Taiko No Tatsujin Drum'n'Fun [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 12.11.2018 um 14:30

 

Trommeln bis der Arzt kommt!

 

Auf der Switch geht es in diesen Tagen echt musikalisch zur Sache. Neben Ubisofts „Just Dance 2019“ oder dem von uns getesteten „Gal Metal“ wirbt auch „Taiko no Tatsujin Drum’n’Fun“ auf der Hybrid-Konsole um die Gunst der Käufer und bietet sicherlich ein sehr außergewöhnliches Erlebnis wenn es um Musikspiele geht.

Denn bei „Taiko no Tatsujin“ wird getrommelt was die JoyCons hergeben. Dabei ist die Spielereihe schon einige Jahre alt und erschien im Jahr 2001 zum ersten Mal in japanischen Spielhallen. Dort fielen die Automaten vor allem mit ihren Trommel-Controllern auf, die zum Spielen einluden. Es folgten viele Umsetzungen auf PS2 oder DS, die entweder mit Zusatzcontrollern in den Handel kamen oder Gebrauch von Features wie Touchscreens machten. In den folgenden Jahren kamen immer wieder Ableger für die aktuellen Konsolen heraus und nun findet das außergewöhnliche Trommelspiel mal wieder seinen Weg nach Europa. Wir testeten die Switch-Version für euch auf Herz und Nieren. 

 

Blau und rot getrommelt

 

Während viele andere Musikspiele auf vier oder gar fünf verschiedene Buttons zurückgreifen, gibt es bei „Taiko no Tatsujin Drum’n’Fun“ eigentlich nur zwei Grundschläge. Denn auf dem Laufband fliegen während der Songs lediglich entweder rote oder blaue Trommelsymbole vorbei. Rot bedeutet dabei, dass man den Stick – links oder rechts hängt von der Markierung auf dem Symbol ab – nach unten auf die vermeintliche Trommel schlagen muss, blaue Symbole bedeuten einen seitlich geführten Schlag. Ist das Symbol größer als normal solltet ihr beide Sticks gleichzeitig zum Schlag bewegen, bei goldenen Symbolen wird getrommelt was die JoyCons hergeben.

Erscheint auf dem laufenden Notenband eine Art unaufgeblasener Luftballon müssen die Sticks wieder so heftig wie nur möglich bewegt werden so dass ihr ordentlich Punkte für den Highscore bekommt.

 

 

J-Pop, Anime-Songs und Klassik

 

Ihr seht also, das Grundprinzip von „Taiko no Tatsujin Drum’n’Fun“ ist also wirklich kinderleicht. Doch die Qualität eines Musikspiels hängt natürlich immer stark von der Auswahl der verfügbaren Songs ab. Und hier bietet das Spiel wirklich eine große Discothek, wenn auch die dargebotenen Songs nicht jeden Geschmack treffen werden.

Die anfangs circa 70 verfügbaren Lieder entstammen nämlich Genres wie J-Pop, Vocaloids, Klassik oder Anime-Titelsongs. So jubeln Otakus bei Titeln wie der Intromusik von „Neon Genesis Evangelion“ oder „Dragonball Z“ und feiern Songs wie „Zenzenzense“ aus dem Anime-Meisterwerk „Your Name“, aber der Otto-Normal-Musikfan wird kaum fündig werden was bekannte Songs betrifft. Einen weiteren Großteil der verfügbaren Tracks machen Original-Songs von Namco und aus deren Spielen aus. Leider muss man aber sagen, dass die Titel meist nur sehr kurz sind und oft schon wieder vorbei sind bevor man so richtig reingefunden hat. Das ist echt schade!

Im eShop kann man bereits Songs nachkaufen, ob Bandai Namco aber je, im Westen bekanntere Hits nachliefern wird, ist unklar.

Während man übrigens jeden Song in vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden spielen kann, belohnt der Titel häufigeres Absolvieren der Tracks mit freischaltbaren Songs.

 

Rhythmischer Spaß

 

Bereits bei „Super Mario Party“ konnte man einen Modus auswählen, in dem es vor allem um Rhythmus ging und man Minispiele damit bestritt. Auch „Taiko no Tatsujin Drum’n’Fun“ bietet eine solche Spielart an und verpackt das alles in einem Party-Modus. Die knapp 40 Minispiele unterteilen sich dabei in drei Kategorien „Versus“, „Koop“ und „Teamversus“ und bieten allerlei abstruse Wettbewerbe in denen man passend zum Rhythmus tanzen, ein Reisbällchen klopfen oder sich die Vorgaben des Sushi-Kochs merken muss, um das passende Gericht zu bestellen.

Auch hier werden die japanischen Wurzeln des Spiels wieder mehr als deutlich, denn die meisten Minispiele haben einen Bezug zur Kultur Japans und glänzen außerdem mit ihrer tollen Optik und den eingebauten Figuren.

Stichwort „Figuren“: Für den regulären Modus könnt ihr aus mehreren Charakteren wählen, die euch alle unterschiedliche Zusatzfähigkeiten verleihen. Während ihr mit den normalen Figuren Don-chan oder Katsu-chan keine besonderen Vorteile habt, bekommt ihr durch das Fuchsmasken-Kind eine Hilfe beim Trommelwirbel.

 

 

Kunterbunt und kulturell wertvoll

 

Wie oben schon kurz angesprochen, ist die Präsentation des Spiels sehr japanisch und hinterlässt mit der Songauswahl ein absolut passendes Gesamtbild. Während ihr auf eurer virtuellen Trommel herumschlagt, passieren nämlich allerlei coole Dinge auf dem Bildschirm. So finden sich japanische Fabelwesen ein und tanzen begeistert zu eurem Rhythmus oder flippen aus, wenn ihr eine besonders gelungene Combo hinlegt. Das nimmt man während des eigentlichen Spiels leider nur wenig wahr, sondern erst, wenn man einmal anderen Spielern zuschaut.

Doch wie genau ist eigentlich die Bewegungssteuerung von „Taiko no Tatsujin Drum’n’Fun“? Tja....schwieriges Thema. Denn auch trotz zahlreicher Kalibrierungseinstellungen verlaufen nur wenige Songs wirklich einwandfrei und ohne ärgerliche Missverständnisse bei der Eingabe-Erkennung. Hat man keine Lust auf das Herumfuchteln mit den JoyCons kann man das Spiel auch per Controller und normaler Tasteneingabe oder per Toucheingabe im Handheld-Modus meistern. Am meisten Spaß macht es – trotz gelegentlicher Ausfälle – mit den JoyCons. Exklusiv über Amazon.de ist übrigens ein Bundle erhältlich, das den regulären Trommelcontroller von „Taiko no Tatsujin“ enthält. 

 

FAZIT: Sehr nischiges Musikspiel mit schweißtreibender Steuerung

 

Während es Rhythmus-basierte Musikspiele aktuell generell eher schwer haben, steht sich „Taiko no Tatsujin Drum’n’Fun“ in vielen Punkten selber im Weg. Sieht man einmal von den gelegentlichen Aussetzern der JoyCon-Steuerung ab und ignoriert die teils doch sehr kurzen Musikstücke, wird nicht jeder mit der kunterbunten Anime-Optik mit starken Japan-Bezug und der entsprechenden Songauswahl glücklich werden. 

Als großer Japan-Fan fand ich persönlich die verfügbaren Titel teilweise echt stark, gerade einige Anime und J-Pop-Songs laden zum Abtrommeln ein. Den Geschmack der breiten Masse wird das Spiel aber definitiv nicht treffen, so viel ist sicher.

Vom Umfang des Spiels kann man nicht meckern so lange man mit jedem der angebotenen Musikgenres etwas anfangen kann, außerdem sind da ja noch die Minispiele, die teilweise wirklich viel Spaß machen. Und da diese nicht alle von Anfang an verfügbar sind, wird man als Komplettist auch einige Zeit damit verbringen können.