We Happy Few [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.08.2018 um 10:19

 

Drogen, Kickstarter & Microsoft

 

Im Jahr 2015 berichteten viele Videospiel-Medien über die Kickstarter-Kampagne zu „We Happy Few“, in dem man sein eigentlich tristes Leben dank einer Droge als heile Welt darstellen lassen konnte. Diese skurrile Grund-Thematik in Verbindung mit der speziellen Optik ließ das Spiel ganz schnell zu einem echten Geheim-Tipp werden und so unterstützten zahlreiche Backer Entwickler Compulsion Games mit knapp 340 000 kanadischen Dollar.

Als Microsoft dann den Entwickler kaufte, bekam man natürlich erneut eine Finanzspritze für das Spiel, welches nun aber sowohl für PC und Xbox One aber auch für die PlayStation4 erscheint. Letztere Fassung haben wir für einen Test genauer unter die Lupe genommen und verraten euch, was aus dem Spiel letztlich wurde.

 

Wellington Wells hat ein Problem

 

England in den 1960er Jahren: In der Rolle von Arthur arbeitet ihr bei der lokalen Zeitung auf der Insel Wellington Wells und zensiert unangebrachte Artikel in alten Ausgaben des Blatts. Euer eigentlich trister Alltag wird dank der Droge Freude immer wieder in bunte Farben und vor Glück strahlende Mitmenschen verwandelt.

Als ihr aber eines Tages über einen alten Artikel stoßt, der davon berichtet wie euer Bruder und alle anderen Jugendlichen unter 13 damals von den Nazis von der Insel entführt wurden, beginnt Arthur über sein Leben nachzudenken. 

Denn in dieser alternativen Welt haben die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen und den Bewohnern von Wellington Wells zwar ihren Frieden gelassen, dafür aber eben  die Kinder mitgenommen. 

Somit beschließt Arthur der Wahrheit dieses Vorfalls auf den Grund zu gehen und die Freude nicht mehr zu nehmen. Das sieht seine Chefin natürlich gar nicht gerne und jagt ihn aus dem Büro. Natürlich sind ihm auch die Gesetzeshüter auf den Fersen, denn die Freude muss konsumiert werden.

 

 

Kubrick wäre stolz!

 

Während ihr euch also fortwährend mit Arthur in der Egoansicht durch die Dörfer und Städte und über Land bewegt, sammelt ihr alles was nicht niet- und nagelfest ein, um daraus später einmal einen wichtigen Gegenstand zu craften. So findet ihr Beeren, die ihr zu einem heilenden Balsam verarbeiten könnt oder kombiniert Stofffetzen mit anderen Items um daraus einen Anzug zu schneidern, der euch in einer schickeren Gegend nicht so auffallen lässt.

Tagsüber trefft ihr dabei meist nur auf Einwohner des Eilands, es sei denn ihr seid in einem Lager von Feinden unterwegs. In der Nacht patrouillieren dann die Bobbies herum und greifen euch an sobald sie euch sehen. Glücklicherweise kann man sich in geduckter Haltung aber auch von A nach B schleichen. Solltet ihr aber doch einmal  einem Kampf nicht ausweichen können, erledigt ihr den Feind entweder lautlos hinterrücks oder greift zu etlichen Waffen. Zu Beginn stehen euch lediglich eure Fäuste zur Verfügung, nach und nach werden die Waffen aber besser. Mit so einer Schaufel kämpft es sich dann doch auch leichter!

Das Kampfsystem ist dabei sehr rudimentär und nicht sonderlich ausgefuchst, neben einem Knopf für das Schlagen gibt es einen weiteren zum Blocken. 

Im späteren Spielverlauf schlüpft ihr noch in die Rolle zweier weiterer Charaktere, nämlich in die von Sally Boyle und Ollie Starkey. Während man mit ersterer vorwiegend schleichend die Missionen erledigt, ist Ollie ein ehemaliger Soldat, der es gerne handfester mag. In Sachen Schleichen stellt einem das Spiel ein paar Hilfen zur Verfügung. So könnt ihr im geduckten Modus die Fußabdrücke der Gegner sehen und so ihre Laufwege analysieren. 

 

Das Loot macht’s!

 

Wie oben schon erwähnt grast ihr Wellington Wells nach allen brauchbaren Gegenständen ab und erstellt euch daraus allerlei hilfreiche Items. Dies könnt ihr entweder im Menü machen, das ihr über das Touchpad aufrufen könnt oder an Werkbänken, die ihr in euren Unterschlupfen findet. Diese sind über die ganze Insel verteilt und können dank Schnellreise-Luken einfach erreicht werden.

Neben der Werkbank steht dort auch ein Tisch für chemische Helferlein, außerdem findet ihr den sogenannten Druckluftvorrat, eine Item-Box die eure Gegenstände überall verfügbar macht. Auch einen Automaten zum Kauf von Materialien findet ihr dort und ein Bett, um euch auszuruhen.

Mit der Warte- oder Schlaffunktion überbrückt ihr nämlich Zeit und ruht eure Figur aus. Denn Arthur und Co. werden nicht nur hungrig und durstig, sondern auch müde. Glücklicherweise muss man aber nicht unbedingt auf diese Statuswerte achten, sind diese aber aufgefüllt, profitiert euer Charakter davon indem er zum Beispiel etwas mehr Ausdauer hat. 

In den Gebieten findet ihr immer wieder auch Areale, die ihr zu einem früheren Zeitpunkt des Spiels nicht betreten könnt, da euch Ausrüstungsgegenstände wie eine Gasmaske oder ein anderes Gerät fehlen. Außerdem müsst ihr in Städten darauf achten, dass ihr nicht einfach in ein Haus spaziert, denn die Bewohner mögen das meist sogar nicht und hetzen dann alle anderen Stadt-Bewohner gegen euch auf, so dass nur die Flucht bleibt. Diese verfolgen euch zwar ein Stück weit, habt ihr euch aber erfolgreich versteckt, sind sie euch das nächste Mal wieder wohlgesonnen.

 

 

Technik aus den 60ern

 

Bisher klingt „We Happy Few“ also gar nicht so verkehrt, oder? Und das Spiel könnte, abgesehen von einigen Gameplay-technischen Fehlentscheidungen – auch ganz cool sein, wenn da die grausige Technik nicht wäre.

Während das Intro bereits einen ruckeligen Eindruck macht, sind die folgenden Ladezeiten noch schlimmer. Teilweise warteten wir während unseres Tests drei Minuten bis das Level geladen war. Besser gesagt Teile des Levels, da es zwischendrin auch zu plötzlichen, zum Glück nur kurzen Ladepausen kam. Nun könnte man denken, dass das Spiel eine überdurchschnittlich gute Grafik biete und mit allerlei Effekten die Augen verwöhne, dem ist aber leider nicht so. 

Zwar ist der Artstyle sehr interessant und erinnert teilweise etwas an die Monty Python-Trickszenen, aber die sehr spät nachladenden Texturen und die häufigen Ruckler, auch bei Kämpfen, bremsten den Spielspaß doch extrem aus. Hinzu kamen plötzlich verschwindende NPCs, unsauber übersetzte Texte(Mixtur aus Englisch und Deutsch) und Objekte, die man erst nach mehrmaligen Versuchen endlich aufnehmen konnte. Zumindest ist die Steuerung und Tastenbelegung in Ordnung, wenn man sich damit vertraut gemacht hat. 

 

FAZIT: Da wäre mehr drin gewesen!

 

Leider kann man „We Happy Few“ nicht unbedingt jedem empfehlen. Vor allem Technik-Fans werden sich an den vielen Mängeln stören und ganz ehrlich sind diese auch nur wenig verständlich, wenn man bedenkt, dass mittlerweile Microsoft hinter dem Studio steht.

Dabei ist die Grundidee des Spiels, eine Mischung aus Action-Adventure und Überlebens-Sim in Kombination mit dem toll geschriebenen Setting eigentlich ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Vor allem die Szenen in denen eure Figur dank der Drogen-Einnahme die Scheinwelt sieht, sind so skurril und einzigartig. Aber leider verliert sich das Spiel in seiner Idee und mischt zu viele Elemente mit hinein. Dies ist sicherlich auch dem Ursprung des Spiels geschuldet, das einmal als ein Roguelike gedacht war. Hätten Compulsion Games auf den ganzen Loot-Schnickschnack verzichtet und ein straighteres Spiel daraus gemacht, das sich mehr auf seine Story konzentriert, hätte man hier Hits wie „Bioshock“ Konkurrenz machen können. So bleibt „We Happy Few“ ein interessanter Titel, der möglicherweise dank einiger Patches in Zukunft vielleicht spielenswerter werden wird. Man wird es sehen.