Battlefield V [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 20.11.2018 um 08:50

 

Electronic Arts vs Activision

 

In Sachen Egoshootern mit Kriegsthematik gibt es eigentlich aktuell nur noch zwei Serien, die wirklich viel Beachtung finden. Während „Destiny“ in seiner eigenen Sphäre schwebt und „Titanfall“ mit Teil 2 grandios – und ganz unberechtigterweise – auf die Nase fiel, schlagen sich nun also „Call of Duty“ und „Battlefield“ um die Gunst der Käufer. Während Activisions Reihe mit jährlichen Updates aber wechselnden Entwicklern und Settings alle zwölf Monate für Rekordumsätze sorgt, erscheinen die Teile der „Battlefield“-Reihe nicht ganz so regelmäßig. 

Auch in Sachen Setting blieben sich die Damen und Herren beim schwedischen Studio DICE immer recht treu, denn entweder beschäftigte man sich mit vergangenen oder recht aktuellen Konflikten. Auch auf Spielereien wie Zombie-Modi oder ähnliches verzichtet man bei der „Battlefield“-Reihe bisher. 

Glücklicherweise geht man auch in Sachen Kampagne einen anderen Weg als die Konkurrenz von „Black Ops“ und Co. denn „Battlefield V“ beinhaltet neben zahlreichen Multiplayer-Inhalten tatsächlich auch noch einen Story-Modus für Offline-Spieler.

 

WWII abseits der Normandie und Berlin

 

In der Kampagne von „Battlefield V“, den sogenannten Kriegsgeschichten, schlüpft ihr diesmal in die Rollen von unbekannteren Figuren des Zweiten Weltkrieges. 

Die bisher drei erhältlichen Stories versetzen euch unter anderem nach Afrika, nach Norwegen und nach Südfrankreich. Vor allem die ersten beiden Kampagnen setzen aber zunächst einen sehr großen Fokus auf Schleichen und behutsames Vorgehen, erst in der Geschichte um die afrikanischen Soldaten, die für Frankreich kämpfen, fühlt sich „Battlefield“ auch danach an. 

In den anderen beiden Kampagnen um einen britischen Straftäter, der aufgrund seines Sprengstoffwissens in eine spezielle Einsatztruppe aufgenommen wird und eine norwegische Widerstandskämpferin geht es aber hin und wieder auch sehr actionreich zu. Spannend wird sicherlich auch die vierte Kriegsgeschichte, die Anfang Dezember veröffentlicht werden soll und sich um einen deutschen Panzerführer dreht. Denn das Thema kann man entweder ordentlich in den Sand setzen oder richtungsweisend inszenieren.

 

 

Shooter de luxe!

 

In seinen Grundzügen handelt es sich bei „Battlefield V“ um einen regulären Shooter mit den üblichen Mechanismen. Während ihr aus unterschiedlichen Schusswaffen wählen könnt, seid ihr außerdem mit Granaten oder Wurfmessern ausgerüstet, für das erfolgreiche Ablenken der Feinde kann man außerdem auf einen Köder zurückgreifen.

Mit dem Fernglas späht ihr gegnerische Lager aus und markiert die feindlichen Soldaten auf eurem Kompass im oberen Bereich des Bildschirms. 

Während ihr euch durch die recht offenen Level bewegt, findet ihr hin und wieder Briefe, die als Sammelobjekte dienen und erledigt Herausforderungen wie „Zerstöre alle rote Fässer“ oder „Erreiche XY unentdeckt“. Das HUD bleibt dabei erfreulich unauffällig und so wird man richtig ins Geschehen reingezogen. Lediglich die Anzeigen für neue Waffen könnten etwas deutlicher sein.

Die Zerstörung von ganzer Level-Architektur führte man damals mit „Battlefield: Bad Company“ ein und hat diese seitdem immer weiter verfeinert. Auch in diesem Teil kann man wieder allerlei Hindernisse mit schlagkräftigen Argumenten zu Staub machen. Gerade wenn man eben noch in einer Baracke Deckung gesucht hat, diese aber wenige Sekunden später von einem Flugzeug weggebombt wurde, ist das schon richtig toll eingesetzt.

Irgendwie widersprüchlich zu der tollen Immersion ist dann aber der Warnhinweis, dass man das Missionsgebiet verlässt und ein Countdown beginnt herunterzuzählen. So kann man zwar auf Schlauchlevel und künstliche Levelbegrenzungen verzichten, allerdings könnte der Hinweis etwas subtiler sein.

 

Multiplayer-Wahnsinn

 

DICE scheint nicht mehr viel davon zu halten, ein Spiel komplett zum Release ins Regal zu stellen. Während man selbst bei der Kampagne noch auf eine Geschichte warten muss, zieht man das auch im Multiplayer-Modus voll durch. So sucht man den angekündigten Battle Royale-Modus noch vergebens, immerhin kann man sich in drei Kategorien aber online bis dahin recht ordentlich austoben.

Während man bei Infanteriefokus(maximal 32 Spieler) in den drei Spielarten Team-Deathmatch, Herrschaft und Frontlinien vor allem mit normalen Fußsoldaten unterwegs ist, ist die Variante „Eroberung“ für bis zu 64 Spieler schon eindrucksvoller. Zwar geht es hier im Grunde auch nur um das Erreichen und halten von Flaggen auf den Karten, allerdings macht die große Zahl von Spielern schon einen Unterschied.

Das Prachtstück von „Battlefield V“ ist allerdings die Spielart „Große Operationen“ in dem es über einen längeren Zeitraum hinweg auf vier Karten und mit bis zu 64 Spielern richtig zur Sache geht.

Auf ein HUB wie in „Call of Duty WWII“ verzichtet man hier, die Charaktererstellung und Individualisierung in Sachen Aussehen und Ausstattung nimmt man hier über ein schlichtes Menü vor. Im Arsenal, dem Ingame-Shop, kann man sich dann für seine erspielten Kompaniemünzen Items kaufen, die Preise dafür finden wir aber recht gesalzen. Hier kommen ganz kurz wieder die negativen Gefühle eines „Star Wars Battlefront II“ zurück. 

 

 

Realistischer Krieg

 

In Sachen Technik und Grafik kann „Battlefield V“ aufgrund der hervorragenden Engine die Konkurrenz locker in die Tasche stecken. Egal ob im verschneiten Norwegen, der kargen Wüstenlandschaft Nordafrikas oder dem satten Grün Südfrankreichs, optisch spielt der Shooter in einer eigenen Liga.

Sind die ersten beiden Kriegsgeschichten oft noch sehr leise und zurückhaltend inszeniert, kracht und scheppert es spätestens beim ersten Einsatz mit den afrikanischen Soldaten und da kommt auch so richtige „Battlefield“-Stimmung auf. Während ihr auf den Stützpunkt der Deutschen zustürmt, fliegen euch die Geschossen und Granaten nur so um die Ohren, überall ist was los. Ein hervorragendes Sounddesign kommt hier noch dazu und lässt eine beklemmende Stimmung aufkommen. Das ist großes Actionkino und zeigt, was die Angestellten von DICE auf dem Kasten haben.

Großes Lob verdient auch die Online-Stabilität, die schon Tage vor dem offiziellen Release einwandfrei war und für ärgerfreie Multiplayer-Unterhaltung sorgte. 

Einige kleine Kritikpunkte gibt es an der Technik dennoch auszusetzen. Denn auf der einen Seite lässt das Filmkorn – welches man zum Glück deaktivieren kann – das Spiel schon sehr unruhig und unschön wirken, auf der anderen Seite hakte es bei einigen Zwischensequenzen hin und wieder merklich. Am nervigsten waren allerdings die Ladezeiten beim Wechsel zurück ins Hauptmenü. 

 

FAZIT: Genre-Referenz mit toller Story

 

Bekommt man in der Regel bei der Kombination der Begriffe „Videospiel“ und „Zweiter Weltkrieg“ schon das pure Gähnen, da man ahnt, wie die Missionen und das Setting aussehen werden, zeigt DICE hier ganz eindrucksvoll wie man es auch anders machen kann. Zwar sind die Einstiege der ersten beiden Story-Kampagnen alles andere als erwartet bei einem Spiel wie „Battlefield V“, aber die frischen Themen machen wirklich viel aus in Sachen Motivation und Spielspaß.

Das alles wird garniert mit einem Multiplayer-Modus, der zwar viel Altbekanntes mit sich bringt, dies aber recht eindrucksvoll und in technischer Perfektion wie sie von allen anderen Online-Spielen wünschenswert wäre. Dank erweitertem Bewegungsrepertoire und den verschiedenen Modi kommt zusammen mit anderen Spielern aus Fleisch und Blut wirklich viel Spaß auf. Toll gemacht, DICE!

Neben den schon angesprochenen, wirklich kleinen Ärgernissen wie langen Ladezeiten muss man sich aber auch bei „Battlefield V“ wieder über einige fehlende Inhalte beschweren. Dies betrifft den eben erwähnten Battle Royale-Modus, aber eben auch die noch nicht verfügbare, vierte Kriegsgeschichte. Wann lernt es EA denn endlich, dass man dem Spieler ein fertiges Spiel zum Release zur Verfügung stellt. Auch die hohen Preise für Banalitäten wie Farben für die Uniform wirken so als hätte es den riesigen Ärger um „Battlefront II“ nie gegeben. Das gibt Abzüge in der B-Note.