameraperspektive entsteht, meckern kann und das Handling der Menüs auch nicht mehr zeitgemäß ist, muss man Capcom für diese Neuauflage nur loben und hoffen, dass man ganz schnell auch noch die Nachfolger solch einer Frischzellenkur unterzieht. Und vielleicht sieht man ja sogar irgendwann einmal einen neuen Teil auf den Konsolen.

„Onimusha: Warlords“ bietet kurzweiligen Spaß - die Kampagne kann man locker in vier Stunden oder weniger beenden -  und ist seine knapp 20,-€ allemal wert. Und jetzt entschuldigt mich, die Prinzessin braucht meine Hilfe!