PES 2019 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 03.09.2018 um 10:37

 

Fußball-Tradition

 

Bereits Mitte der 1990er machte Konami den Kanadiern von EA mit „International Superstar Soccer“ ordentlich Konkurrenz, jedoch gab es damals auch noch viele andere Publisher, die mit ihren Spielen etwas vom Fußball-Kuchen abhaben wollten. Dennoch entwickelte sich die Reihe schnell zum Geheimtipp, wurde zu Beginn der 2000er in Europa dann allerdings ab- und durch die japanische „Winning Eleven“-Reihe ersetzt.

Bei uns hörte diese auf den Namen „Pro Evolution Soccer“ und machte den „FIFA“-Spielen gehörig Druck. Teil 4 gehört wohl zu einer der besten Fußball-Simulationen, die es jemals gab und auch wenn „PES“ damals schon mit einem geringeren Lizenz-Umfang kämpfen musste, behauptete man sich recht gut gegen die Konkurrenz aus Kanada. Doch der Generationswechsel von PS2 auf PS3 bereitete der Reihe einen ziemlichen Rückschlag von der sie sich eigentlich erst so richtig mit dem Wechsel auf die hauseigene Fox-Engine und die aktuelle Generation erholte. Leider ist jedoch das Lizenz-Problem mittlerweile wieder etwas größer geworden. Doch was kann „PES 2019“ auf dem Platz? Wir klären es in unserem Test. 

 

Keine Königsklasse, aber Schottland

 

Seit vielen Jahren konnten Konami und „PES“ zumindest mit der Champions und Europa League-Lizenz glänzen, diese ging jedoch nun auch an EA verloren. Immerhin hat man nun aber den International Champions Cup an Bord, der mittlerweile vor den offiziellen Saison-Starts in Asien und Nordamerika ausgetragen wird. Auch die asiatische Champions League blieb dem Spiel glücklicherweise erhalten.

Wie aus den Vorjahren gewohnt, sind zwar die großen Ligen aus Italien, England oder Spanien enthalten, aber nur teilweise lizensiert. So könnt ihr in Spanien nur mit dem FC Barcelona in authentischen Trikots und Stadion antreten, alle anderen Mannschaften sind zwar mit den originalen Spielern besetzt, aber haben nicht das offizielle Logo oder Trikot. Neu sind bei „PES 2019“ einige voll lizensierte Ligen aus Schottland, Dänemark, Belgien oder der Türkei. Die russische Liga hat „PES 2019“ dabei exklusiv. 

Auch aus Südamerika sind die Ligen aus Argentinien, Chile oder Kolumbien enthalten und so kommt man alles in allem auf ordentliche 17 Ligen samt deren Pokal-Wettbewerbe und internationalen Turnieren. Auch aus einem umfangreichen, teillizensierten Pool an Nationalmannschaften könnt ihr euren Favoriten wählen.

 

 

Modi-Tradition

 

Wer bereits „PES 2018“ oder „PES 2017“ gespielt hat, dürfte sich in Sachen Modi gleich zuhause fühlen. Neben obligatorischen Online- und Offline-Matches geht ihr außerdem in My Club, Werde zur Legende oder der Meister-Liga auf Titeljagd.

In My Club stellt ihr euch eure eigene Elf zusammen und müsst dabei auf die Chemie zwischen den Spielern und den Taktiken des Trainers achten. Neue Spieler bekommt ihr durch den erfolgreichen Einsatz von Scouts, die euch auch hin und wieder einen Altstar wie David Beckham für die Mannschaft organisieren können. Die Matches bestreitet ihr dabei entweder on- oder offline und könnt an zeitlich begrenzten Turnieren teilnehmen. Mit Siegen erspielt ihr euch nicht nur wertvolle GP sondern auch Erfahrungspunkte für eure Spieler, die so nach und nach besser werden.

Werde zur Legende lässt euch mit einem eigenen Spieler oder in der Rolle eines vorhandenen Stars die virtuellen Fußball-Schuhe schnüren, kann aber in einigen Punkten nicht so recht überzeugen. So durfte unser Alter Ego sofort in der Startelf antreten, außerdem vermisst man ein Feedback-System auf dem Platz. Eine Story dürft ihr auch nicht erwarten, hier geht es lediglich um die Weiterentwicklung des eigenen Spielers und eine möglichst erfolgreiche Karriere.

Das Herzstück von „PES“ ist seit Jahren schon die Meister-Liga, die euch umfangreiche Manager-Funktionen zur Seite stellt und euch somit zum Allround-Talent macht. Egal ob Verpflichtungen, Team-Strategie oder die Pflege des Jugend-Kaders, ihr habt alles selber in der Hand. Dabei setzt man die Inszenierung der letzten Jahre fort und streut immer wieder einmal Zwischensequenzen ein. Diese überzeugen allerdings nur in den seltensten Fällen, da sie entweder nicht vertont sind oder einfach sehr steif inszeniert sind. Natürlich dürft ihr neben all den Manager-Funktionen auch das Geschehen auf dem Platz selber steuern und euch so als internationaler Top-Klub etablieren.

Solltet ihr ein Serien-Neuling sein, könnt ihr euch einmal den Trainings-Modus genauer anschauen, der euch die Grundlagen der Steuerung klar und deutlich erläutert und Spielsituationen ausprobieren lässt.

 

Entscheidend ist auf dem Platz!

 

„PES“ ist auch in diesem Jahr in Sachen Gameplay wieder wesentlich langsamer als die Konkurrenz und sorgt vor allem mit der genialen Ballphysik für Furore. Selten hat man so realistisch mit dem runden Leder gekickt und in Kombination mit dem tollen Offensiv-Spiel steht hier sehenswerten Kombinationen nichts im Wege. 

Dank der bereits bekannten Anzeige neben dem Spielernamen am unteren Bildschirmrand könnt ihr jederzeit die Taktik und Ausrichtung eurer Mannschaft sehen und somit schnell reagieren, wenn ihr in die totale Offensive oder mauern wollt. Diese ändert ihr mit einem Druck auf L2 und der zugeordneten Taste auf dem D-Pad. 

Eine weitere Neuerung ist die erweiterte Ermüdungsfunktion bei den Spielern. Hat man in vergangenen Teilen die nachlassende Kraft anhand schlapper Spurts gemerkt, lassen ermüdete Spieler ab und zu den Kopf hängen oder müssen Sprints abbrechen. Auch das Verletzungsrisiko steigt dann natürlich an. Dank einer neuen Schnellwechsel-Funktion kann man aber so den jeweiligen Spieler recht flott gegen einen anderen tauschen. 

In „PES 2019“ könnt ihr außerdem wieder bei Schnee bolzen, die Einstellungen für den Rasen wie die Schnittlänge und dessen Zustand sind erhalten geblieben und beeinflussen eure Spielweise realistisch.

Die KI von Mitspielern, Schiedsrichter und Torwart ist in Ordnung. Glücklicherweise lässt der Schiri nicht mehr so viel laufen wie in den vergangenen Jahren, da die Gegner meist sehr fair spielen gibt es dennoch recht wenig Freistoß-Situationen.

 

 

Tolle Technik!

 

Konami macht eine hervorragende Arbeit bei der Umsetzung von echten zu virtuellen Spielern. Dank zahlreicher Details wie Tattoos & Co. sehen diese den Vorbildern immer ähnlicher, auch wenn die Mimik ab und an etwas zu grob wirkt. Im Zusammenspiel mit dem neuen Beleuchtungssystem und den liebevoll ausgearbeiteten Stadien kann man manche Screenshots kaum von realen Szenen unterscheiden.

Auch im Stadion selbst herrscht eine gute Stimmung, spannende Szenen werden dementsprechend vom Publikum mit Applaus oder Buh-Rufen quittiert. Ein Ärgernis ist mal wieder der deutsche Kommentator, den man sich nur wenige Spiele lang anhören kann. Von vielen Wiederholungen abgesehen, reden die Herren Hagemann und Küpper oft absoluten Blödsinn und kommentieren Szenen unpassend. Das ist schade! Aber der englische Kommentator ist glücklicherweise auch im Spiel enthalten und somit kann man gerne umschalten.

Streitpunkt werden bei einigen Leuten wohl die Menüs sein, die zwar übersichtlich gehalten, allerdings schon sehr stark reduziert sind und nicht viele Spielereien bieten. Neulinge werden sich hier schwerer tun als Serien-Veteranen, dennoch sollte Konami in Zukunft mal in eine innovative Menüführung investieren. Die musikalische Untermalung der Menüs verzichtet auf ein Who-is-who der Musikindustrie, kommt aber mit einigen guten Ohrwürmern daher.

 

FAZIT: Tolle Fußball-Sim mit Abzügen in der B-Note

 

„PES 2019“ präsentiert sich auf dem Platz als eines der ausgereiftesten und besten Fußball-Spiele der letzten Jahre, kann aber leider abseits des Stadions nicht so ganz überzeugen. Die vorhandenen Modi dürften für einiges an Langzeitmotivation sorgen, vor allem My Club und Meister-Liga sprechen Fußball-Fans an, die ihre perfekte Mannschaft an die Spitze der Fußball-Welt setzen wollen.

Seien es die tollen Spielzüge oder die deutlichen Auswirkungen der Taktik-Umstellungen, das ist ganz großer Sport und dafür muss das Team bei Konami sehr gelobt werden.

Ob man allerdings mit den neulizensierten Ligen aus Belgien, Schottland oder Russland wirklich viele Käufer anspricht, bleibt fraglich. Zumindest auf der PS4 kann man dank toller Fan-Patches aber einiges an Mannschaften und Lizenzen im Nachhinein editieren, außerdem versprach Konami auf der gamescom, dass man weitere Ligen per Update ins Spiel bringen wird.

Dennoch ist das Lizenz-Durcheinander schon ein gehöriger Minuspunt, wenn man von der Grundversion ausgeht. Wer also auf das dicke Paket an Ligen, Spielern, Pokalen und Turnieren verzichten kann und Wert auf eine realistische Abbildung des Fußball-Sportes legt, sollte definitiv bei „PES 2019“ zugreifen.