Mega Man 11 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 04.10.2018 um 09:59

 

Happy Birthday, Rockman!

 

Im Jahr 2017 feierte Capcoms Roboterjunge Mega Man, oder Rockman in Japan, seinen 30. Geburtstag. 1987, zu Zeiten von NES & Co., stellte er sich zum ersten Mal Dr. Wily und seiner Schar an Bösewichten entgegen und so wurde der Grundstein für eine der kultigsten Serien des Videospiel-Unternehmens gelegt.

Zu dieser Feierlichkeit veröffentlichte Capcom im vergangene Jahr die ersten zehn „Mega Man“-Spiele in Form von zwei Kollektionen für die Konsolen, gefolgt von den Legacy Collections der Ableger-Reihe „Mega Man X“. Aber Fans warteten natürlich auf einen richtigen neuen Teil der Ur-Reihe und bekommen diesen nun mit „Mega Man 11“ endlich in die Finger. Mit einer modernisierten Optik und einigen kleinen, aber feinen Änderungen im Gameplay will man so nicht nur die alten, sondern auch neue Fans vor den Bildschirm locken. Ob dies gelingt, sagen wir euch in unserem Review.

 

Dr. Wily...again!

 

Wie schon fast üblich für die „Mega Man“-Reihe muss sich der blaue Roboterjunge erneut dem Bösewicht Dr. Wily stellen, der sich eine Armee aus mächtigen Androiden gebaut hat, die alle ihre spezielle Fähigkeit haben.

Ganz serientypisch könnt ihr schon von Beginn an aus den acht Level auswählen und bekommt für das Besiegen des jeweiligen Bossgegners dessen Fähigkeit. Im Optimalfall nutzt ihr diese dann, um im nächsten Level etwas leichter voranzukommen. Bei „Mega Man 11“ handelt es sich also um das klassische Jump’n’Shoot wie auch bei den anderen Teilen der Reihe, dennoch wollte man euch bei Capcom das Leben etwas leichter machen und integrierte zwei neue Features.

 

 

Schießen, springen, Zeitlupe, schießen, ...

 

So habt ihr neben eurer regulären Schußwaffe nämlich nicht nur die Möglichkeit, diese durch einen längeren Druck auf den entsprechenden Button aufzuladen und einen mächtigeren Schuss abzugeben, dank dem Double Gear-System wird euch das fordernde Spiel auch etwas einfacher gemacht.

Mit Druck auf die R1-Taste aktiviert ihr so den Speed Gear, was einem Zeitlupenmodus nahe kommt in dem nur ihr euch in einem normalen Tempo bewegt, L1 hingegen startet den Power Gear. Durch diesen werden eure Schüsse sehr viel stärker. Die Nutzung dieser beiden Funktionen verbraucht natürlich Energie bzw. überhitzt Mega Man und muss dann erst eine Cooldown-Phase abwarten bis er wieder von einer der beiden Funktionen Gebrauch machen kann. Steckt ihr in der Klemme und habt nur noch wenig Energie hilft ein Druck auf L1 und R1 gleichzeitig, so dass sich sowohl die Stärke eures Schusses verbessert als auch die Geschwindigkeit der Gegner reduziert wird.

Solltet ihr einmal mit eurem Standard-Sprung nicht an eine bestimmte Stelle kommen, könnt ihr mit der Dreieck-Taste euren Robo-Hund rufen, der euch als Trampolin fungiert.

 

Bei dir is’ doch ne Schraube locker!

 

Die „Mega Man“-Reihe war schon immer für ihren ordentlichen Schwierigkeitsgrad bekannt und so steht auch Teil 11 diesem Ruf in nichts nach. Blutige Anfänger wählen den entsprechenden Modus und freuen sich über halbierten Schaden durch gegnerische Projektile, unendlich Leben und einige praktische Helferlein, die einen, wie Beat Call zum Beispiel, vor dem Tod durch Abgründe retten. Wer es weniger hilfreich mag, startet auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade und bekommt dann den üblichen Härtegrad serviert.

Erledigte Gegner lassen dabei nicht nur immer wieder Energiehappen fallen, mit denen ihr eure beiden Energieleisten auffüllen könnt, sondern auch Schrauben. Mit diesen könnt ihr zwischen den Level Items und Module für Mega Man kaufen. Während ihr Items während der einzelnen Abschnitte für das Verbessern und Aufladen der Energie o.ä. einsetzen könnt, verändern die Module dauerhaft die Eigenschaften von Mega Man. So könnt ihr euch zum Beispiel ein Modul einsetzen, welches die Größe eurer abgegebenen Schussprojektile vergrößert und so mehr Feinde gleichzeitig treffen.

Die von den Endbossen bekommenen Extra-Fähigkeiten könnt ihr zu jedem Zeitpunkt in einem Level mit Hilfe des rechten Analogsticks ändern und so perfekt auf unterschiedliche Situationen reagieren.

Seid ihr mit dem Hauptspiel durch, warten noch zahlreiche Herausforderungen wie Speedruns auf euch oder ihr klickt euch durch die Galerie und genießt das tolle Roboterdesign der „Mega Man“-Macher. 

 

 

Moderner Retro-Charme

 

„Mega Man 11“ präsentiert sich in einer modernen 2,5D-Optik, die vor allem mit ihren tollen Charakterdesigns begeistert. Die Level-Hintergründe sind meist etwas arg karg, gefallen dann aber meist mit einer tollen Beleuchtung und dem generellen Level-Design.

Die Animationen sind absolut flüssig, natürlich orientiert man sich hier komplett an den früheren Teilen und so sind auch die üblichen Rückstoß-Tode wieder mit dabei, die es schon in früheren Spielen gibt(durch das leichte Zurückstoßen von Mega Man bei Gegnerkontakt ist man früher schon oft in Abgründe gefallen).

Neben der englischen Sprachausgabe kann man auch japanischen Ton wählen, den man eher empfehlen kann. Leider sind die Zwischensequenzen alle in statischen Bildern gehalten, versprühen aber den Charme der „Mega Man“-Reihe mit ihrem typischen Charakterdesign.

Eine der großen Stärken von „Mega Man“ war eigentlich immer der Soundtrack, der einen mit seinen treibenden und rockenden Beats vorangetrieben hat. Leider ist davon im elften Teil nichts übrig geblieben und so dudelt dieser im Hintergrund so vor sich hin. Sehr schade!

 

FAZIT: Ordentlicher Nachfolger ohne Highlights

 

„Mega Man 11“ ist das, was viele von „Mighty No.9“ erwarteten. Eine moderne Interpretation des klassischen Jump’n’Shoot-Konzepts mit kleinen aber feinen Änderungen im Gameplay.

So bringt das Double Gear-System einen tollen spielerischen Kniff in die Reihe, den man auch in Zukunft gerne wieder in Serienteile einbauen kann. Denn auch wenn dadurch der Schwierigkeitsgrad im Bezug auf die Gegner etwas leichter wird, bleibt das fordernde Gameplay der Serie schlicht erhalten. Serienveteranen können sich also nicht beschweren!

Dies und die modernisierte Optik können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Mega Man 11“ leider ohne spielerische Highlights auskommen muss. Die Bosskämpfe sind zwar optisch recht abwechslungsreich gehalten und spielen sich ganz gut, aber irgendwie fehlte der ganz große Wow-Effekt. 

Dafür, dass man das Spiel aber in recht kurzer Zeit durchspielen kann, stimmt dank unzähligen Herausforderungen immerhin der Umfang des Titels. Wer einen kurzweiligen Actiontitel als Happen zwischen den ganzen AAA-Tieln sucht, kann hier dennoch bedenkenlos zurgreifen.