SoulCalibur VI [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 24.10.2018 um 15:30

 

Die Seele des Kampfspiels!

 

Zu Zeiten von PlayStation und Sega Saturn gab es zahlreiche Prügelspiele für die beiden Konsolen, die sich um den Titel des besten Spiels wortwörtlich prügelten. Denkt man an die 32 Bit-Ära zurück, kommen einem Namen wie „Tekken“, Virtua Fighter“ oder „Toshinden“ in den Sinn. Und auch „Soul Blade“ wird der ein oder andere gespielt haben. 

Der Titel von Namco hatte seinen Ursprung in der Spielhalle und begeisterte damals mit seiner Optik, aber auch dem Kampfsystem mit den unterschiedlichsten Waffen vom Schwert über Nunchakus bis zum Kampfstock. Aber vor allem der Nachfolger „SoulCalibur“ riss damals jeden mit, der nur annähernd etwas mit Prügelspielen anfangen konnte. Auf dem Dreamcast sorgten die opulente Präsentation und die genialen Effekte für offene Münder.

Doch leider verlor die Serie über die Jahre hinweg etwas von ihrem Glanz. Zwischen seltsamen Gastauftritten, so zum Beispiel von verschiedenen „Star Wars“-Charakteren oder  einem peinlichen Figurendesign wie Ivys busen-lastigen Kostümen, stimmte es auch einfach inhaltlich nicht mehr. Denn auch den von früher bekannten Story-Modus mit abwechslungsreichen Missionen verlor man bei der Entwicklung aus dem Blick. Nun probiert also „SoulCalibur VI“ erneut sein Glück und hätte gerne einen Teil des alten Erfolgs wieder hergestellt. 

 

Von Klingen und Seelen

 

Im 16.Jahrhundert entbrennt ein Kampf um die beiden Schwerter Soul Edge und Soul Calibur an dem Kämpfer aus der ganzen Welt teilnehmen. Teil 6 der Prügelspiel-Reihe greift also auf die Ereignisse des ersten Serienteils zurück und erzählt diese aus einem neuen Blickwinkel.

Doch wie in jedem anderen Spiel des Genres ist die Story eher ein Aufhänger für toll inszenierte Kämpfe im dreidimensionalen Raum, ordentlich wuchtige Attacken und markige Sprüche des Sprechers. Während es einen Arcade-Modus mit acht aufeinanderfolgenden Kämpfen gibt, werden aber vor allem die beiden Modi Waage der Seelen und Seelen-Chronik für eine ordentliche Langzeitmotivation sorgen.

Bei letzterem handelt es sich um den klassischen Story-Modus in dem ihr mit allen zwanzig Charakteren, darunter auch „The Witcher“-Star Geralt von Riva, jeweils ihren Part der Geschichte spielt. Je nach Figur kann dies von 30 Minuten bis zu ein paar Stunden dauern, den eigentlichen Hauptpart der Seelen-Chronik kann man aber recht flott beenden.

Zwischen den Kämpfen werden minimal animierte Bilder eingestreut, die aber immerhin voll vertont sind und die Ereignisse einigermaßen überzeugend darstellen.

 

 

Das Züngchen an der Waage

 

Während also der reguläre Story-Modus nichts Neues bringt, ist die Waage der Seele schon spannender. So baut ihr euch zunächst einen eigenen Charakter aus dem umfangreichen Editor - der glücklicherweise auch extra anwählbar ist – und startet mit diesem auf einer Weltkarte in Südindien. Dort könnt ihr euch bei Bedarf erst einmal mit der Steuerung und sämtlichen Spezialbewegungen in „SoulCalibur VI“ vertraut machen oder ihr begebt euch sogleich auf eure Reise durch die Welt und stellt euch zahlreichen Kämpfen. Euren Kampfstil wählt ihr übrigens anhand der gewählten Waffe aus. Entscheidet ihr euch also für den Kampfstab von Kilik übernimmt eure Figur auch dessen Bewegungsrepertoire.

Leider krankt auch hier die Inszenierung an Standbildern und Textboxen, immerhin könnt ihr euch im Laufe der Geschichte zumindest immer mal wieder zwischen guten und bösen Taten entscheiden und beeinflusst so die Stellung eurer Geisterwaage. Je nach Tendenz werden auch unterschiedliche Missionen freigeschalten.

Seid ihr bei den Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichsten Feinden, darunter eher generische Berserker aber auch den bekannten Figuren, belohnt euch das Spiel mit Erfahrungspunkten und neuen Waffen oder Nahrung. Während ihr mit den neuen Waffen teilweise viel stärkere Angriffe durchsetzen könnt, dient euch die Nahrung nach deren Verzehr mit einigen Zusatzboni im Kampf. Hier kommt also eine tolle, taktische Komponente hinzu, die euch für die Kämpfe besonders nützlich sind. Denn viele der Auseinandersetzungen haben bestimmte Bedingungen wie „Kein Ring-out“ oder „Nur Treffer mit Tritten zählen“.

Neben den beiden Kampagnen könnt ihr außerdem lokal oder online gegen Freunde antreten oder euren Kampfstil im Training perfektionieren. Schön ist auch die umfangreiche Bonussektion, in der ihr euch durch Galerien klickt, Musikstücke anspielt oder euch die Biografien der jeweiligen Kämpferinnen und Kämpfer durchlesen könnt. Diese schaltet ihr entweder durch fleißiges Spielen frei oder investiert erspielte Seelenpunkte in den Kauf des jeweiligen Produktes. 

 

 

Seelen-Optik

 

Während einige Vorgänger auf den Konsolen meist einen neuen Standard in Sachen Prügelspiel-Grafik setzten, kann dies „SoulCalibur VI“ nicht schaffen. Wirken die Charaktere aus der Entfernung noch recht ansehnlich, werden gerade im Editor die Schwächen der Grafikengine bzw. deren Programmierung deutlich. So passen einige Animationen im Zusammenspiel von Kleidung und Körper nicht so ganz zusammen, auch die Level an sich wirken häufig recht uninspiriert. Und auch wenn die Gesichter der Protagonisten schön modelliert sind, wirken sie durch die toten Augen recht emotionslos. 

Dafür glänzt aber die einwandfreie Steuerung mit einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase, so dass auch Neulinge schnell Erfolge feiern können. Neben einer Taste für das Blocken und den Tritt, unterscheidet „SoulCalibur VI“ noch in vertikalen und horizontalen Attacken mit der Waffe. Nach und nach füllt ihr außerdem eure Seelenleiste, so dass ihr mächtige Angriffe wie die Seelenladung oder die kritische Klinge ausführen könnt. Bei letzterer wechselt die Perspektive und begleitet von tollen Lichteffekten wird dann eure gewählte Aktion ausgeführt. Hier entscheidet sich Erfolg oder Misserfolg anhand des Stein-Schere-Papier-Prinzips. 

Musikalisch bietet „SoulCalibur VI“ gewohnte Serienkost. Epochale Klänge untermalen die mittelalterliche Stimmung des Spiels perfekt, genial ist mal wieder der Ansager, der einen mit seinen markigen Sprüchen ganz heroisch fühlen lässt. 

 

FAZIT: „SoulCalibur“ ist zurück!

 

Bandai Namco schafft mit „SoulCalibur VI“ sicherlich nicht den Sprung an die Genre-Spitze, aber mischt sich mit einem ordentlichen Prügelspiel unter die Kollegen von Capcom und Co. Die Eingliederung von Geralt als neuem Gast-Charakter ist absolut gelungen, der umfangreiche Editor lädt zum Verweilen und Experimentieren ein und in Sachen Umfang kann man auch nicht meckern.

Allerdings stört die sehr lahme und biedere Inszenierung der beiden Story-Modi schon sehr und wirkt eher wie ein Relikt aus frühen Tagen denn als aktuelles Spiel. Dass man nämlich eine mitreißende Geschichte auch in einem Prügelspiel erzählen kann, zeigte zum Beispiel „Injustice 2“ bereits. Natürlich erwartet niemand einen Oscar-reifen Handlungsstrang, aber zumindest eine zeitgemäße Inszenierung. Und das gäben die tollen ikonischen Figuren der Reihe sicherlich her.

Ein Lob verdient sich Bandai Namco definitiv mit dem Waage der Seele-Modus, der euch lange an die Konsole fesseln wird und auch mit vielen motivierenden Inhalten gespickt ist. In Sachen Technik bekommt das Spiel Abzüge in der B-Note, da einfach der letzte Feinschliff fehlt, dafür bietet „SoulCalibur VI“ aber eine richtig eingängige Steuerung, mit der die Kämpfe viel Spaß machen. Der eingeschlagene Weg stimmt also schon mal.