Zone of the Enders: The 2nd Runner - MARS [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 10.09.2018 um 10:41

 

Die gute alte Zeit

 

Mit „Metal Gear Solid“ hat sich Hideo Kojima ein Denkmal geschaffen und war für Konami eigentlich so unverzichtbar wie Shigeru Miyamoto für Nintendo. Doch der Streit um die Entwicklungsdauer und –kosten von „Metal Gear Solid 5“ brachten das Fass bei der Chefetage von Konami wohl zum Überlaufen und so musste er seinen Hut nehmen. Dass Kojima nicht nur „Metal Gear“ kann, sondern wirklich auch etwas von Spiele-Design versteht, zeigte er Anfang der 2000er Jahre mit den beiden „Zone of the Enders“-Spielen, die für die PS2 erschienen sind. Diese Mech-Spiele waren längst nicht so ausufernd wie „Metal Gear Solid“, aber begeisterten mit ihrem Design und dem schnörkellosen Gameplay. Außerdem rief die Inszenierung Erinnerungen an beliebte Anime-Serien wie „Gunbuster“, „Gundam“ oder „Neon Genesis Evangelion“ wach. 

Nachdem beide Teile vor einigen Jahren als HD-Collection für die PS3 und Xbox 360 in den Handel kamen, veröffentlicht man nun noch einmal den zweiten Teil als PS4-Fassung samt einiger technischen Neuerungen. Wie sich „Zone of the Enders: The 2nd Runner – MARS“ schlägt, erzählen wir euch in den folgenden Absätzen.

 

Von den Toten auferstanden...

 

Eigentlich verdient sich Dingo Egret als Minenarbeiter seine Brötchen auf dem Planeten Callisto. Eines Tages entdeckt er während seiner Arbeit einen Orbital Frame, der einen geheimnisvollen Roboter in sich hält. Leider geschieht dies alles während eines Angriffs der BAHRAM, einer Militär-Organisation vom Mars, und so landet er unverhofft in dem, Jehuty genannten Mech. Nachdem die ersten Gefechte eigentlich ganz gut laufen, wird Dingo jedoch festgenommen und von BAHRAMs Anführer, Nohman, erschossen.
Glücklicherweise bekommt er aber Hilfe einer Agentin der Space Force, die ihn mit allerlei künstlichen Teilen am Leben hält und wieder von den Toten zurückholen kann. Folglich ist Dingo als Kämpfer der Space Force unterwegs und will Rache an seinem vermeintlichen Killer nehmen. Aber auch das Schicksal des Mars ist von dem Gelingen seiner Mission abhängig.

 

 

Mecha-Action vom Feinsten!

 

In der klassischen Thirdperson-Ansicht steuert ihr euren Jehuty durch allerlei Raumstationen oder über Planetenoberflächen und erwehrt euch dabei den feindlichen Attacken. Dafür steht euch ein Nahkampf-Angriff zur Wahl, bei dem ihr euch mit einem Laser-Schwert gegen die Feinde zur Wehr setzt, aber auch zahlreiche Fernkampf-Manöver sind für euren Mech verfügbar. 

Aktiviert ihr so während eines Dashs nämlich eure reguläre Waffe, schießt ihr zielsuchende Raketen auf die Gegner. Dank Burst-Attacke, bei der ihr kurz innehalten und eure Energie aufladen müsst, könnt ihr verheerende Energiebälle auf die Feinde schmettern. Mit Hilfe eines Schildes blockiert ihr feindlichen Beschuss oder deren Nahkampf-Attacken.

Während das Spiel häufig davon Gebrauch macht, dass ihr Umgebungsobjekte aufnehmt und damit Angriffe blockt oder Feinde aus der Distanz unter Beschuss nehmt, kommen später im Spiel auch noch die Sub-Waffen zu eurem Arsenal hinzu. Nach und nach bekommt ihr so immer mächtigere Waffen, deren Gebrauch zwar Energie der Sub-Leiste benötigt, aber die dank durchschlagender Kraft gegen stärkere Feinde wirklich hilfreich sind. So könnt ihr mit dem Geysir Gegner am Boden fixieren oder schleudert mit dem Gauntlet einen mächtigen Schuss auf die feindlichen Mechs. 

Der Ringradar um euren Jehuty zeigt euch jederzeit an aus welcher Richtung die Gegner und deren Projektile kommen, dank Lockon-Funktion habt ihr eure Feinde außerdem immer im Fokus. Dennoch könnte diese etwas genauer sein und sorgt in Verbindung mit der hin und wieder unübersichtlichen Kameraführung für Chaos.

 

Neuer Glanz für alte Mechs

 

Das Design der Roboter in „Zone of the Enders: The 2nd Runner – MARS“ ist aufgrund ihrer eckigen Teile eigentlich perfekt für die damalige Generation gewesen, wirkt aber auch in der HD-Optik der Neuauflage noch immer genial. Zwar ist das Umgebungsdesign recht trist, darüber hinweg trösten aber zerstörbare Objekte in dieser, die für den ein oder anderen taktischen Kniff während der Kämpfe sorgen. 

Wer eine PS4 Pro und einen kompatiblen TV sein Eigen nennt, kann das Spiel in 4K-Auflösung genießen, außerdem können Besitzer von PlayStation VR den kompletten Titel in der virtuellen Realität genießen. 

Während die Kämpfe und die Flugszenen flüssig ablaufen, sind die Anime-Zwischensequenzen leider sehr unscharf und ruckelig geraten. Dies dürfte an der damals verwendeten Technik liegen und wäre wohl zu aufwändig gewesen, an heutige Sehgewohnheiten anzupassen. Seltsam verwaschen und ruckelig wirken auch die Einstiegsszenen zu Kämpfen, die oft in eine Art Slo-Mo gehen, dabei aber den Grafikstil recht verwaschen wirken lassen.

Während die Musik schon nach wenigen Sekunden zu überzeugen weiß und mit ihren mal treibenden, mal sphärischen Klängen die Mech-Schlachten perfekt untermalt, muss man sich bei der englischen Synchro erst einmal warmhören. Schön wäre auch die Option auf japanische Sprachausgabe gewesen, die das Ganze etwas authentischer wirken lassen würde. 

 

 

FAZIT: Auch 15 Jahre nach Release noch ein Kracher!

 

„Zone of the Enders: The 2nd Runner – MARS“ kann auch im Jahr 2018 noch überzeugen. Denn nicht nur die Grafik ist gut gealtert, auch das Gameplay kann heutzutage noch locker mit anderen Action-Spielen mithalten. Und auch wenn der Titel nicht gerade umfangreich ist und außer erspielbaren Boni-Inhalten und einem Versus-Modus abseits der Kampagne nicht viel bietet, besitzt er einen unglaublichen Charme und lässt erahnen, warum man das PS2-Spiel damals so gelobt hat.

Das größte Ärgernis ist eigentlich nur das ab und an aufkommende Chaos, das durch die bockige Zielaufschaltung manchmal noch ordentlich befeuert wird und gerade bei einem speziellen Kampf für etwas Frust gesorgt hat. Zwar kann man die Lockon-Funktion auch manuell vornehmen, wer aber dann auch noch mit Schießen und Dashen und dem Einsatz der Sub-Waffen beschäftigt ist, bricht sich schnell die Finger damit.

Alles in allem ist „Zone of the Enders: The 2nd Runner – MARS“ aber ein großartiger Vertreter der heute viel zu selten gewordenen Mech-Actionspiele.