Monster Boy and the Cursed Kingdom [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.12.2018 um 12:50

 

Wunderjunge in der Monsterwelt 

 

Jetzt wird es verwirrend, denn sowohl bei „Monster World“ als auch bei „Wonder Boy“ handelt es sich um die gleiche Videospiel-Reihe. Zunächst begann alles als reiner, spielerisch limitierter Arcade-Titel in dem man mit dem Höhlenjungen Wonder Boy ganz klassisch die Freundin aus den Klauen böser Buben retten musste. 

Mit Teil 2 setzte man dann aber auf das Konzept eines Action-Rollenspiels und gab dem Helden nicht nur unterschiedliche Waffen sondern auch hilfreiche Items zur Hand. Schließlich wurde dann mit der Heimumsetzung von „Wonder Boy III“ ein bis heute verwendetes Feature eingeführt, nämlich die Transformation in andere Lebewesen.

Mitte der 1990er und mit dem Aufkommen der 32 Bit-Konsolen verschwand die Serie im Niemandsland, hat aber in den vergangenen Jahren wieder vermehrt an Aufmerksamkeit bekommen. Vor allem das Remake von „Wonder Boy III: The Dragon’s Trap“ sorgte mit seiner liebevollen Umsetzung für Begeisterungsstürme.

Doch nun erscheint mit „Monster Boy and the Cursed Kingdom“ ganz offiziell ein neues Spiel der Reihe, das viele der alten Entwickler um sich schart, aufgrund von Lizenz-Problemen aber mit einem neuen Titel auf den Markt komme muss.

 

Der spinnerte Onkel!

 

Nach einem schicken Anime-Intro samt energiegeladenem Song schlüpft ihr in die Rolle von Jin. Eigentlich lebt ihr ein recht beschauliches Leben in einem nicht näher benannten Königreich, doch leider ist euer Onkel Nabu immer wieder für Ärger zu haben. So auch an diesem Tag...

Denn dieser fliegt auf einem Fass sitzend unaufhaltsam durch das komplette Land und treibt mit einem Zauberstab allerhand Schabernack. Irgendwie scheint er die Kraft des Stabes so gar nicht unter Kontrolle zu haben und so verwandelt er fast alle Menschen an denen er vorbeikommt in Tiere. Nur die magischen Kugeln können diesen Fluch wieder beheben und müssen nun von Jin, also euch, gefunden werden.

 

 

Tierisches Action-RPG

 

Zunächst beginnt ihr in der Rolle von Jin und könnt euch dank Schwert und Schild recht komfortabel Feinden wie Krabben oder feuerspeienden Blumen entgegenstellen. Erledigte Gegner hinterlassen Münzen für die ihr in den Shops in der Spielwelt einkaufen könnt oder Herzen, die eure Energieleiste wieder auffüllen.

Schon im ersten Abschnitt werden der Rollenspiel-Aspekt und die Metroidvania-Elemente deutlich als ihr euch schwere Stiefel kaufen müsst, um unter Wasser an eine Schatzkiste zu gelangen. Dies zieht sich durch das komplette Spiel so dass ihr schon in den ersten Welten immer wieder zu Bereichen kommt, zu denen ihr in einer anderen Gestalt zurückkehren müsst.

Recht schnell verwandelt euch euer Onkel Nabu nämlich in ein Schwein, welches Geheimnisse erschnüffeln kann und mit einer mächtigen Stampfattacke Feinde betäubt oder Schalter auslöst. Später im Spiel verwandelt sich Jin noch in eine flinke Schlange, eine Eidechse und einen Löwen.

Um euch gegen die meist tierischen Feinde zu wehren, müsst ihr jedoch nicht nur auf die jeweiligen Fähigkeiten eurer aktuellen Gestalt zurückgreifen. Relativ schnell im Spiel schaltet ihr nämlich allerhand Fertigkeiten frei, die euch bei den Kämpfen unterstützen. Dabei verschießt ihr mal Feuerbälle, werft mit einem Bumerang auf Gegner oder frittiert diese mit Hilfe eines mächtigen Blitzes. Diese Fertigkeiten können aber immer nur so lange benutzt werden bis deren Vorrat aufgebraucht ist. Entweder füllt ihr diesen wieder in einem der Shops auf oder sammelt von Feinden hinterlassene Vorräte.

 

Wunderschöne Fantasy-Welt!

 

Schon zu Zeiten des Master Systems glänzte die Reihe mit einer sehr bunten Optik und einer guten Spielbarkeit. Und genau das bekommen Spieler von „Monster Boy and the Cursed Kingdom“ auch hier geboten.

Durch die vielen Ebenen bekommt das Action-Rollenspiel einen großartigen Tiefeneffekt, den die bunte und detaillierte Optik gleich noch einmal unterstreicht. Die Figuren sind wunderschön gezeichnet und toll animiert, gleiches gilt für die Feinde und Endbosse. Egal ob im TV- oder Handheld-Modus der Switch, das Spiel lief immer flüssig und mit einer tollen Auflösung.

Musikalisch setzt man auch hier auf klassische Töne. Kein Wunder, denn Großmeister Yuzo Koshiro(u.a. „Streets of Rage“) war unter anderem daran beteiligt. Die Steuerung, egal ob mit JoyCon oder Pro Controller, gefiel zu jedem Zeitpunkt des Tests mit guter Erkennung der Eingaben, was bei einigen Sprungpassagen und getimten Attacken bei Bossen definitiv nötig ist. Toll!

 

FAZIT: Mehr Wunder als Monster

 

„Monster Boy and the Cursed Kingdom“ überzeugt eigentlich von Minuten 1 an mit seiner guten Spielbarkeit, der wunderschönen Optik und dem charmanten Retro-Gameplay. 

Durch die verschiedenen Formen, die Jin im Verlauf des Spiels annimmt und die immer wieder abwechslungsreichen Level und Gegnertypen kommt nicht so schnell Langeweile auf, ganz im Gegenteil. Auch das Besuchen schon erforschter Gebiete aufgrund neu erlernter Fähigkeiten wirkt nicht erzwungen und ist durch ein komfortables Teleportationssystem auch nicht sonderlich zeitaufwendig. Da wurde gut mitgedacht! 

Ein paar kleine Minuspunkte gibt es für so manchen Gegnertyp, den man gerade zu Beginn nur schwer ausschalten kann und der für einige Bildschirmtode sorgt und für einige knallharte Rätseleinlagen. 

Dennoch muss man Entwickler Game Atelier für „Monster Boy and the Cursed Kingdom“ ein dickes Lob aussprechen, da man den Geist der Originale perfekt eingefangen und mit modernen Elementen vermischt hat.