Gal Metal [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 02.11.2018 um 10:00

 

Wir machen Musik!

 

Erst mit dem Aufkommen der CD als Datenträger für Spiele kamen die ersten Musik-Games für Konsolen auf den Markt. Während man zu Beginn noch per fadem Tastendrücken auf dem Controller den Beat der Spiele begleitete, fanden nach und nach viele Peripherie-Geräte ihren Weg in das heimische Wohnzimmer. So konnte man schon bald „Dance Dance Revolution“ mit der Tanzmatte zuhause spielen, bevor „Guitar Hero“ und „Rock Band“ mit Plastik-Klampfe bzw. kompletter Band-Ausstattung bis hin zum Schlagzeug euch das virtuelle Rockstar-Leben ermöglichte.

Während der Trend aber im Westen zunehmend in einer Nische versank, sind Musikspiele in Japan auch heute noch sehr beliebt. Vor allem in Spielhallen findet man noch zahlreiche „Bemani“-Vertreter. Doch das Genre versucht immer wieder einmal, sich neu zu erfinden. So wollen Titel wie „Rocksmith“ weg vom klassischen „Drücke Knopf X im richtigen Moment“ und lernen euch das von Grund auf Gitarre zu spielen. In eine ähnliche Richtung geht nun „Gal Metal“ für die Switch, das aber den Fokus auf das Schlagzeug legt.

 

Mit Metal gegen die bösen Aliens! 

 

Die Geschichte von „Gal Metal“ ist schnell erzählt. Als Teil einer Schul-Metalband, die komplett aus Mädels besteht, müsst ihr die Erde vor einer Alien-Invasion retten. Diese wollen unseren Planeten unterwerfen, haben aber nicht mit der Power der Mädchen gerechnet, die schon frühzeitig erkennen, dass man die Extraterrestrischen nur mit Metal-Songs in die Flucht schlagen kann.

Nebenbei müsst ihr euch aber noch um das Sozialleben eurer Protagonistin kümmern und um die seltsame Tatsache, dass plötzlich einer ihrer Mitschüler in ihrem Körper gefangen ist. Klingt wirr? Ist es auch...

 

 

Drum Hero

 

In „Gal Metal“ seid ihr also die Schlagzeugerin der Schulband und könnt somit auf drei unterschiedliche Steuerungsmethoden zurückgreifen. So könnt ihr nicht nur auf die Kommandoeingabe per Touchscreen oder per Controller zurückgreifen, am authentischsten wird es wohl mit abgezogenen JoyCons, die als linker und rechter Drumstick fungieren.

Doch wie weiter oben schon beschrieben, lässt euch „Gal Metal“ nicht schnöde irgendwelche angezeigte Rhythmen nachspielen, sondern fordert euer eigenes, musikalisches Geschick. Zwar könnt ihr bei den Proben verschiedene Taktmuster und Rhythmen einüben, müsst diese aber während der Songs eigenständig anspielen und einbringen. Das ist gelinde gesagt fordernd und für unmusikalische Menschen definitiv ein Argument, das Spiel zu ignorieren.

Leider verzichtet „Gal Metal“ auf einen coolen, eingesungenen Soundtrack. Die 13 verfügbaren Songs sind nämlich nur rockige Versionen von Klassik-Stücken und lassen somit auch Vocals vermissen. 

 

„Persona Metal“

 

Aber „Gal Metal“ beschränkt sich ja nicht nur auf die Musik. Denn nach der Schule könnt ihr aus verschiedenen Aktivitäten wählen, die entweder eure Werte oder die Bindung zu den einzelnen Band-Kolleginnen verbessern.

Dabei habt ihr aber ein gewisses Ausdauer-Level für jeden Tag zur Verfügung, welches sich aber mit jeder Aktivität verringert. Neben normalen Proben alleine oder mit der Band, könnt ihr in verschiedenen Läden abhängen oder trefft eine oder mehrere eurer Band-Kolleginnen beim Nebenjob. Hin und wieder gibt es dann kleine Zwischensequenzen, die in einem charmanten Stil ähnlich eines Puppentheaters erzählt sind.

Seid ihr mit euren Unternehmungen fertig oder ist eure Ausdauer verbraucht, beendet ihr den Tag und kehrt nach Hause zurück. In der Schule selbst werden die Ereignisse mit Hilfe von dynamischen Comic-Panels erzählt, dort chattet ihr immer wieder mal mit euren Kolleginnen am Smartphone und könnt dabei ab und an mehrere Dialogoptionen auswählen.

 

 

Metal-Manga

 

„Gal Metal“ präsentiert sich während der Songs in einem sehr reduzierten Polygon-Look und ist sicherlich kein Augenschmeichler. Zwar ist der Stil sehr stimmig, aber leider ist das Geschehen viel zu statisch und wirkt nur wenig wie eine rockende Metal-Band.

Die reduzierte Art spiegelt sich auch in den Zwischensequenzen in der Schule wieder, vielleicht hätte hier der schon angesprochene Puppentheater-Look aus den Nachmittagsaktivitäten besser gewirkt. 

Aber im Grunde geht es bei solch einem Musikspiel um die Umsetzung der Songs und vor allem darum wie viel Spaß man an den Drums hat. Und hier bewegt sich „Gal Metal“ auf ganz dünnem Eis. Natürlich könnte man das Spiel dafür loben, dass es auf die genre-typischen Einblendungen verzichtet und dem Spieler mehr Freiheiten lässt, aber selbst als erfahrener Musikliebhaber und User anderer Musik-Spiele, gestaltet sich das alles andere als leicht.

„Gal Metal“ braucht viel Eingewöhnungszeit und Übung bevor man etwas richtig gut klingendes zustande bringt. Auch die Musikauswahl trägt nicht unbedingt zu einer seichten Lernkurve bei, denn die klassischen Stücke sind einfach sehr schwierig auf den Drums zu begleiten. 

 

FAZIT: Nur für Profis!

 

„Gal Metal“ verschenkt viel Potential. Denn egal ob die skurrile Story oder die „Nach der Schule“-Komponente, bei der man die Beziehungen zu den Bandkolleginnen pflegen kann, gute Ansätze sind definitiv enthalten. Doch leider krankt das Spiel exakt beim eigentlichen Musik-Inhalt.

Denn weder die klassischen Stücke noch das Schlagzeugspielen selber reißen den Spieler wirklich mit. Viel zu oft verkommt der Sound zu einem Teppich aus Krach und somit fühlt man sich nicht wie ein Rockstar, sondern nur wie ein musikalischer Nichtsnutz. 

Natürlich wäre „Gal Metal“ mit einem klassischen Konzept wie „Taiko no Tatsujin“ nur ein weiteres Musikspiel, aber schon allein aufgrund der anfangs genannten Komponenten wie der Story und anderen Features hätte man sich das ruhig trauen können. In meiner Vorstellung wäre dieser Titel ein traditionelles Musikspiel mit tollen Metalsongs einer fiktiven japanischen Band gewesen, leider ist es das aber letztlich nicht geworden.

Und auch wenn man jetzt denkt, dass es am Unvermögen des Testers lag, einen homogenen Soundteppich zu schaffen: selbst die aktivierte Option, den JoyCon nur hin und her bewegen zu müssen, brachte kein tolles Ergebnis.