Senran Kagura Burst Re:Newal [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 18.01.2019 um 12:31

 

Fragwürdiger Spaß

 

Die „Senran Kagura“-Reihe ist mittlerweile mit einem recht fragwürdigen Ruf verbunden. Begonnen hat alles mit mehreren Brawlern für den Nintendo DS bzw. 3DS, inzwischen ist man aber vornehmlich auf den großen Konsolen unterwegs. 

Während Fans mit einigen Mangas und Anime-Serien bedient wurden, geriet die Spiele-Reihe immer mehr in den Fokus von Kritikern. Denn auch wenn die Figuren schon seit Teil 1 recht jung wirken und mit riesigen Brüsten inszeniert wurden, haben es Spiele wie „Senran Kagura Pebble Beach Splash“ auf die Spitze getrieben und die Figuren für ihr Alter einfach zu sexualisiert dargestellt. 

Erstmals in der Geschichte der Serie fielen nun auch Inhalte des hier getesteten „Senran Kagura Burst Re:Newal“ auf der PS4 der Zensur-Schere zum Opfer. Und das vollkommen zu recht! Denn der entfernte Intimacy Modus war vor allem zum Begrapschen der Figuren  da und das ist im Jahr 2019 weit entfernt von okay!

Kann die Neuauflage des 3DS-Spiels trotz der Skandale spielerisch überzeugen oder ist der Titel die Berichterstattung gar nicht wert? Lest es in unserem Test.

 

Harrietta Hotter

 

An der Hanzo National Academy werden nicht nur Schüler zur Elite des Landes ausgebildet, es gibt auch eine geheime Shinobi-Klasse, die eine Handvoll Mädels zu gnadenlosen Killermaschinen ausbildet. 

Während ihr euch mit den alltäglichen Erlebnissen eines Schülerlebens herumschlagen müsst(erste Liebe usw.), machen euch die Mädchen der konkurrierenden Hebijo Schule die Ausbildung zum Shinobi schwer. In zahlreichen Kämpfen messt ihr euch mit deren besten Schülerinnen und schlüpft dabei in die Rolle der verschiedenen Kämpferinnen samt ihrer Spezialfertigkeiten.

 

 

Von 2,5 zu 3D

 

Das Original von „Senran Kagura Burst Re:Newal“ war eigentlich ein klassischer 2,5D-Brawler, die vorliegende PS4-Version wandelt das Geschehen aber in eine 3D- bzw. Thirdperson-Ansicht um und erinnert so häufig an die Omega Force-Spiele wie „Dynasyt Warriors“. In den relativ kurzen Missionen stellt ihr euch meist mehreren Gegnergruppen nacheinander oder einer speziellen Kämpferin gegenüber und müsst diese lediglich besiegen.

Dabei gibt euch das Spiel meistens vor, welche der Schülerinnen ihr zu spielen habt. Am besten kamen wir mit Asuka zurecht, da ihr Moveset am flüssigsten zu beherrschen ist und man so in einen guten Kampf-Flow kommt. Für die Auseinandersetzungen habt ihr die Wahl aus einem leichten und einem schweren Angriff, zusätzlich dazu lassen sich gegnerische Attacken blocken. Schafft ihr es einen Feind in die Luft zu wirbeln, könnt ihr ihm hinterher eilen und noch im Fliegen mit weiteren Attacken einzudecken. 

Die Besonderheit von „Senran Kagura Burst Re:Newal“ sind hier aber die einsetzbaren Shinobi-Fähigkeiten bzw. der Burst-Modus. Die Verwandlungssequenz zum Shinobi – die denen aus „Sailor Moon“ gleicht – startet ihr mit dem Druck auf den L1-Button in Kombination mit einem Aktionsknopf. Für den Burst-Modus müsst ihr vorher die entsprechende Leiste durch genügend erfolgreiche Attacken auffüllen. Dann reicht aber ein Druck auf L2 und so könnt ihr euren Gegner mit schnellen und wuchtigen Schlägen eindecken.

 

Leveln & Umziehen

 

Eure Shinobi-Kriegerinnen könnt ihr durch das Meistern der Missionen mit Erfahrungspunkten aufleveln und so das Bewegungsrepertoire stets erweitern. Außerdem bekommt ihr Ingame-Währung für das Abschließen von Missionen, die ihr im Shop in allerlei Accessoires investieren könnt.

Denn neben der ganzen Kämpferei könnt ihr eure Damen optisch komplett verändern. Neben der Kleidung, die von traditionellem Yutaka bis hin zu knappen Bikinis reicht, kann man die Kämpferin auch mit Items wie Brillen oder Hasenohren ausstatten. Auch Haarstil und –farbe lassen sich verändern und anpassen. Die eigenen Outfits können außerdem abgespeichert werden.

Im Ingame-Shop findet ihr aber nicht nur Items, Kleidung und Accessoires, auch Bilder und Musikstücke können dort gekauft werden. Stichwort Bilder: längere Story-Abschnitte abseits der Intros und Outros für die Kämpfe werden leider nur über sehr fade Texttafeln erzählt. Hier gibt es weder irgendwelche Entscheidungsmöglichkeiten noch eingeblendete Figuren. Meist müsst ihr auf ein lahmes Hintergrundbild starren.

Im sogenannten Ninja Room, der euch Zugriff auf die oben genannten Inhalte gibt, könnt ihr außerdem aus den drei Handlungssträngen Ultimate Shadows, Burst und Ice Queen wählen. Während es sich bei letzterem um einige Bonus-Missionen handelt, erzählt Ultimate Shadows lediglich die eigentliche Hauptgeschichte Burst aus der Sicht der Hebijo Schule.

 

 

Technik, die entgeistert

 

Für das Jahr 2019 ist „Senran Kagura Burst Re:Newal“ kein besonders hübsches Spiel. Es dürfte kaum überraschen, dass man zwar viel Aufmerksamkeit auf die Gestaltung der weiblichen Figuren und deren Brustphysik - die aber eher an Wackelpudding erinnert -  gelegt hat als auf detaillierte Hintergründe oder überzeugende Effekte. Auch die Kameraführung lässt einen trotz Aufschaltfunktion von Feinden häufig mal im Stich und dreht sich wie eine betrunkene Ballerina. 

Leider scheint man sich auch mehr Gedanken darüber gemacht zu haben, wie man den Protagonistinnen plump unter den Rock oder in den Ausschnitt schauen kann als darüber wie man ansprechendes Missionsdesign vollbringt. Natürlich erwartet man von einem Brawler keine spielerische Innovation, dennoch hätte man mit ein bisschen mehr Abwechslung definitiv punkten können.

Angesichts der eher mauen Optik läuft das Spiel aber immerhin recht flüssig. Dennoch ärgert man sich einfach über Unzulänglichkeiten wie die oben erwähnten Texttafeln und fühlt sich in das Jahr 2006 zurückversetzt als man mit dem Platz auf einer Spiele-Disc noch etwas haushalten musste.

 

FAZIT: Pubertäres Geplänkel mit mangelhaftem Kampfsystem

 

„Senran Kagura Burst Re:Newal“ schafft es leider in fast kaum einem Punkt zu überzeugen. Brawler sind an sich nichts Schlechtes, aber die Geschichte um die rivalisierenden Shinobi-Schulen kann zu keinem Zeitpunkt überzeugen oder mitreißen.

Das Kampfsystem und dessen Qualität hängen stark von der gewählten Figur ab und da es in einigen Missionen Pflicht ist mit Charakter XY zu spielen, können diese oft zu einem wahren Frustfest werden. Das mache ich fest an der Figur von Ikaruga, die mit einem langen Säbel kämpft und diesen nach einigen Schlägen einfach wieder wegsteckt. So kann kein flüssiges Kampfsystem entstehen, außerdem bin ich während dieser Animation wehrlos den Attacken der Gegner ausgesetzt. Was soll das?
Das größere Ärgernis ist aber sicherlich die pubertäre Inszenierung des Spiels. Als erwachsener Mann fühle ich mich recht unwohl, wenn ich den recht jungen Damen beim Verwandeln zuschauen muss. Sind einige der Sequenzen noch auf einem normalen Niveau a la „Sailor Moon“, will ich keines der Mädels mit gespreizten Beinen sehen. Auch wenn die entsprechenden Stellen mit Leuchteffekten unterlegt sind, ist das einfach zu viel des Guten. Der Wegfall des Intimacy Modus’ ist kein Beinbruch, immerhin kann man den Mädels ja vor dem Start der Mission im Frantic Modus noch die Kleider vom Leib reißen. Dann sind sie schneller und stärker, aber auch eher verwundbar nur in ihrer Unterwäsche bekleidet...autsch. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln!

Würde man ein paar mehr Ressourcen in die Verfeinerung von Gameplay und Missionsdesign stecken, und keine so vielen fremdschämigen Momente einbauen, könnte „Senran Kagura Burst Re:Newal“ recht unterhaltsam sein, so ist es aber nur eine...