FIFA 19 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 25.09.2018 um 10:12

 

König Fußball ist zurück!

 

Jedes Jahr im August und September, also pünktlich zum Start der neuen Fußball-Saison, beglücken uns Konami und EA mit neuen Ablegern der „PES“- bzw. „FIFA“-Reihe. Nachdem sich die Fußball-Sim aus Fernost schon unseren strengen Testkriterien unterziehen musste, kommt nun mit „FIFA 19“ der neueste Teil des Klassenprimus zurück auf die Konsolen.

Während nun Menschen, die mit dem Sportspiel-Genre nicht so viel anfangen können, gleich wieder die Notwendigkeit einer jährlichen Veröffentlichungsweise in Frage stellen, fragen sich alte „FIFA“-Hasen natürlich, mit welchen Neuerungen EA den beliebten Rasensport noch realistischer umgesetzt hat. Neben diesen Fragen klären wir in unserem Test auch, wie es mit Alex Hunter und seiner Reise gen Fußball-Olymp weitergeht und ob man der Konkurrenz aus dem Hause Konami auch spielerisch das Wasser reichen kann.

 

Alex, Kim und Danny

 

Neben zahlreichen anderen Modi – über die es später noch etwas zu lesen gibt – ist natürlich auch in diesem Jahr „The Journey“ zurück. Im mittlerweile dritten Teil der Kampagne begleiten wir diesmal aber nicht nur Alex Hunter und seinen Kumpel Danny Williams, sondern sind vermehrt auch mit seiner Schwester Kim im Dress der US-Damen unterwegs.

Während Alex sich bei seinem neuen Klub Real Madrid auf den Gewinn der Champions League konzentriert, geht es bei Danny etwas wilder zur Sache. Denn auch wenn man die vergangenen Saison bei Tottenham Hotspur recht gut abgeschlossen hat, scheint der Trainerstab von seinen Qualitäten nicht so ganz überzeugt. 

Wie schon erwähnt ist Kim Hunter nun in die Nationalmannschaft der USA berufen worden und will sich nun für die WM 2019 in Frankreich qualifizieren. Neben all den sportlichen Herausforderungen, stellt aber natürlich auch die Familie wieder einen zentralen Handlungspunkt in „The Journey“ dar, so dass man häufig in Daily Soap-Ebenen abdriftet.

 

 

Training mit den Mentoren

 

Während man seinen jeweiligen Charakter immer noch dank guter Leistungen im Training und in den Spielen nach und nach verbessert, muss sich Alex nach seinem Einstand bei Real Madrid für eine Mentorengruppe entscheiden. In dieser befinden sich je fünf Spieler, die ihren Schwerpunkt in unterschiedlichen Kategorien haben. Wir entschieden uns so für Isco als Mentor, durch dessen Challenges man seine Fähigkeiten im Kurzpassspiel und dem Spielaufbau verbessern kann. Ähnlich wie bei „FIFA 18“ verbessern gelungene Zusammenspiele mit ihm auch das Verhältnis zwischen euch. Aus dieser Idee stammt auch eine neue Spiel-Option für „The Journey“. So könnt ihr nun nämlich nicht nur mit dem kompletten Team oder Alex allein das Match bestreiten, sondern auch mit eurer Mentorengruppe.

Während in jedem Kapitel pro Charakter wieder drei Ziele auf euch warten, erfüllt zu werden, steht ihr hin und wieder auch Reportern Frage und Antwort und könnt euch dabei für eine neutrale, coole oder hitzige Antwort entscheiden.

Habt ihr bereits die vergangenen Teile von „The Journey“ gespielt, übernimmt „FIFA 19“ daraus Entscheidungen und Ereignisse.

 

Alles neu?

 

Den Erwerb der Champions League-Lizenz stellt EA bereits zum Einführungsspiel ganz prominent in den Mittelpunkt des Geschehens und entlässt euch bereits dort in das Endspiel der Königsklasse zwischen Paris St. Germain und Juventus Turin.

Ansonsten halten sich die Lizenz-Neuerungen aber in Grenzen. Prominentester Neuzugang unter den Ligen dürfte sicherlich die chinesische Super League sein, die ja bekanntlich auch in ältere Spieler Unmengen an Geld investiert. Aber auch in Sachen Nationalteams der Damen hat sich noch einiges getan, auch wenn immer noch Vize-Weltmeister Japan fehlt.

Die beste Neuerung – vor allem für Kumpels, die sich häufiger im Couch-Koop messen – sind die zahlreichen Spieloptionen im Freundschaftsspiel. Neben den klassischen Regeln kann man nun auch in einem Survivalmodus oder komplett ohne Regeln kicken. Spannend sind auch Disziplinen wie Distanz(ein Tor von außerhalb des Strafraums zählt zwei Punkte) oder Kopfbälle/Volleys. In Verbindung mit den mit der Online-ID verknüpfbaren Anstoß-Namen werden nun nämlich auch allerlei spannende Statistiken erhoben, die das Kräftemessen unter Freunden noch spannender macht. Auch Pokalwettbewerbe oder mit Heim- und Auswärtsspiel kann man nun gegeneinander auf dem Sofa antreten.

 

Und auf dem Platz?

 

Spielerisch stellte EA im Vorfeld des Releases von „FIFA 19“ vor allem das Schusstiming in den Fokus. Leider ist dieses Feature, bei dem man im richtigen Augenblick erneut den Schussbutton für einen genaueren Schuss drücken muss, im Spiel selbst überhaupt nicht relevant und dürfte wohl ganz schnell wieder von der Bildfläche verschwinden.

Ansonsten fühlt sich das Geschehen auf dem Platz immer noch schneller als Konkurrent „PES 2019“ an, wobei das Ballgefühl und der Spielaufbau aber wesentlich ungenauer wirken. 

Auch in „FIFA 19“ kann man zwar tolle Passspiele bis hin zum gegnerischen Kasten aufziehen, dennoch fühlt sich das bei der Konkurrenz etwas realistischer und besser planbar an. Eure Mitspieler bewegen sich recht gut um euch herum, laufen jedoch viel zu häufig ins Abseits oder vor dem Ball davon. In Sachen Torhüter-KI kann man nicht meckern, der Goalie machte immer einen recht guten Job und leistete sich nie Aussetzer.

Bei den Damen- und Herrenmannschaften merkt man einen leichten Unterschied im Spielverlauf, so scheinen die Frauenteams etwas flotter unterwegs zu sein. 

Konnte man in den vergangenen Jahren eigentlich nur die offensive bzw. defensive Ausrichtung der Mannschaft im Spiel wechseln, ist man nun auch in der Lage komplette Strategien zu ändern ohne in das Pausenmenü zu gehen. So kann man die vorher festgelegten Taktiken über einen Druck auf L2 und die entsprechende Taste auf dem D-Pad ändern. Diese Einstellung hat aber keinen so großen Stellenwert wie beim Rasenschach von Konkurrent „PES 2019“.

 

Modi bis in den Fußball-Himmel

 

In Sachen Modus-Auswahl hat EA seine Hausaufgaben definitiv gemacht. Neben den schon erwähnten Optionen für Freundschaftsspiele und „The Journey“ dürft ihr euch wieder an einzelnen Liga- oder Pokalwettbewerben erfreuen, in der Karriere als Spieler, Team oder Manager antreten oder eurem Sammeltrieb in FIFA Ultimate Team frönen.

Gerade FUT ist seit Jahren einer der stärksten Modi in „FIFA“ und kann auch dieses Jahr wieder überzeugen. Für alle Neulinge hält man ein gutes und kurzes Tutorial bereit, durch das ihr recht schnell in den Modus und seine Besonderheiten eingeführt werdet. Wie schon die Jahre zuvor kann man hier auch einiges an Echtgeld für neue Spieler-Packs loswerden, wobei aber keinerlei Zwang dafür besteht.

Solltet ihr noch nie ein Fußballspiel gespielt haben, kann man erneut den Trainingsmodus empfehlen, der euch dank vieler verschiedener Skill-Spiele gut in die Steuerung und die vielfältigen Optionen auf dem Platz einführt. 

 

 

Fußball-Technik

 

Grafisch ist „FIFA 19“ sehr zwiespältig zu bewerten. So sind die Stadien und das Drumherum toll modelliert und auch die meisten Stars erkennt man ohne Probleme wieder, warum man aber zum Beispiel gerade Spieler vom Partnerclub Borussia Dortmund mal wieder kaum wiedererkennen kann, ist wirklich unverständlich. Und auch bei den kleineren Teams oder in den unteren Ligen herrscht immer noch König Zufall und man muss schon genau hinschauen wenn man seinen Lieblingsspieler der zweiten Liga erkennen will.

Geht es um die Stars kann man bei „FIFA 19“ aber nicht meckern. Hier passt von der Frisur über die Tattoos eigentlich alles, lediglich von den Animationen her hätte man den Fußball-Größen noch etwas mehr Individualität verpassen können. Da hat der Konkurrent aus dem Hause Konami die Nase vorne. 

Ein großes Ärgernis wären technische Aussetzer bei einigen Spielen als es vor allem bei schnellen Konterspielen und dem finalen Pass in die Spitze zu Rucklern kam. Gerade in solch einer Situation kann man weder als Angreifer noch Verteidiger so einen Mangel gebrauchen.

Für ziemliche Unübersichtlichkeit – vor allem in „The Journey“ – sorgen außerdem die zahlreichen Markierungen der Mitspieler. Angefangen bei der eures Stars über die eures Mentors bis hin zu denen eurer Kollegen aus der Mentorengruppe. Auch wenn diese klein gehalten sind, stören sie irgendwie auf dem Platz. Auch das Kamerawackeln bei erzielten Toren hätte man sich sparen können. Vielleicht wackeln riesige alte Stadien wie das von den Boca Juniors noch beim Torjubel, aber gerade in kleineren Stadien in den unteren Ligen wirkt das etwas albern. Und warum läuft fast jeder Torschütze an die Fahne und kickt sie um? Da könnte man sich etwas mehr einfallen lassen.

In Sachen Präsentation und Inszenierung kann man aber bei „FIFA 19“ nicht meckern. Auch die Sounduntermalung in den Menüs und die Kommentare von Herrn Buschmann und Herrn Küpper sind wieder gelungen und versorgen den Spieler mit vielen Infos.

 

FAZIT: Ein klassisches Unentschieden!

 

Vergleicht man „FIFA 19“ mit dem Konkurrenten aus dem Hause Konami muss man natürlich zunächst die perfekte Inszenierung von EA loben, außerdem hat „PES 2019“ in Sachen Lizenzumfang keinerlei Chance.

Doch stellt man die beiden auf dem Platz entgegen, begegnen sich zwei Welten. Rasenschach im Stil von „PES 2019“ trifft dann auf lockeres Gekicke der Marke „FIFA 19“. Wie oben schon angesprochen, wirkt das Spielgeschehen auf dem Rasen bei dem Spiel von EA zwar schön schnörkellos, dafür fehlt ihm aber etwas der besondere Kniff und die Präzision. Allerdings hat man in Sachen Optionsvielfalt beim Verteidigen die Nase vorne. Da stellen sich die Spieler bei „FIFA 19“ wesentlich besser an als beim Konkurrenten.

Alles in allem ist der neue Ableger der „FIFA“-Reihe wieder ein mehr als gelungenes Sportspiel, das für genügend Langzeitmotivation sorgen sollte. Egal ob alleine im Karrieremodus oder „The Journey“ oder im Wettbewerb mit euren Freunden bei FUT oder den spaßigen Duell-Optionen, in „FIFA 19“ könnt ihr in den kommenden Monaten unzählige Monate versenken. Für „FIFA 20“ wünschen wir uns aber auf alle Fälle wieder eine straffere Inszenierung der Kampagne, denn die Geschichte um Alex Hunter, Danny und Kim wirkt in diesem Jahr schon sehr aufgeblasen und unnötig gestreckt.