Pokémon: Let's Go, Evoli! [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 21.11.2018 um 12:45

 

Pokémon-Evolution

 

Als im Jahr 1996 das erste „Pokémon“-Spiel in Japan für den Game Boy erschien, rechnete wohl niemand mit dem großen Erfolg der Reihe. Neben Anime und Manga folgten weitere Videospiel-Umsetzungen der Taschenmonster-Hatz, bisher aber immer nur für die tragbaren Plattformen Nintendos oder in Form von „Pokémon GO“ für Android- und iOS-Geräte.

Doch ein richtiges „Pokémon“-Rollenspiel für Konsolen wie den Gamecube, das N64 oder die Wii? Fehlanzeige. Diese Konsolen wurden höchstens mit einem Spin-Off abgespeist in denen man auf Foto-Safari ging oder sich die beliebten Pocket Monster in einer Arena prügelten. Warum man bei Nintendo bisher auf ein ausgewachsenes „Pokémon“-Spiel für die stationären Plattformen verzichtete, weiß wohl nur der Videospiel-Gott. 

Doch die Gebete der Fans wurden wohl erhört, denn im Jahr 2019 erscheint nicht nur ein „Pokémon“-RPG für die Switch, mit „Pokémon: Let’s Go, Evoli & Pikachu!“ kommt kurz vor dem Weihnachtsgeschäft zumindest die Neuauflage eines Klassikers auf die Hybrid-Konsole.

 

Ich will der Allerbeste sein...

 

In dem beschaulichen Städtchen Alabasta in der Region Kanto beginnt eure Karriere als Pokémon-Trainer eines schönen Tages. Nachdem ihr euch einen Charakter erstellt und sowohl euch als auch euren besten Freund benannt habt, bekommt ihr von Professor Eich euer erstes Pokémon. 

In unserer Evoli-Version des Spiels bekommen wir das titelgebende Taschenmonster, Käufer der Pikachu-Variante erhalten natürlich den gelben Kugelblitz. Ab diesem Tag macht ihr euch auf durch die Region Kanto, sammelt und bekämpft dabei allerlei Pokémon und gebt euer Bestes um bald der größte Pokémon-Trainer der Welt zu sein. Gefahr droht dabei vor allem durch Team Rocket, die euch und den Pokémon nichts Gutes wollen. 

 

 

...wie keiner vor mir war...

 

Vergleicht man die ersten „Pokémon“-Spiele mit späteren Ablegern wie zum Beispiel den „Sonne/Mond“-Teilen fällt doch stark auf wie sehr man immer mehr Inhalten in die Rollenspiele gepackt hat. Während die Spielmechanik recht gleich blieb, konnte man in „Pokémon Mond“ allerhand Dinge nebenher anstellen und irgendwie fühlte man sich an eine Mischung aus „Animal Crossing“ und „Pokémon“ erinnert.

„Pokémon: Let’s Go, Evoli!“ fügt sich irgendwo dazwischen ein und nimmt außerdem Elemente von „Pokémon GO“ mit in das Spiel auf. Während man sich in den Kämpfen immer noch mit dem bewährten Schnick Schnack Schnuck-Prinzip mit Wasser-Pokémons gegen Feuerwesen usw. stellen sollte machen Serien-Kenner aber gleich zu Beginn eine Feststellung.

Denn hat man in den Vorgängern noch in Zufallskämpfen mit anderen Pokémon gekämpft und musste deren Lebensenergie auf ein Minimum reduzieren um diese dann fangen zu können, fällt dieses Element komplett unter den Tisch. Andere Pokémon seht ihr nämlich zu jedem Zeitpunkt und müsst sie nicht mehr bekämpfen, um sie in einen Pokéball stecken zu können. Zwar sind einige stärkere Taschenmonster erst einmal mit Beeren zu besänftigen oder müssen mit stärkeren Pokébällen gefangen werden, aber die Kämpfe vorher fallen weg.

 

...ganz allein...

 

Auseinandersetzungen mit anderen Pokémon gibt es nur noch bei Kämpfen mit Trainern, die entweder in den Arenen oder in der Spielwelt stattfinden. Hierbei kämpfen ein oder mehrere Kreaturen gegeneinander, das erfolgreiche Absolvieren solcher Kämpfe bringen euren Taschenmonstern die entsprechenden Erfahrungspunkte. Aber auch das Einfangen von Pokémon bringt euch XP ein.

Durch das Aufleveln der Pokémon können diese auch neue Fertigkeiten hinzulernen, müssen aber meist im Zuge dessen eine andere Fähigkeit ersetzen. Hier muss man dann abschätzen, welche Fertigkeit gebraucht wird und was die anderen Pokémon in eurem Team können. Eine weitere Taktik-Komponente.

Wie schon erwähnt, fällt das mühsame Schwächen der Monster für den erfolgreichen Fang weg, dieser wird nun durch ein kleines Quicktime-Event ausgeführt. Wie schon in „Pokémon GO“ schaltet das Spiel dabei in die Egoansicht des Trainers und ihr müsst den Pokéball im richtigen Moment auf das Pokémon werfen. Wo wir schon bei dem mobilen Ableger der Spiele-Reihe sind: einige eurer Monster könnt ihr übrigens aus „Pokémon GO“ in „Pokémon: Let’s Go!“ übertragen.

Auch ein Feature aus „Pokémon Sonne/Mond“ hat den Weg in das Switch-Abenteuer gefunden, denn auch hier könnt ihr euer Pokémon dank Touchscreen streicheln oder mit Beeren füttern. 

 

 

...fang ich sie mir...

 

Technisch ist „Pokémon: Let’s Go!“ eines der besten Spiele der Reihe. Qualitativ erinnern die Pokémon an die Modelle aus dem Prügler „Pokémon Tekken DX“, hinzu kommt die schöne Inszenierung der Kanto-Region und der Figuren. Man kann fast sagen, dass die Hardware der Switch für die Darstellung der „Pokémon“-Reihe perfekt ist, denn eigentlich fallen einem kaum negative Dinge an der Optik auf. Zwar wiederholen sich einige Level-Elemente und Figurenmodelle hin und wieder, aber gerade die Sonneneinstrahlung im Wald und die dadurch entstehenden Schatten oder die detailreiche Ausstattung der Gebäude sehen einfach toll aus.

Ladezeiten sind auch kaum vorhanden, trotzdem könnte man gerade beim Betreten von Häusern gerne darauf verzichten. Sind gerade viele Pokémon in der Natur unterwegs kam es im mobilen Modus außerdem zu einigen Rucklern. 

Leider verzichtet man bei „Pokémon: Let’s Go!“ komplett auf eine Vertonung der Figuren, lediglich die Pokémon geben ihre typischen Geräusche von sich. Spielt man den Titel im stationären Modus führt man alle Bewegungen mit einem JoyCon aus und kann die Pokébälle per Bewegungssteuerung werfen. Hierfür gibt es außerdem einen separat erhältlichen, optionalen Pokéball-Controller. 

 

FAZIT: ...ich kenne die Gefahr!

 

Endlich gibt es mit „Pokémon: Let’s Go, Evoli & Pikachu!“ ein vollwertiges Spiel der Reihe auch mal auf einer großen Nintendo-Konsole. Und auch wenn es sich nur um ein Remake der Gelben Edition handelt und man auf einige Elemente aus den letzten 3DS-Ablegern verzichten muss, kann man seinen Spaß mit dem Switch-Titel haben.

Streitpunkt bleibt sicherlich das heruntergedampfte Fangsystem, das nun auf die vorherige Schwächung des Pokémon verzichtet. Persönlich finde ich dieses Feature begrüßenswert. In Kombination mit den wegfallenden Zufallskämpfen ergibt sich ein weitaus flotteres Gameplay, das einfach Spaß macht. Und die Kämpfe gibt es ja immer noch. Nur eben mit anderen Trainern.

Bis auf die genannten Ruckler läuft das Ganze technisch auch recht gut und präsentiert die Pokémon in einer perfekten Art und Weise. Auch die einfache Handhabung des Spiels mit lediglich dem Analogstick und zwei Tasten sorgt für einen leichten Einstieg und ein schnörkelloses Spielerlebnis. Online oder mit einem Freund auf der Couch könnt ihr außerdem auch zu zweit durch Kanto ziehen und eure Pokémon in unterhaltsame Kämpfe schicken! Alles in allem ist „Pokémon: Let’s Go, Evoli & Pikachu!“ ein guter Start für die Reihe auf der Switch. Somit kann man noch gespannter sein, was Nintendo und Game Freak nächstes Jahr mit dem „richtigen“ Rollenspiel auf die Beine stellen werden.