Yakuza Kiwami 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 04.09.2018 um 10:41

 

Mafia-Geschichten ohne Ende

 

Die „Yakuza“-Serie hatte bis vor wenigen Jahren einen schwierigen Stand im Westen. Während Teil 1 und 2 noch regulär zu uns in den Handel kamen, erlitten Teil 3 und 4 schwere Schnitte, die sich leider auch auf Story-Missionen auswirkten. Doch seit drei Jahren können sich Fans der Spiele-Reihe kaum noch beschweren, denn nach und nach findet jeder Teil der Reihe nun seinen Weg in den Westen.

Neben dem perfekten Einstieg in die Serie mit „Yakuza 0“ und dem Abschluss der Saga um Kazuma Kiryu mit Teil 6, wurde nun nach Teil 1 auch der zweite Ableger der Serie unter dem Titel „Yakuza Kiwami 2“ neu aufgelegt. Zusammen mit den bald erscheinenden PS4-Fassungen von Teil 3 bis 5 sind somit alle Spiele der Hauptreihe nun auf der aktuellen Konsolengeneration erhältlich und Fans dürften keinen Grund mehr haben zu meckern.

Doch wie schlägt sich „Yakuza Kiwami 2“ in unserem Review? Wie überzeugend ist die Mixtur aus überbordenden Story-Missionen, skurrilen Nebenbeschäftigungen und einer gehörigen Portion Japan?

 

Der Drache von Dojima ist zurück!

 

Nach den Geschehnissen aus Teil 1 kommt Tokyos Rotlichtviertel Kamurocho nicht zur Ruhe. Eigentlich wollte Kiryu Kazuma mit seinem Ausstieg aus der Yakuza endlich seine verdiente Ruhe haben, doch ein Zwischenfall auf dem Friedhof, bei dem Clanchef Terada stirbt, zieht in zurück in die Unterwelt. Denn dieser bittet ihn mit seinen letzten Worten darum, zwischen den verfeindeten Clans der Omi- und der Tojo-Allianz zu vermitteln und einen Krieg zu verhindern.

Also macht er sich auf den Weg nach Osaka, um den dort ansässigen Omi-Clan zu besänftigen. Das dies alles andere als reibungslos läuft, dürfte man vorhersehen.

 

 

Miniatur-Japan

 

Erst kürzlich testeten wir mit „Shenmue I & II“ den Serienvater von „Yakuza“, denn im Grunde unterscheiden sich die beiden Serien kaum voneinander. So streift ihr auch in „Yakuza Kiwami 2“ mit einer Figur durch zwar nicht sehr große, aber detailreich gestaltete Areale und müsst dabei allerhand Aufgaben erledigen. Sicherlich legt die Saga um Kiryu Kazuma dabei einen größeren Schwerpunkt auf die Kämpfe und auch die Zahl der Nebenbeschäftigungen ist größer, Ähnlichkeiten zu „Shenmue“ sind aber nicht von der Hand zu weisen.

In den beiden Städten bzw. Stadtteilen findet ihr neben Spielhallen, Supermärkten und Restaurants auch andere Gelegenheiten, die Zeit zu vertrödeln. Ihr wollt ein paar Homeruns schlagen? Kein Problem. Dates mit adretten Hostessen gefällig? Auch das bietet euch „Yakuza Kiwami 2“. In den Sega-Spielhallen findet ihr sogar voll funktionsfähige Spielautomaten von „Virtua-On“ und „Virtua Fighter 2“. Einfach grandios!

Die Missionen bestehen meist daraus, dass man einen bestimmten Ort aufsuchen muss und ein paar böse Buben verhaut, aber auch die ein oder andere Sammelaufgabe ist zwischendurch versteckt. Der große Star in den „Yakuza“-Spielen ist sowieso meist das Aufgebot an Nebenmissionen. In diesen müsst ihr mal einen Passanten vor Gangstern beschützen oder aus einem UFO-Catcher ein bestimmtes Plüschtier für jemanden ziehen. Dann nehmt ihr mal an einer Testphase für ein neues Toiletten-Spiel, Toylet genannt, teil, in dem ihr durch die Stärke eures Urinstrahls ein Minispiel für euch entscheiden müsst. 

Alles in allem präsentiert sich die Welt von „Yakuza Kiwami 2“, auch wenn sie nicht sonderlich groß ist, als detailreiches und lebendiges Abbild des japanischen Alltags. Jeder der schon einmal in den jeweiligen Vierteln war, findet sich auch im Spiel gleich zurecht und umgekehrt. 

 

Faustkamp deluxe!

 

In den „Yakuza“-Spielen fliegen häufig die Fäuste falls es zu irgendwelchen Unstimmigkeiten kommt. Da die Neuauflage von Teil 2 sich nun auch an der Engine von Teil 6 bedient, fällt einem sofort das neue, stärker auf Physik basierte Kampfsystem auf. Neben einem Button für Blocken und Ausweichen könnt ihr euch mit der Kombination von Tritten und Schlägen gegen die Feindscharen zur Wehr setzen und nach und nach ordentliche Kombos vom Stapel lassen.

Während ihr den Gegnern auf die Nase haut, füllt sich außerdem eure Heat-Anzeige, durch deren Aktivierung ihr euch nochmal stärker machen könnt. Außerdem steht auch in Kombination mit verschiedenen Waffen oder dem Greifen des Gegners eine besonders vernichtende Spezialattacke zur Verfügung, die ihr nur mit voller Heat-Leiste ausführen könnt.

Neu in „Yakuza Kiwami 2“ ist die Funktion, mehrere Waffen gleichzeitig auszurüsten und diese mit dem D-Pad während des Kampfes auszuwählen. Besonders gegen dickere Brocken sind Waffen doch immer sehr hilfreich. Habt ihr mal zu viel Prügel eingesteckt, könnt ihr eure Energieleiste mit zahlreichen Drinks oder Lebensmitteln wieder auffüllen. Dies ist auch bei eurer Heat-Anzeige möglich.

Für den erfolgreichen Kampf oder Abschluss einer Mission bekommt ihr Erfahrungspunkte, die ihr jederzeit über das Menü gegen bessere Stats austauschen könnt. Neben einer erweiterten Energieleiste lernt ihr so neue Moves für die Kämpfe kennen oder verbessert eure Flirteigenschaften bei Hostessen-Dates oder die Ausdauer beim Rennen. 

 

Baustellen, Gangfights & Hostessen

 

Seit mehreren Teilen gibt es in den „Yakuza“-Spielen neben all den regulären Nebenmissionen auch zeitintensivere Beschäftigungen abseits der Hauptstory. Und „Yakuza Kiwami 2“ vereint nun mehrere davon in einem Spiel. So kehrt zum einen der großartige Hostessen-Bar-Simulator zurück, den man auch locker als Spiel für mobile Endgeräte einzeln verkaufen könnte. In diesem sorgt ihr dafür, dass eure Gäste gut unterhalten werden, aber auch eure Damen gut behandeln. Fühlt sich euer Gast wohl, kann es durchaus passieren, dass er seine Session mit der Hostess verlängert und somit steigt auch euer Umsatz.

Weiterhin mixt „Yakuza Kiwami 2“ nun die Inhalte des Clan Creators aus Teil 6, in dem ihr eure eigene Gang gegen andere in taktisch geprägte Straßenschlachten geschickt habt, mit einer neuen Hintergrundgeschichte rund um Majima Constructions. Stichwort Majima: Serienliebling Goro Majima hat in dieser Neuauflage eine kleine Nebengeschichte spendiert bekommen, in der man in seine Rolle schlüpfen kann und die nicht im Original enthalten war.

 

 

Japan im Detail!

 

Die Dragon Engine tut „Yakuza Kiwami 2“ recht gut, denn eigentlich sah kein Spiel der Reihe bisher so gut aus. Während Teil 6 noch mit heftigem Tearing zu kämpfen hatte, läuft die Neuauflage von Teil 2 flüssig und bietet euch einen detailreichen Blick auf die beiden Viertel in Tokyo und Osaka.

Die Animationen der Figuren sind in einigen Zwischensequenzen zwar recht hüftsteif und einige Handlungen der Charaktere könnten sauberer ausgearbeitet sein, allerdings begeistert „Yakuza Kiwami 2“ mit den extrem realistischen Gesichtern, die vor allem in Verbindung mit der großartigen japanischen Synchro echte Mafiafilm-Stimmung aufkommen lassen. Vertont sind allerdings nur die wichtigen Zwischensequenzen, normale Dialoge auf der Straße oder kurz zwischendurch sind höchstens mit einem kurzen Wort vertont während der Rest des Gesprächs der Textbox zu entnehmen ist.

Die meisten Gebäude kann man mittlerweile auch ohne Ladezeiten betreten, so dass das Spielgefühl wesentlich flüssiger ist als noch bei den Teilen auf der PS3. Diese schnörkellose Inszenierung gepaart mit den tollen Lichteffekten und den großartigen Animationen sorgt für einen sehr guten, technischen Gesamteindruck.

 

FAZIT: Stundenlange Unterhaltung ist garantiert

 

Mit den Neuauflagen der „Yakuza“-Reihe und dem tollen Einstieg „Yakuza 0“ gelingt es Sega perfekt, auch Serien-Neulinge mit in das Boot zu holen. Und auch wenn „Yakuza Kiwami 2“ in Sachen Story nicht an andere Serien-Teile herankommen kann und sie an einigen Stellen fast schon generisch wirkt, schließt man die vielen Figuren ganz schnell wieder in sein Herz. Mit Kaoru Sayama hat man außerdem mal wieder eine toll geschriebene, weibliche Figur ins Spiel gebracht.

Gepaart mit der tollen Technik kann man „Yakuza Kiwami 2“ also eigentlich uneingeschränkt weiterempfehlen. Auch die zig Nebenbeschäftigungen wissen zu gefallen, allen voran das Management der Hostessen-Bar. Serien-Veteranen werden gegenüber dem Original einige Änderungen feststellen für die das Spiel im Netz auch einiges an Kritik einstecken musste. Dies betrifft vor allem einige Nebenmissionen, die ersetzt und angepasst wurden.

Solltet ihr als „Yakuza“-Neuling nun Lust auf das Spiel bekommen haben, empfiehlt sich trotzdem der Einstieg mit „Yakuza 0“. Serien-Fans schlagen sowieso zu...und das nicht nur bei den fiesen Mafia-Bossen!