The World Ends With You - Final Remix - [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 29.10.2018 um 10:59

 

Das Szeneviertel

 

Shibuya. Ein Viertel Tokyos, das definitiv einen Besuch wert ist. Neben allerlei Shoppingmöglichkeiten, beherbergt es mit der Statue des Hundes Hachiko und der berühmten Fußgänger-Kreuzung zwei Sehenswürdigkeiten, die man bei seinem Trip durch Japan gesehen haben muss.

Durch seine Nähe zu Harajuku und dem Yoyogi-Park – in dem sich zahlreiche Cosplayer und Unterhaltungskünstler einfinden - ist Shibuya außerdem für seine hippe und modische Art bekannt und so sicherlich eines der trendigsten Viertel der Stadt.

In Shibuya spielt aber auch „The World Ends With You – Final Remix“, welches im Jahr 2008 in seiner Ur-Fassung für den Nintendo DS erschien und nun für die Switch in einer überarbeiteten Fassung in den Handel kam.

Ob das Spiel auch zehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch überzeugen kann, verraten wir euch in unserem Test.

 

Neku und die Reaper

 

Unser Held Neku erwacht eines Tages im Tokyoter Stadtteil Shibuya und ist verwirrt. Denn von seiner Umgebung wird er nicht so richtig wahrgenommen, außerdem greifen ihn seltsame Wesen an. Als er auf das Mädchen Shiki trifft, weiht diese ihn in die aktuellen Geschehnisse ein und erklärt ihm, dass sie Teil eines Spieles sind. In diesem müssen sie die sogenannten Reaper innerhalb eines bestimmten Zeitlimits vernichten um so das Spiel zu gewinnen und wieder in ihr normales Leben zurückkehren zu können. Doch dieses Spiel gestaltet sich schwieriger als gedacht...

 

 

Bewegung oder Touch?

 

Fortan bewegt ihr euch also mit Neku und Shiki durch die verschiedenen Viertel Shibuyas und erledigt eure Aufträge. In diesen müsst ihr entweder Reaper töten oder vorher bestimmte Aufgaben erledigen, damit ihr auf den finalen Reaper treffen und eure Mission gewinnen könnt.

Doch wer hier bei dem Wort JRPG an schnöde Rundenkämpfe denkt, irrt sich. Denn „The World Ends With You – Final Remix“ hat ein ganz besonderes Kampfsystem, das ohne einen Touchscreen fast undenkbar wäre. 

Hat man sich beim DS-Original damals nämlich noch mit einer Kombination aus dem Steuerkreuz und dem Touchpen gegen die bösen Reaper zur Wehr gesetzt, offenbart euch die Switch zwei verschiedene Steuermethoden. Spielt ihr den Titel im Handheld-Modus werden alle Bewegungen und Befehle per Touchscreen ausgeführt, was hin und wieder zu etwas Verwirrung führt. Dazu aber später mehr. Wollt ihr das JRPG auf dem heimischen TV genießen, zwingt euch die Switch dazu die JoyCons abzunehmen und auf eine Wii-ähnliche Steuerung zurückzugreifen. Somit nutzt ihr im TV-Modus euren rechten JoyCon wie einen Pointer und zeigt euren Protagonisten an, welchen Feind sie angreifen oder wo sie sich hinbewegen wollen.

 

Gefährliche Pins

 

Nachdem wir uns nun also für einen Spielmodus entschieden haben und in das Abenteuer gestartet sind, widmen wir uns dem eigentlichen Kampfsystem. Dieses basiert auf dem Einsatz verschiedener Pins, die euch die unterschiedlichsten Angriffe ausführen lassen. Nach und nach könnt ihr euer Arsenal an Pin-Waffen aufstocken und somit den Gegnern mit Feuer-, Blitz- oder Stichattacken gegenüber treten.

Wie ihr diese auslöst, hängt von der Art und Weise eurer Bewegungseingabe ab. Ein langes Verbleiben auf dem Screen und gleichzeitiges hin und her bewegen, löst zum Beispiel euren Feuerangriff aus. Tippt ihr die Gegner nur kurz an, werft ihr Blitze auf sie. Dabei ist es wichtig, nicht nur die richtigen Angriffe bei den entsprechenden Gegnern anzusetzen , sondern auch die Waffen abwechselnd zu nutzen, da diese nur eine begrenzte Energie haben. Diese Anzeige füllt sich immer wieder auf, aber trotzdem muss man so ein bißchen taktieren und haushalten. 

Während ihr in typischen JRPGs nur durch Zufallskämpfe auf die Gegner trefft, könnt ihr bei „The World Ends With You – Final Remix“ zu jeder Zeit die Feinde sehen und die Kämpfe ganz bewusst starten. Hierfür müsst ihr nur den Scan-Pin im unteren rechten Eck des Screens antippen und schon schaltet das Spiel in eine andere Ansicht. Hier seht ihr nicht nur die einzelnen Gedanken der Passanten, sondern auch schwebende Tribals. Diese haben unterschiedliche Größen und Farben und unterscheiden so zwischen stärkeren Feinden und wie groß die Gegnertruppen sind.

Habt ihr eure Kämpfe erfolgreich bestritten, levelt ihr sowohl eure Charaktere als auch die Pins auf und werdet nach und nach stärker. In hippen Klamottenläden könnt ihr außerdem hilfreiche Kleidungsstücke kaufen oder ihr versorgt euch bei Imbissbuden mit leckeren Lebensmitteln, die euch verschiedene Boni gewähren.

 

 

Altbackener Stil

 

Zu seinem Release vor zehn Jahren war „The World Ends With You“ ein Styler vor dem Herrn. Neben der coolen Graffiti-Optik mit den sehr lässig gezeichneten Charakteren, war vor allem die musikalische Untermalung echt hörenswert. Auch die Neuauflage für die Switch kann mit ihrer abwechslungsreichen Musik – irgendwo zwischen J-Pop und Hip Hop – aus dem gewöhnlichen Einheitsbrei hervorstechen, dies gilt aber nicht mehr für die Optik. 

So sehen die Menüs und die Welt noch ziemlich gelungen aus, einige Figuren wirken mit ihren Klamotten aber wie aus einer Teenie-Zeitschrift von vor 15 Jahren. Genauso problematisch sind die Tribals, die nicht nur als Symbolisierung von Gegnern dienen, sondern auch ab und an noch in deren letztlichem Design auftauchen. Tribals sehen im Jahr 2018 einfach nicht mehr gut aus und wirken heutzutage genau so toll wie Sprüche-Wandtattoos.

Doch kommen wir zum größten Streitpunkt des Spiels: der Steuerung. Denn weder die Kontrolle im Handheld- noch die Eingaben im TV-Modus per JoyCon sind nicht ideal gelöst. Dabei sind beide Varianten keine Voll-Katastrophe, dennoch ärgert man sich bei der Verwendung des JoyCons über einen hin und wieder zitternden Cursor mit ungenauen Eingaben während man sich bei der Bewegung per Touchscreen über hektische Kämpfe ärgert, weil sich die Figur nicht dementsprechend der Geste bewegt hat. 

 

FAZIT: Großartiges Japano-Rollenspiel mit Abzügen in der B-Note

 

Dass Square Enix „The World Ends With You – Final Remix“ noch einmal für die Switch veröffentlicht, ist eine tolle Sache. Denn das Spiel hebt sich nicht nur in spielerischer Hinsicht von der regulären Genre-Kost ab, sondern befasst sich auch durchaus mit sehr ernsten Themen, die man nur selten in Videospielen findet bzw. im Jahr 2008 vorfand.

Und auch wenn die Bedienung des Kampfsystems in beiden Steuerungsvarianten nicht optimal gelöst ist, gefallen dennoch das Managen der einzelnen Pins und die actionreichen Kämpfe. Schon allein deswegen lohnt sich der Titel also alle mal.

Wie weiter oben schon angesprochen ist die Optik aber leider nicht mehr ganz so zeitgemäß, was aber nicht an der detaillierten und schön gezeichneten Grafik liegt, sondern an verwendeten Stil-Elementen wie Tribals oder bestimmten Kleidungsstücken. Aber bei Erscheinen im Jahr 2008 war das Spiel am Puls der Zeit und spiegelte perfekt wieder, was im Szeneviertel Shibuya gerade angesagt war. Sehen wir es also als Zeitzeugnis an.

Wer über die Mängel mit der Bewegungssteuerung hinwegsehen kann oder das Spiel sowieso hauptsächlich unterwegs zockt, kann bedenkenlos zugreifen. „The World Ends With You - Final Remix“ ist trotz kleinerer Fehler ein großartiges Rollenspiel, welches definitiv in jede Spielesammlung eines Rollenspiel- und Switch-Fans gehört.