Darksiders III [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 01.12.2018 um 15:04

 

Ambitioniertes Projekt

 

Als „Darksiders“ im Jahr 2010 für PS3 und Xbox 360 erschien, sprachen viele Pressestimmen von einem „The Legend of Zelda“-ähnlichem Spielerlebnis und so schoss die Erwartungshaltungen gegenüber dem Action-Adventure ins Unermessliche.

Letztlich war „Darksiders“ ein recht gutes Spiel mit einem frischen Setting und wurde im Jahr 2012 mit dem zweiten Teil fortgesetzt. Nach der Insolvenz und den damit erst einmal nicht mehr verfügbaren Lizenzen THQs, verschwand auch „Darksiders“ vorerst von der Bildfläche, bekommt nun aber endlich seinen dritten Teil spendiert.

Da die Veröffentlichungen der beiden Vorgänge schon ein paar Jahre zurückliegen und die Story von „Darksiders III“ schon sehr auf diesen aufbaut, kann man sich übrigens für die aktuelle Konsolengeneration beide Spiele in einer überarbeiteten Fassung besorgen. So müsst ihr nicht bei Punkt Null starten und gerade ein bisschen Vorkenntnis setzt der Beginn von „Darksiders III“ schon voraus.

 

Die apokalyptische Reiterin

 

Krieg hat versagt. Denn Krieg hat die sieben Todsünden auf die Welt losgelassen und damit das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle völlig durcheinandergebracht. In der Rolle der Wut, Fury, ihres Zeichens Reiterin der Apokalypse, werdet ihr nun vom Feurigen Rat beauftragt, die Todsünden unschädlich zu machen und müsst euch nun auf eine Reise über die zerstörte Erde begeben. Doch nicht nur die Todsünden wollen euch Böses...

 

 

„Dark Souls“ light

 

Schon in den ersten Minuten macht „Darksiders III“ klar, dass es sich hierbei um ein waschechtes Action-Adventure im klassischen Stil handelt. Neben zwei Buttons für Angriffe, eine Sprungtaste und eine Möglichkeit, Feinden auszuweichen bzw. diese in den Fokus zu nehmen, hinterlassen eure getöteten Gegner auch Seelen.

Diese sogenannten Seelen-Lurcher sind in unterschiedlichen Farben vorhanden. Während die blauen Lurcher eure Währung ähnlich From Softwares „Dark Souls“-Reihe darstellen, bekommt ihr durch grüne Lurcher Gesundheit aufgefrischt. Die gelben Seelenlichter füllen dagegen eure Zornesleiste auf, die ihr per Druck auf L1 und R1 nutzen könnt und somit zu einem mächtigen Angreifer werden. Seid ihr im direkten Gefecht mit einem Feind und weicht dessen Angriff im rechten Augenblick aus, wird eine kurze Zeitlupe aktiviert in der ihr besonders mächtige Attacken austeilen könnt.

Fury setzt auf eine klingenbehaftete Peitsche, die euch aber auch als Hilfe beim Überqueren von Schluchten und Abgründen dienen kann. 

Weitere Merkmale sind vier verschiedene Kräfte, die ihr im Lauf des Spiels erwerben könnt und die euch auch jedes Mal andere Levelabschnitte zugänglich machen können. 

 

Vier Mächte

 

Diese zusätzlichen Kräfte nehmen Bezug auf Eis, Blitz oder Feuer und statten euch auch mit anderen Waffen wie einer Wurfklinge aus. Außerdem könnt ihr dann zum Beispiel per Magnetkraft an einer Wand haften und euch als Kugel bis zu einem anderen Abschnitt der Welt rollen.

Neben allerlei Rätseln in der Spielwelt findet ihr auch immer wieder Abkürzungen, so dass „Darksiders III“ From Softwares gnadenloser Action-Rollenspiele-Reihe gleich noch einmal ähnlicher wird. Im Zusammenspiel mit dem Kampfsystem, vielen fordernden Gegnern und dem Seelensystem – die übrigens nach einem Ableben auch wieder eingesammelt werden wollen - wirkt das Spiel fast schon wie ein Abklatsch dieser Serie. Aber eben nicht so gut. Vor allem bei der Konfrontation mit den Gegnern wirkt THQ Nordics Action-Adventure bei weitem nicht so ausbalanciert wie der Konkurrent, zu häufig sind diese unfair platziert und fallen euch in den Rücken. Auch der viel zu stark schwankende Grad an Härte der Feinde wirkt zufallsbasiert und nicht durchdacht. 

Als Orientierung in den Levels dient übrigens lediglich ein Kompass, der euch die Richtung zum Boss oder dem Ausgang der Welt anzeigt. Auf eine Minimap oder ähnliches verzichtet man komplett.

 

 

Technik aus der Hölle

 

Nicht nur die vier apokalyptischen Reiter kommen direkt aus dem Fegefeuer, auch die technische Seite von „Darksiders III“ scheint direkt aus der Heimat des Teufels zu stammen. Und hier muss man wieder den Vergleich zu „Dark Souls“ ziehen. Denn wenn ein Titel einen entsprechenden Schwierigkeitsgrad bieten und den Spieler damit fordern will, muss man auch dafür sorgen, dass Dinge wie Framerate und vor allem Präzision stimmen. Und hier muss man „Darksiders III“ leider jegliche Qualitäten absprechen. 

Während schon im Startlevel, das grafisch nichts wirklich besonderes darstellt, Framerate-Einbrüche und Ruckler zum Alltag gehören, nervt die Steuerung mit ihrer Ungenauigkeit. Exakte Sprünge von einer Kante auf den Gegner? Unmöglich. Erkennen der Tasteneingabe für einen Doppelsprung? Anscheinend nicht nötig. 

Hinzu kommt noch eine bockige Kamera, die euch vor allem in Gebäuden und Räumen jegliche Übersichtlichkeit nimmt und so für unnötige Bildschirmtode führt. 

Generell leidet die Grafik von „Darksiders III“ an einer unglaublichen Ödnis auf dem Bildschirm, was sicherlich auch etwas dem Stil des Spiels geschuldet ist, aber in Verbindung mit den vielen Rucklern hinterlässt die technische Seite dieses Vollpreis(!)-Titels keinen guten Eindruck.

 

FAZIT: Möchtegern-„Dark Souls“ ohne Seele

 

Auch wenn sich die bisherigen „Darksiders“-Spiele an gängiger Action-Adventure-Kost orientiert haben, waren sie immer sehr charmant inszeniert und sehr einfallsreich. Was THQ Nordic bei der Entwicklung von „Darksiders III“ aber zu solch fragwürdigen Design-Entscheidungen wie der großen Nähe zu „Dark Souls“ getrieben hat, bleibt fraglich. 

Generell ist gegen das fordernde Spielkonzept der From Software-Spiele nichts einzuwenden, aber bei Genre-Kollegen wie „Lords of the Fallen“ hat man bereits gesehen, was eine unsaubere Technik mit solch einem Spiel anstellen kann. Und auch „Darksiders III“ trifft ein ähnliches Schicksal. So merkt man bereits beim ersten Bossfight, dass die ungenaue Steuerung im Zusammenspiel mit dem hohen Schwierigkeitsgrad noch für einiges an Frust sorgen wird und so ist es letztlich dann auch. Hinzu kommen die bereits angesprochenen Unsauberkeiten wie Ruckler und eine öde gestaltete Spielwelt. 

Auch der Einstieg für Serien-Neulinge ist nicht gelungen, da man auf eine Zusammenfassung der Ereignisse aus den beiden Vorgängern verzichtet. „Darksiders III“ ist bei weitem kein Totalausfall und hat auch seine guten Seiten. Aber in Monaten in denen die Konkurrenten „Red Dead Redemption 2“, „Diablo III“ oder „Battlefield V“ heißen, muss man sich schon mehr einfallen lassen um den Spieler an das Pad zu holen.